100-Milliarden-Marke geknackt

Rekord-Einlagen bei Volks- und Raiffeisenbanken

München: Trotz mickriger Zinsen für Geldanlagen sammelten die Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern von ihren Kunden vergangenes Jahr Milliarden ein.

So mickrig wie in den vergangenen Monaten waren die Zinsen für Geldanlagen noch nie. Trotzdem sammelten die Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern von ihren Kunden vergangenes Jahr Milliarden ein.

Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken haben im vergangenen Jahr trotz der Mini-Zinsen soviel Geld von ihren Kunden erhalten wie nie zuvor. Die Geldeinlagen nahmen um 3,5 Prozent auf 103,4 Milliarden Euro zu und lagen damit erstmals über der 100-Milliarden-Euro-Marke. Dies sei angesichts des harten Wettbewerbs bei Geldeinlagen bemerkenswert, sagte der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, Stephan Götzl, am Mittwoch in München. „Insbesondere Groß- und Auslandsbanken sind immer wieder mit Lockangeboten im Markt.“ Auch staatlich gestützte Banken mischten eifrig mit, weil sie die Kunden mit „Mondkonditionen“ locken könnten.

Kunden legen sich nicht mehr langfristig fest

Seit der Finanzkrise gehe es den Kunden aber nicht mehr darum, das „letzte Zehntel“ Zinsgewinn zu machen - an erster Stelle stehe die Sicherheit. Die historisch niedrigen Guthabenzinsen von weniger als einem Prozent belasten auch die Banken. „Dass das im Moment nicht lustig ist, ist klar“, sagte Götzl. Allerdings legen sich die Kunden nicht mehr langfristig fest: Während die Spareinlagen nur um 2,6 Prozent zulegten, wuchsen die kurzfristigen Anlagen mit täglicher Verfügbarkeit um 16,6 Prozent. „Die Kunden schichten um und wollen liquide bleiben, weil sie auf höhere Zinsen hoffen“, sagte Götzl.

Großen Plus beim Kreditgeschäft

Noch stärker als die Geldeinlagen wuchs im vergangenen Jahr das Kreditgeschäft mit einem Plus von 5,6 Prozent auf 75,6 Milliarden Euro. Dazu trug vor allem die Immobilienfinanzierung bei. Die Bilanzsumme erhöhte sich um 3,5 Prozent auf 132,9 Milliarden Euro. Sowohl die Volks- und Raiffeisenbanken als auch die Sparkassen haben in den vergangenen Jahren neue Kunden gewonnen, die nach dem Beginn der Finanzkrise von den Privatbanken zu ihnen wechselten. Allein die Volks- und Raiffeisenbanken zählten nach Worten von Götzl pro Jahr mehr als 50 000 neue Privatkunden und mehr als 20 000 Geschäftskunden.

Mit mehr als 3000 Filialen und Zweigstellen in Bayern haben sie das dichteste Filialnetz noch vor den Sparkassen. Götzl schloss einzelne Filialschließungen in den kommenden Jahren allerdings nicht aus. Im vergangenen Jahr wurden 29 Filialen geschlossen. Ein Rückzug aus der Fläche stehe zwar nicht zur Diskussion - dazu sei das persönliche Gespräch zu wichtig. Durch immer neue Auflagen nehme der Kostendruck für die Banken aber immer weiter zu. Götzl beklagte erneut eine „Regulierungswut“, die die Falschen treffe. „Der Wettbewerb im Bankgeschäft ist gestört, weil die Politik dirigistisch eingreift.“

dpa

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