Volksfeststimmung auf MAN-Hauptversammlung

- München - Schon in der U-Bahn auf dem Weg zum Münchner Messegelände sitzen zwei unterschiedliche Gruppen von Menschen. Die einen, dunkel gekleidet, streben offensichtlich Messegeschäften entgegen, andere, überwiegend in Freizeitkleidung, gehen zur Hauptversammlung der MAN AG, als ob es ein Volksfest wäre. "Fahren's auch zur MAN?", fragt der Sitznachbar mit Bergschuhen und Rucksack. Er, MAN-Mitarbeiter, sei seit 1970 dabei und besitzt 3000 Aktien des Maschinen- und Nutzfahrzeugherstellers.

Aufsichtsratsvorsitzender Volker Jung gab das Wort unter dem grellen Lampenlicht gerne an den MAN-Vorstandsvorsitzenden Håkan Samuelsson weiter: "Nach mir darf nun Herr Samuelsson unter diesen Scheinwerfern leiden." Der, seit Januar MAN-Chef, erklärte nach der Vorstellung überwiegend guter Zahlen: "Wir müssen dynamischer, offener, internationaler und profitabler werden." Von den früher elf bleiben nur noch die fünf Kernbereiche Nutzfahrzeuge, Industriedienstleistungen, Drucksysteme, Dieselmotoren und Turbomaschinen. Alle Randgeschäfte sollen möglichst noch im Laufe dieses Jahres verkauft werden. Bei den Renditezielen "haben wir noch ein Drittel des Weges vor uns", sagte der MAN-Chef.<BR><BR>"Herr Samuelsson, das war ein guter Auftritt", lobte ihn dann auch Daniela Bergdolt, Landesgeschäftsführerin Bayern der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. In der Aktie sei jedoch immer noch eine Übernahmefantasie drin, da die einzelnen MAN-Sparten mehr wert seien als die Summe. "MAN steht auf der Wunschliste so manches Investors, der meint, hier einen Reibach machen zu können", äußerte die Aktionärsschützerin. Und wann bekomme MAN das Problem mit den defizitären Bogendruckmaschinen in den Griff?<BR><BR>Artig antwortete der Schwede Samuelsson, dass "wir Wert schaffen müssen", um gegen Übernahmen gefeit zu sein. Der Durchbruch beim Bogendruck sollte noch 2005 erreicht werden. Und wandte sich dann zu seinem Vorstandskollegen: "Hab ich alles richtig gesagt?"<BR><BR>Auch die übrigen Aktionärsvertreter sparten mit Kritik. Tim Albrecht, Manager der Fondsgesellschaft DWS, die mit 5,5 Prozent am Grundkapital von MAN beteiligt ist, wollte wissen, warum MAN bei Kurs und Rendite hinter den Wettbewerbern Scania und Volvo hinterherhinke. Ein einziger Aktionär hatte einen Gegenantrag gestellt. <BR><BR>Die Hauptversammlung beschloss, die Dividende auf 1,05 Euro (Vorjahr 0,75 Euro) je Aktie zu erhöhen. Im Anschluss wählte der neue Aufsichtsrat auf seiner ersten Sitzung Ekkehard D. Schulz, Vorstandsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG, zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Der frühere MAN-Chef Rudolf Rupprecht wurde einfaches Aufsichtsratsmitglied.<BR><BR>Ansonsten überwiegend zufriedene Gesichter am Büfett. Eine Million Euro gibt die Gesellschaft für die Verköstigung ihrer Besitzer aus. Eine Jung-Aktionärin, die erst letztes Jahr MAN-Papiere gekauft hatte, erwartet von der Hauptversammlung "in erster Linie gutes Essen". Mit dem Kurs der MAN-Aktie sei sie zufrieden.<BR><BR>

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