MAN Bus & Truck arbeiten an Fahrerkabinen für LKW.
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Lkw-Produktion bei MAN: Der Münchner Lastwagen-Bauer will die Gespräche zum geplanten Abbau von 9500 Stellen bis Weihnachten abschließen.

Lkw-Bauer vor Radikalkur

MAN: Die Fragezeichen hinter der Zukunft eines wichtigen Standorts werden immer größer

  • Thomas Schmidtutz
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Beim Münchner Lkw-Bauer haben die Gespräche über den Abbau von bis zu 9500 Stellen begonnen. Einen Standort dürfte es besonders hart treffen.

  • Beim krisengeschüttelten MAN-Konzern 9500 Stellen auf dem Spiel.
  • Jetzt haben die Gespräche mit dem Betriebsrat begonnen.
  • Für die Mitarbeiter-Vertreter dürfte es vor allem ums eins gehen: Schadenbegrenzung.

München - Im Ringen um die Zukunft des Münchner Lkw-Bauers MAN hat das Unternehmen am Mittwoch Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. Man habe es nun in der Hand, „schnell eine zukunftsfähige Lösung zu finden“, schrieb der Vorstandsvorsitzende von MAN Truck & Bus, Andreas Tostmann auf dem Karriereportal LinkedIn. Aus informierten Kreisen heißt es, man wolle deutlich vor Weihnachten zu einer Einigung kommen.

VW-Tochter MAN: Die Karten liegen auf dem Tisch

In den Gesprächen dürfte es für die Arbeitnehmer-Seite vor allem darum gehen, die geplanten Stellenstreichungen möglichst sozialverträglich zu gestalten. Dazu dürfte der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen gehören, Altersteilzeit, Abfindungen oder die Einrichtung von Qualifizierungsgesellschaften. MAN dürfte im Zusammenhang mit den geplanten Kostensenkungen hingegen vor allem auf einen umfassenden Abbau aller übertariflichen Zulagen drängen. Das beträfe vor allem Schichtzulagen oder Sonderregelungen für Samstagsarbeit.

Nach den Ende September veröffentlichten Plänen will die VW*-Tochter in Deutschland und Österreich insgesamt 9500 Stellen streichen, davon 7000 in Deutschland. Die Standorte Wittlich (Rheinland-Pfalz), Plauen (Sachsen) und das Werk Steyr (Oberösterreich) sollen komplett geschlossen werden. Der MAN-Betriebsrat und die IG Metall haben gegen die Pläne massiven Widerstand angekündigt.

VW-Tochter MAN: Aussichten zum Erhalt des Standorts Steyr trüben sich weiter ein

Allerdings trüben sich die Aussichten auf eine Rettung des MAN-Werks in Steyr allerdings weiter ein. „Das Werk Steyr zu halten, wird ganz, ganz schwierig“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber Merkur.de*. Statt der Produktion von kompletten Lkw könnten in Steyr künftig allenfalls Fahrwerke montiert werden, hieß es, „wenn überhaupt“. Sollte Steyr tatsächlich zu einem reinen Montagewerk herabgestuft werden, würden am Standort allenfalls „einige 100 Mitarbeiter“ benötigt. Aktuell hat das Werk 2300 Beschäftigte.

MAN baut in seinem Werk in der Nähe von Linz bislang die leichte (TGL) und mittlere Klasse (TGM) für den Stadt- und Verteilerverkehr. Nach den Plänen will der Konzern die beiden Baureihen ab 2023 aus Oberösterreich abziehen und künftig in seinem Werk in Krakau fertigen. Die Verlagerung gilt als ein zentraler Baustein in der geplanten Neuausrichtung.

MAN-Betriebsrat: Werk Steyr ist für die nächsten sechs Monate ausgelastet

Bei MAN in Steyr treffen die Pläne auf Unverständnis. MAN baue am Standort derzeit 90 Fahrzeuge pro Tag und liege damit am oberen Ende der Kapazität, sagte Erich Schwarz, MAN-Betriebsratschef in Steyr gegenüber Merkur.de*. Das Werk sei für die kommenden sechs Monate komplett ausgelastet.

Zugleich warnte Schwarz erneut vor den möglichen Folgen des geplanten Konzern-Umbaus. Sollten die Vorstellungen des MAN-Managements „so umgesetzt werden, brüllt der Löwe in fünf Jahren nicht mehr“, sagte er.  

Auch den von der österreichischen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) ins Spiel gebrachte Werksverkauf an ein Österreich-Konsortium lehnte er entschieden ab. MAN habe bereits kapitalstarke Eigentümer, sagte Schwarz am Donnerstag mit Blick auf die beiden österreichischen Familienstämme Porsche und Piech. Sie halten rund 53 Prozent der Stammaktien an der MAN-Konzernmutter Volkswagen.*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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