Wohlhabende Kunden müssen zahlen

Bayerns Volksbanken verlangen zunehmend Strafzinsen

München - Wohlhabende Einwohner des Freistaats müssen sich auf ungemütliche Zeiten einstellen: Zumindest die Genossenschaftsbanken setzen immer häufiger auf Strafzinsen.

Angesichts der anhaltenden Zinsflaute müssen sich vermögende Kunden auch bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken zunehmend auf Strafzinsen einstellen. Schon jetzt erhöben viele Institute bei Firmenkunden mit sechsstelligen oder höheren Einlagen entsprechend Negativzinsen, wie der Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern, Jürgen Gros, am Donnerstag in München sagte. Allerdings werde im Einzelfall immer genau hingeschaut und im Gespräch mit den Kunden überlegt, ob Einlagen beispielsweise in Fonds umgeschichtet werden können. Für Sparer mit einigen zehntausend Euro an Einlagen dürften Strafzinsen hingegen vorerst kein Thema werden, sagte Gros.

„Wenn Wettbewerber verstärkt Negativzinsen berechnen, müssen auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Freistaat vermehrt über eine Anpassung ihrer Konditionen nachdenken“, sagte Gros. „Die Institute gehen sonst das Risiko ein, von Liquidität überschwemmt zu werden.“

Keine Besserung in Sicht

Auch für das laufende Jahr erwartet Gros keine Entspannung. „Deutschland bleibt 2017 im Zinstief gefangen.“ Trotz steigender Inflation sei auf absehbare Zeit nicht mit einer geldpolitischen Kehrtwende der Europäischen Zentralbank zu rechnen. Deshalb stellen sich die Volks- und Raiffeisenbanken auf ein abermals niedrigeres Zinsergebnis ein. Die gute Konjunktur dagegen dürfte für ein lebhaftes Kreditgeschäft sorgen.

Das schwierige Umfeld schlug sich auch im vergangenen Jahr auf die Ertragslage der Kreditgenossenschaften im Freistaat nieder. So gab der Zinsüberschuss als der mit Abstand wichtigste Ertragsbringer der Banken um fast drei Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro nach - trotz eines Wachstums im Kreditgeschäft. Das Ergebnis vor Steuern wuchs zwar um gut 8 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, aber vor allem, weil niedrigere Abschreibungen auf Wertpapierbestände anfielen.

dpa

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