Dortmund besiegt "Fluch von Berlin" - Triumph für Tuchel

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Ferdinand Piëch freut sich über die Neuerwerbung: Ducati, die noble Motorradmarke aus Bologna, kommt zur VW-Tochter Audi. Ducati war bislang ein Partner von Daimler – die Stuttgarter beendeten das Bündnis postwendend.

Das Volkswagen-Imperium wächst

Hamburg - Die Porsche-Eigentümerfamilien haben ihre Macht bei Volkswagen ausgebaut. Ursula, die Frau des Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, gehört nun ebenfalls dem Aufsichtsrat an. Auch der Konzern wächst. Die italienische Motorradmarke Ducati wird über die Tochter Audi bei VW integriert.

Das Blitzlichtgewitter vor der Volkswagen-Hauptversammlung richtete sich gestern nicht auf Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte. Die Fotografen hatten fest die zweite Reihe im Auditorium im Blick. Dort hatte Ursula Piëch Platz genommen. Die 55-Jährige ist nicht nur Frau des mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Die ehemalige Kindergärtnerin gehört nun selbst als Aufsichtsrätin zum Machtzentrum des Konzerns. Sie soll dafür sorgen, dass die Geschicke von VW auch langfristig von Salzburg aus gelenkt werden, dem Wohnsitz der Familie Piëch.

Ferdinand Piëch wurde zwar auch selbst für weitere fünf Jahre in seiner Funktion bestätigt. Doch am Ende dieser Amtszeit wird er 80 Jahre alt sein. Deshalb hat er längst damit begonnen, für die Zeit danach vorzusorgen. Die Schlüsselrolle dabei fällt seiner Frau zu, die in Zukunft das in Stiftungen gebündelte Familienvermögen managen soll.

Mit der Wahl besetzen beide Familien – Porsche und Piëch – nun die Hälfte der Aktionärssitze im Aufsichtsrat. Ein angekündigter Aktionärsaufstand gegen die Bestellung und damit den Machtzuwachs der Porsche-Eigentümerfamilien bei Volkswagen blieb aus. Schließlich bestimmen sie auch über mehr als die Hälfte der Volkswagen-Stimmrechte. Selbst Ulrich Hocker von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kündigte an, dem Wahlvorschlag zu folgen. „Frau Piëch ist die geeignete Person“, sagte er.

Die Kandidatin selbst stellte sich als Vertreterin sozialer Interessen vor. Im Kindergarten habe sie mitbekommen wie schlimm es sei, wenn Arbeitslosigkeit eine Familie betrifft. „Volkswagen hat Schwierigkeiten ohne Massenentlassung bewältigt“, lobte sie die Politik des Konzerns.

Selbst das 17-Millionen-Euro-Gehalt des VW-Vorstandsvorsitzenden Winterkorn fand weitgehend die Zustimmung der Aktionäre. Es entspreche seiner Leistung, war der Tenor. Außerdem stellten sich auch die meisten Kleinaktionäre weitgehend hinter den Expansionskurs von Piëch und Winterkorn, die den Konzern bis 2018 zur weltweiten Nummer eins im Automobilsektor machen wollen. In die Wanddekoration im Hamburger Kongresszentrum war mit Ducati bereits das Emblem der zwölften Marke des Wolfsburger Konzerns abgebildet. Noch am Tag zuvor hatten die Kontrollgremien von Audi und VW den Kauf des Motorrad-Herstellers aus Bologna beschlossen.

Audi-Chef Rupert Stadler, der neben dem Sportwagenbauer Lamborghini und dem Autodesigner Italdesign nun auch die jüngste italienische Neuerwerbung des Konzerns betreut, hat mit dieser viel vor. Ducati „passt von der DNA her zu Audi“, sagte er. Er setzt vor allem auf die Motorenkompetenz der Italiener und die Fähigkeiten zum Leichtbau. Deren Spitzenmodell habe bei einem Trockengewicht von 160 Kilogramm eine Leistung von 196 PS, lobte er. Bei der Motorentechnik bieten sich dem Konzern durch die Übernahme nach Stadlers Einschätzung intelligente Synergien an, die nichts kosten. Er schloss nicht aus, Ducati-Motoren auch in künftigen besonders leichten Autos einzusetzen. Die Motorräder darf Stadler selbst noch gar nicht fahren. Dazu braucht er erst den Motorrad-Führerschein.

Mit den Jahresstückzahlen von 40 000 Motorrädern bei Ducati will er sich nicht zufriedengeben. Er stellt sich vor, die Motorräder dieser Premium-Marke verstärkt auch über das weltweit wesentlich dichtere Audi-Händlernetz zu vertreiben. Dagegen plant Audi keine Wiederbelebung der eigenen früheren Motorradmarken des Konzerns. NSU, DKW und Wanderer. „Wir haben mit Ducati eine hervorragende Motorradmarke“, sagte er. „Da müssen wir nichts wiederbeleben.“ Die Übernahme weiterer Motorrad-Hersteller schloss Stadler aber nicht aus.

VW hatte 2011 mehr verdient und umgesetzt als je ein deutscher Autokonzern zuvor. Mit 15,8 Milliarden Euro lag der Nettogewinn mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 159 Milliarden Euro, der operative Gewinn lag bei 11,3 Milliarden. Angesichts dessen hielten einige Anteilseigner die Dividende von drei Euro je Aktie für zu niedrig.

Martin Prem

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