Mit Volkswagen leidet Wolfsburg

- Wolfsburg - Trotz Sonnenschein ist die Stimmung in Wolfsburg eher trübe. Erst die Affäre um den VW-Betriebsrat und nun die Ankündigung des Konzerns, tausendeStellen im Stammwerk abzubauen. Nicht nur die Beschäftigten des Autobauers, die ganze Stadt scheint betroffen.

"Für die Stadt, aber auch für die ganze Region ist es ein harter Schlag", sagt Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU). So bitter es sei, er habe auch Verständnis für VW, fügt er hinzu. "Ein kranker Konzern dient niemandem." Sichere, wenn auch nicht mehr so komfortable Arbeitsplätze seien besser als gut bezahlte und unsichere. "Es geht hier aber nicht nur um tausende Arbeitsplätze. Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit."

Immerhin von 14 000 Stellen, die in Europa und dabei vor allen in Wolfsburg zur Disposition stehen, ist mittlerweile die Rede. "Wolfsburg war immer auch ein Stück Modell für ganz Deutschland. Wenn wir es nicht schaffen, habe ich Sorge um den gesamten Standort Deutschland", sagt Schnellecke. "Alle Verantwortlichen müssen jetzt darum kämpfen, dass der kompakte Geländewagen in Wolfsburg gebaut wird."

Ähnlich sehen es auch viele VW-Beschäftigte. "Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen, aber das betrifft nicht nur VW, sondern die ganze Nation", sagt Ralf Maier. Um seinen Arbeitsplatz fürchtet der 34-Jährige, der in der Transportlogistik arbeitet, nicht. "In Zeiten, wo man den Betriebsrat am meisten bräuchte, schwächelt er", kritisiert sein Kollege Dietmar Wenck. Der Ex-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Volkert "hat uns einen Bärendienst erwiesen". "Es sieht trübe aus, aber wir wussten, was auf uns zukommt", seufzt Bruno Jüngling. Der 51-Jährige arbeitet seit fast 25 Jahren im Werk als Gabelstaplerfahrer. Freiwillig auszuscheiden, ist für ihn keine Lösung. "Vielleicht, wenn ich 20 Jahre jünger wäre", sagt er.

Elfie Ben Hardouze (55) ist aus ganz anderen Gründen vor 15 Jahren mit einer Abfindung bei VW ausgeschieden. "Ich habe zwei Kinder großgezogen", sagt sie. Später habe sie nur einen 400-Euro-Job gefunden. "Wenn es VW schlecht geht, haben auch andere Unternehmen in Wolfsburg Probleme", sagt sie.

"Ich stelle mich auf harte Zeiten ein", sagt Manoel Munzel. Der 18-Jährige absolviert eine Lehre als Kfz-Mechatroniker und hofft, in eineinhalb Jahren übernommen zu werden. "Ich würde auch zur Auto 5000 GmbH gehen. Das ist besser, als arbeitslos zu werden", sagt er. Bei der 100-prozentigen VW-Tochter wird seit 2002 der Touran gebaut. Der Lohn der rund 3700 Beschäftigten liegt unter dem VW-Haustarif. Ob sich eine ähnliche Lösung für den geplanten Geländewagen findet, bleibt abzuwarten.

Viele Wolfsburger Geschäftsleute melden bereits geringere Umsätze. "Insbesondere Familien buchen deutlich zurückhaltender", stellt Renate Rahn, Mitarbeiterin in einem Reisebüro, fest. Gegenüber im Tabakladen berichtet Monika Aland: "Es war schon immer so, wenn VW Kurzarbeit hat, habe ich auch weniger zu tun."

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