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VW baut Macht bei MAN aus

München - MAN ist noch fester in der Hand von Volkswagen. Die Wolfsburger haben Aktien dazugekauft und halten nun fast drei Viertel der Stammaktien des Münchner Lastwagenbauers.

Volkswagen hat seinen Anteil am Lastwagenbauer MAN noch einmal kräftig aufgestockt. Der größte europäische Autokonzern hält nun 73 Prozent der Stammaktien der Münchner Tochter. Dies teilte MAN am Freitag mit. VW habe den Deal, der bereits am Donnerstag in Kraft getreten war, kurz zuvor bekanntgegeben, hieß es. Die Wolfsburger besäßen zudem mehr als 26 Prozent der Vorzugsaktien ihrer inzwischen zehnten Marke. Der Anteil am MAN-Grundkapital betrage etwa 71 Prozent.

Die VW-Zentrale wollte das Geschäft nicht kommentieren, MAN nahm ebenfalls keine Stellung. Zum Kaufpreis gab es zunächst keine Angaben. Vorstandschef Martin Winterkorn hatte sich im Herbst 2011 zunächst zufrieden mit dem damaligen Engagement gezeigt. Bei der Bilanzvorlage Anfang März sagte er aber, dem Konzern stünden noch Optionen offen.

Volkswagen hatte sich Mitte des vergangenen Jahres für rund 3,4 Milliarden Euro knapp 56 Prozent der MAN-Papiere gesichert. Zuvor hatten die Wolfsburger durch das Überschreiten der 30-Prozent-Marke ein Pflichtangebot an die MAN-Aktionäre ausgelöst. Die EU-Kommission genehmigte die Mehrheitsübernahme schließlich im November 2011.

Die Konzernspitze will einen integrierten Lastwagenkonzern aus MAN und der schwedischen Tochter Scania unter dem Dach der Konzernmutter bilden. Ab einer Beteiligungsschwelle von 75 Prozent würde es spannend: Dann könnte VW einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abschließen, wie er zum Beispiel für Audi gilt.

Das VW-Management plant, das Geschäft mit schweren Lastwagen künftig zu bündeln. Wie die Struktur am Ende aussehen wird, ist aber noch offen. Derzeit feilen Arbeitsgruppen beider Hersteller daran, die Zusammenarbeit auf eine gemeinsame Grundlage zu stellen und Sparpotenziale zu finden. Das Verhältnis zwischen den beiden traditionsreichen Unternehmen MAN und Scania gilt nach einem gescheiterten Übernahmeversuch von MAN seit Jahren als nicht einfach.

Auf der MAN-Hauptversammlung am 20. April will VW den Einfluss im Aufsichtsrat weiter ausbauen. Dann sollen neben VW-Chef Martin Winterkorn auch Finanzchef Hans Dieter Pötsch und der für Nutzfahrzeuge zuständige Konzernvorstand Jochem Heizmann in das Gremium gewählt werden. Die EU-Kommission hatte dieses Vorhaben vor der Genehmigung kritisch gesehen, nun gilt die Wahl jedoch als sicher. VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch ist bereits Vorsitzender des Gremiums bei MAN, daneben hat Audi-Chef Rupert Stadler einen Sitz.

Volkswagen will bis 2018 größter Autokonzern der Welt werden. Dabei kommt auch der Lkw-Allianz eine wichtige Rolle zu. MAN hatte ein starkes Jahr 2011 verzeichnet, bereitet sich aber auf tristere Zeiten vor. Nach einem Rekordumsatz und kräftig gewachsenen Verkaufszahlen erwartet der Lastwagen- und Motorenbauer in den kommenden Monaten ein schwierigeres Umfeld und sinkende Erlöse.

Die Freude über die brummenden Geschäfte 2011 wurde zudem von teuren Aufräumarbeiten getrübt - unterm Strich musste die jüngste Volkswagen-Tochter kräftig Federn lassen. Der Gewinn schmolz vor allem wegen der Lösung im Dauerstreit um den Industriedienstleister Ferrostaal auf nur noch 247 Millionen Euro zusammen. 2010 waren es noch 722 Millionen Euro. Der Umsatz hingegen erreichte mit einem Plus von 12 Prozent den Rekordwert von 16,5 Milliarden Euro. Der operative Gewinn machte einen Satz von 43 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro.

dpa

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