Volkswagen-Affäre: Autokönig Piëch gerät unter Druck

Braunau - Paukenschlag in der VW-Affäre: Zweieinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Skandals um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten gerät nun die zentrale Figur bei Volkswagen, der mächtige Aufsichtsratsboss Ferdinand Piëch, unter Druck.

Es war eine kleine "Bombe", die die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und den früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer platzen ließ: Nach neuen Erkenntnissen könnte der frühere VW-Vorstandschef Piëch doch von den Unregelmäßigkeiten bei VW gewusst haben. Dazu will das Braunschweiger Landgericht nun drei weitere Zeugen aus dem Umfeld Piëchs hören.

Bisher hat Piëch jede Verwicklung in die Affäre bestritten. Doch nun kommt vielleicht doch noch etwas ans Licht, was den Staatsanwälten bei ihrer langwierigen Suche nach der Wahrheit entgangen sein könnte. "Die Dinge kommen ins Galoppieren", sagte am Montag der Sprecher der Behörde.

Dem 70-jährigen "Autokönig" und Porsche-Miteigentümer Piëch droht nun sogar ein Ermittlungsverfahren. Dies könnte VW auch heute noch mächtig durcheinanderwirbeln - da Großaktionär Porsche kurz vor der Mehrheitsübernahme in Wolfsburg steht. 2007 war für den Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche noch ein Jahr der Macht und der Triumphe - jetzt könnte ihn die Vergangenheit einholen.

Konkret beantragte Oberstaatsanwalt Ralf Tacke, im Volkert-Gebauer-Prozess drei weitere Zeugen vernehmen zu lassen - nämlich den früheren VW-Finanzvorstand Bruno Adelt, den heutigen Audi-Chef Rupert Stadler und den Ex-VW-Finanzmanager Rutbert Reisch. Das Gericht nahm die Anträge an.

In der vergangenen Woche habe ein Medienvertreter unter Hinweis auf einen Informanten die Staatsanwaltschaft kontaktiert, sagte Tacke. Danach könnte Adelt den damaligen VW-Vorstandschef Piëch auf die ominöse Kostenstelle "1860" angesprochen haben - wegen der "Belastungen" dieses Sonderkontos. Darüber rechnete Gebauer die Lustreisen von Betriebsräten auf Firmenkosten ab - ohne jede Kontrolle. Piëch soll daraufhin den damaligen Leiter seines Sekretariats, den heutigen Audi-Chef Stadler, beauftragt haben, die Kostenstelle zu überprüfen. Es sei zwar nicht bekannt, wie das Ergebnis ausgefallen sei, sagte Tacke. Es sei allerdings "lebensnah", wenn Piëch über ein Ergebnis der Überprüfung informiert worden wäre. Damit wäre der damalige Vorstandschef über das Sonderkonto informiert gewesen, was Volkswagen umgehend dementierte.

Die zentrale Frage ist: Hat Piëch den einflussreichen Volkert und andere Betriebsräte "gekauft", um sie bei Laune zu halten und sich die Zustimmung zu wichtigen Projekten zu sichern? Ex-Personalvorstand Peter Hartz hatte im ersten Prozess im Januar noch ausgesagt, Piëch habe ihm bei der Behandlung Volkerts "freie Hand" gelassen - Hartz hatte Piëch also nicht belastet.

Sollten sich konkrete Anhaltspunkte ergeben, käme die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den jetzigen VW-Aufsichtsratschefs in Betracht. Für Volkert und Gebauer könnte dies eine entscheidende Wende bedeuten und sich strafmildernd auswirken.

Der Kernvorwurf gegen Volkert (65) lautet bisher: Er soll Hartz dazu angestiftet haben, ihm Sonderboni in Höhe von zwei Millionen Euro zu zahlen. Volkert weist diesen Vorwurf der Anstiftung zur Untreue strikt zurück. Gebauer (63), der im Auftrag von Hartz die Lust­reisen organisiert hatte, ist wegen Untreue angeklagt.

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