Volkswagen gibt MAN vier Wochen Zeit für friedliche Fusion

- München - Volkswagen gibt MAN und Scania vier Wochen Zeit, um auf friedlichem Weg zu fusionieren. Danach gilt eine feindliche Übernahme eines der beiden Lkw-Konzerne als Option. Eine Zerschlagung von MAN schließt VW aber aus. Volkswagen, MAN und Scania müssen binnen vier Wochen eine einvernehmliche Lösung zur Bildung eines neuen Lkw-Riesen finden. Diese Frist gab VWChef Bernd Pischetsrieder in einem Gespräch mit Börsianern.

Danach gebe es keine andere Möglichkeit als eine feindliche Übernahme mehr. Wer in diesem Fall der Übernommene sein könnte, ließ der Manager offen. Wenn eine Übernahme von Scania durch MAN am Ende als beste Lösung bleibt, schließe er das ebenso wenig aus, wie ein Kaufangebot der Schweden an MAN.

Um die Voraussetzung für eine friedliche Einigung zu schaffen, will der Münchner Traditionskonzern sein Übernahmeangebot an Scania unter Vorbehalten zurückziehen, ließ indessen MAN-Chef Hakan Samuelsson mitteilen. MAN strebe kurzfristig eine einvernehmliche Lösung an, heißt es nun aus München. Unter welchen Bedingungen MAN das Kaufangebot zurücknimmt, blieb offen. Naheliegend wäre ein Verzicht auf eine Zerschlagung von MAN. Der Konzern baut neben Lastwagen und Bussen auch Großmotoren, Turbinen und bietet über die Tochter Ferrostaal umfangreiche Industriedienstleistungen an.

Vor einer Aufspaltung des Konzerns hat soeben MAN-Betriebsratschef Lothar Pohlmann gewarnt. "Ich fürchte, dass VW wie eine Heuschrecke vorgehen will und auf die Arbeitsplätze keine Rücksicht nimmt", hatte er vorsorglich kritisiert (wir berichteten). Pischetsrieder reagierte darauf mit beruhigenden Tönen. Eine Zerschlagung von MAN sei "kein Thema", sagte er nun. Dazu sei VW mit einem jüngst erworbenen MAN- Anteil von gut 15 Prozent weder in der Lage noch willens. VW strebe auch keinen Sitz im MAN-Aufsichtsrat an oder eine mehrheitliche Übernahme der Münchner.

Da die Wolfsburger zugleich ein Drittel der Scania- Stimmrechte halten und Pischetsrieder dort Aufsichtsratschef ist, räumt er selbst einen Interessenkonflikt ein. VW nehme deshalb derzeit nicht an Sitzungen des Scania-Aufsichtsgremiums teil. Entscheidend für VW sei die Schaffung von Synergien im Lastwagengeschäft, so Pischetsrieder. Am künftigen Lkw-Riesen wolle sich VW mit maximal 30 Prozent beteiligen. Samuelsson hatte die potenziellen Einsparungen zwischen MAN und Scania auf eine halbe Milliarde Euro beziffert. Pischetsrieder hält diese Zahl für anspruchsvoll, aber machbar.

Zusätzlicher Wert entstünde, wenn VW in einem weiteren Schritt ein fusioniertes Duo MAN/Scania um sein eigenes Lastwagengeschäft in Brasilien anreichern und eine in Ansätzen bestehende Vertriebskooperation von VW-Transportern mit MAN und Scania ausweiten würde.

Die hauptsächlichen Hürden auf dem Weg zu einer solchen Dreier-Allianz lägen allerdings zwischen MAN und Scania, machte der VW-Chef klar. Verhandlungsteams dieser beiden Konzerne seien nun gefragt, eine für VW tragbare Lösung zu finden. Dabei müssten die Synergien möglichst hoch ausfallen und rasch erreichbar sein. Der Preis, den MAN für Scania bietet, sei dagegen nicht so wichtig. MAN hatte zuletzt 9,6 Milliarden Euro für den Konkurrenten geboten.

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