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Martin Winterkorn (l) und Wolfgang Porsche bei der VW-Hauptversammlung in Hannover.

Konzern in "ruhigerem Fahrwasser"

Volkswagen versucht den Neustart

Hannover - Eine drei Wochen lange Führungskrise liegt hinter Volkswagen. Bei der Hauptversammlung fehlt der Verlierer des Machtkampfs, Ex-Chefaufseher Piëch - ein ungewohntes Bild. Die Gewinner würdigen seine Verdienste.

Volkswagen versucht nach dem erbitterten Machtkampf in seiner Führungsspitze einen Neustart. "Hinter uns liegen - vorsichtig gesagt - bewegte Tage", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn in Hannover auf der Hauptversammlung vor Tausenden Aktionären.

Der Konzern sei nun aber "in ruhigerem Fahrwasser unterwegs". Der Fokus liege jetzt wieder auf dem Geschäft.

Bei dem Aktionärstreffen fehlte erstmals seit über einem Jahrzehnt der langjährige Aufsichtsratschef und VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Er war Ende April als Verlierer des Machtkampfs zurückgetreten.

Piëch hatte die Führungskrise beim größten europäischen Autobauer mit dem Versuch einer Demontage Winterkorns ausgelöst. Der Betriebsrat, das Land Niedersachsen als Ankeraktionär sowie die Großaktionäre der Familie Porsche hatten aber zu Winterkorn gestanden. Die Familien Porsche und Piëch halten die Stimmenmehrheit an VW. Zusammen mit dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschef Piëch war auch dessen Ehefrau Ursula als Aufsichtsrätin zurückgetreten.

Winterkorn würdigte die Verdienste Piëchs um Volkswagen: "Dieser Konzern und seine Menschen - und auch ich - haben Herrn Dr. Piëch sehr viel zu verdanken." Piëch habe die Automobilindustrie in den vergangenen fünf Jahrzehnten geprägt wie kein Zweiter - als Unternehmer, als Ingenieur und als "mutiger Visionär".

Die Geschäftsbasis des Konzerns sieht Winterkorn durch die Führungskrise nicht beschädigt. "Es gab in den letzten Wochen unzählige Interpretationen, Spekulationen und leider auch Übertreibungen", sagte er. "Sie als unsere Anteilseigner müssen wissen: Volkswagen ist ein kerngesundes, gut aufgestelltes Unternehmen. Ein Unternehmen mit sehr guten Geschäftsergebnissen und mit mindestens genauso guten Zukunftsperspektiven."

Auch der kommissarische VW-Aufsichtsratschef Berthold Huber würdigte die Leistungen Piëchs. "Piëch hat sich außerordentliche Verdienste um Volkswagen und die gesamte Automobilindustrie erworben", sagte der frühere IG-Metall-Chef Huber unter dem Beifall der Aktionäre.

Bei der Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef will sich Volkswagen Zeit lassen. Man werde "nichts überstürzen", sondern mit Ruhe und Umsicht agieren, sagte Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) vor Beginn des Aktionärstreffens vor Journalisten. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird am Dienstag bei der obligatorischen Aufsichtsratssitzung im Anschluss an die Hauptversammlung keine Entscheidung zur Piëch-Nachfolge fallen.

Weil nannte den Rücktritt Piëchs einen "Einschnitt" in der Geschichte von VW. Auch er betonte dessen große Verdiente um den Autobauer. Für Piëch und seine Ehefrau waren Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch in das Kontrollgremium nachgerückt. Beide sind Nichten Ferdinand Piëchs.

Weil sagte mit Blick auf den Machtkampf und die versuchte Demontage von VW-Chef Winterkorn durch Piëch, es sei eine "Klärung" notwendig gewesen: "Wir alle haben die Situation nicht haben wollen, mussten aber damit umgehen." Einen nachhaltigen Image-Schaden für VW sieht der niedersächsische Regierungschef nicht. Volkswagen könne sich nun wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren.

Unterdessen unternimmt VW erste Schritte für eine Dezentralisierung seiner Führung. Dazu bündelt der Konzern sein schweres Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding. Die neue Dachgesellschaft für die Lkw und Busse im VW-Konzern erhält einen eigenen Aufsichtsrat, in dem die Arbeitnehmer nach Konzernvorbild ein gewichtiges Wort mitreden. Die Pläne für die Holding sind schon seit längerer Zeit bekannt.

Die Dezentralisierung in der Nutzfahrzeug-Sparte könnte als Blaupause für weitere Teile des Konzerns dienen. "Wir brauchen klare Strukturen im Konzern, um in den einzelnen Bereichen schnell und flexibel handeln zu können", forderte Betriebsratschef Bernd Osterloh. Von der neuen Holding verspricht sich VW eine "engere Vernetzung der Marken, kürzere Entscheidungswege und mehr Tempo in der Umsetzung".

dpa

Aufsichtsrat der Volkswagen AG

Vorstände der Volkswagen AG

Aktionärsstruktur bei der Volkswagen AG

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