Reform beschlossen

Volkswagen senkt Vorstandsgehälter 

Wolfsburg - Nach dem Abgasskandal und heftiger Kritik an der Manager-Entlohnung deckelt Volkswagen die Vorstandsgehälter.

Der VW-Chef soll künftig maximal zehn Millionen Euro jährlich verdienen, die übrigen Vorstandsmitglieder bis zu 5,5 Millionen, wie das Unternehmen am Freitagabend in Wolfsburg mitteilte. Damit würden die viel kritisierten theoretisch möglichen Maximalgehälter des Vorstands um bis zu 40 Prozent verringert.

Diese Punkte sieht die Reform des Vergütungssystems bei VW vor:

OBERGRENZE: Der VW-Vorstandschef darf künftig maximal zehn Millionen Euro im Jahr verdienen, für die übrigen Vorstandsmitglieder liegt die Obergrenze bei 5,5 Millionen Euro. Diese Summen könnten aber nur bei einer „herausragenden Unternehmensentwicklung“ erreicht werden, erklärte VW. Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Im Rückblick gesehen wäre die Vergütung der Top-Manager in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, wäre das neue System bereits angewendet worden. Nach dpa-Informationen wäre das Durchschnittsgehalt des Vorstandschef in den Jahren 2011 bis 2015 um 40 Prozent auf 8,4 Millionen Euro gesunken, die Gehälter der Vorstände um 28 Prozent auf 4,3 Millionen.

GRUNDVERGÜTUNG: In das Fixgehalt fließen auch Vergütungen für die Übernahme von weiteren Ämtern im Konzern, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen ein. Im Zuge der Neuordnung steigt die Grundvergütung laut VW um bis zu 30 Prozent auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und auf 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder.

VARIABLE VERGÜTUNG: Dabei handelt es sich um eine erfolgsabhängige Bezahlung - in der öffentlichen Debatte sind damit vor allem die umstrittenen „Bonuszahlungen“ gemeint. Im Kern sieht die Reform, dass die Ziele für die variable Vergütung verschärft werden und diese damit sinkt. Künftig richtet sich die jahresbezogene variable Vergütung zur einen Hälfte nach dem operativen Ergebnis: Die Mindesthürde für eine Auszahlung liegt bei 9 Milliarden Euro, statt bisher 5 Milliarden. Zur anderen Hälfte richtet sich die variable Vergütung nach der operativen Umsatzrendite, einer wichtigen Kennziffer in der Bilanz - dabei gibt es eine Hürde von 4 Prozent. Werden beide Ziele verfehlt, soll es keine variable Vergütung geben. Daneben berücksichtigt das neue System die „Transformation“ der Belegschaft in neue Aufgabenfelder wie die Elektromobilität. Weiterhin gibt es zudem individuelle Ziele der einzelnen Vorstandsmitglieder.

AKTIENBASIERTE VERGÜTUNG: Künftig gibt es eine sogenannte aktienbasierte langfristige Vergütung. Sie sieht vor, den Vorständen „virtuelle“ Aktien zu gewähren - abhängig vom Gewinn je Aktie sowie von der Entwicklung des Aktienkurses.

Volkswagen macht 2016 wieder Milliardengewinn

Volkswagen ist im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der größte Autokonzern der Welt machte 2016 ein Plus von 5,14 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Im Vorjahr war Volkswagen wegen des Dieselskandals tief in die roten Zahlen gerutscht und hatte einen Verlust in Höhe von 1,58 Milliarden Euro ausgewiesen.

Das Jahr 2016 lief für den Autobauer hervorragend. Der Umsatz stieg laut Angaben vom Freitag um 4,0 Milliarden Euro auf 217,3 Milliarden Euro - und damit auf einen neuen Rekord. Weltweit lieferte der Konzern 10,3 Millionen Fahrzeuge aus - auch das eine neue Bestmarke. Vor allem in den west- und zentraleuropäischen Märkten und im Asien-Pazifik-Raum gab es demnach Zuwächse.

Die Zahlen zeigten, dass Volkswagen "sehr robust aufgestellt" sei, erklärte VW-Chef Matthias Müller. Die im November begonnene Neuausrichtung des Konzerns zeige bereits "spürbare Erfolge". Die neue Struktur mit mehr dezentraler Verantwortung stärke die Marken und Regionen und erhöhe die Kundennähe. "Wir werden schneller, fokussierter und effizienter."

Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen unterschiedlicher Marken eine mutmaßlich illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm sorgt bei standardisierten Tests für einen niedrigeren Ausstoß von schädlichen Stickoxiden.

Der Konzern legte noch 2015 für die Kosten von Rückrufaktionen und Rechtsstreitigkeiten 16,2 Milliarden Euro zurück. Im vergangenen Jahr kamen noch einmal 6,4 Milliarden Euro an Rückstellungen dazu. In den USA hat sich VW mit den verschiedenen Behörden bislang auf die Zahlung von umgerechnet insgesamt rund 22 Milliarden Euro an Entschädigungen geeinigt.

dpa/afp

Rubriklistenbild: © dpa

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