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Herbert Diess, bislang Vorstandsmitglied des Automobilbauers BMW, wechselt in den Konzernvorstand von Volkswagen.

Top-Personalie

VW holt BMW-Entwicklungschef Diess in den Vorstand

Wolfsburg - Europas größter Autobauer Volkswagen bedient sich für eine Top-Personalie beim Konkurrenten BMW. Die Wolfsburger holen den Entwicklungschef der Münchner, Herbert Diess, in ihren eigenen Konzernvorstand.

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr lotst Volkswagen einen Top-Manager von der Konkurrenz aus Süddeutschland nach Wolfsburg. Nachdem es im Frühling Daimler traf, ist nun BMW an der Reihe. Mit beiden Neuverpflichtungen will VW zwei große Baustellen angehen.

Der 56-Jährige Diess, bei BMW seit 2007 im Vorstand, wechselt mit Wirkung zum 1. Oktober 2015 zu Volkswagen, wie die Niedersachsen am Dienstag mitteilten. Der VW-Konzern hatte im Frühjahr bereits dem Wettbewerber Daimler einen Vorstand abgeworben.

Damals verpflichteten die Wolfsburger den Nutzfahrzeugexperten Andreas Renschler, um mit ihm ihre Lkw- und Bus-Allianz der Marken MAN und Scania zu stärken. Renschler wird im VW-Vorstand im Februar 2015 beginnen. Die langen Wartezeiten vor einem Wechsel zur Konkurrenz - so wie nun auch bei Diess - haben vertragliche Gründe.

So wie schon bei den Nutzfahrzeugen, deren Allianz Renschler führen wird, geht VW nun auch mit dem BMW-Mann Diess eine akute Baustelle im Konzern an: die renditeschwache Kernmarke VW-Pkw. Ihre Führung liegt bisher in Personalunion bei Konzernchef Martin Winterkorn. Für Diess' Aufgabe wird ein zusätzliches Vorstandsressort namens „Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw“ neu geschaffen.

Die Pkw-Kernmarke, die im Volkswagen-Konzern etwa für die Hälfte der Umsätze sorgt, hinkte zuletzt mit einer Renditekraft von rund zwei Prozent merklich den Zielen hinterher. Winterkorn hatte im Sommer ein milliardenschweres Spar- und Effizienzprogramm für die Pkw-Marke mit dem VW-Logo aufgelegt und tiefgreifende Verbesserungen angemahnt - unter anderem bei Entwicklung, Produktion und Vertrieb.

Mitte Oktober hatte Winterkorn im „Spiegel“ erste konkrete Ansätze für die Rosskur benannt. So werde die Marke mit Modellen wie Golf und Passat künftig etwa kaum nachgefragte Extraausstattungen streichen. Auch die hohe VW-interne Leistung bei der Zulieferung stehe auf dem Prüfstand. Mit Ansätzen wie diesen will der Autobauer die Komplexität in der zuletzt rasant wachsenden Marke verringern.

Für Diess' Verpflichtung machte sich Winterkorn einem Konzernsprecher zufolge persönlich stark. „Herr Diess ist der Wunschkandidat von Herrn Dr. Winterkorn. Beide haben dieselben Vorstellungen von Markenführung und Produktentwicklung“, sagte der Sprecher. Winterkorn selbst sagte laut VW-Mitteilung: „Mit Herbert Diess haben wir eine herausragende Persönlichkeit und einen der fähigsten Köpfe der Automobilbranche für uns gewinnen können.“

Der Konzernbetriebsrat berichtete, dass Winterkorn mit dem Vorschlag für die Personalie Diess an die Arbeitnehmerseite herangetreten sei. „Wir haben über Herrn Dr. Diess mit Herrn Dr. Winterkorn diskutiert und gemeinsam entschieden, es so zu machen“, sagte ein Sprecher von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Diess passe in Winterkorns Team.

dpa

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