Volkswagen stellt der Belegschaft ein Ultimatum

- Wolfsburg - Der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard fährt in seinem Sparkurs jetzt schweres Geschütz auf - die Zeit der Verhandlungen scheint vorbei zu sein. Überraschend stellte Bernhard der Belegschaft bei Europas größtem Autobauer am Dienstagabend ein Ultimatum: Entweder geht der neue kompakte Geländewagen Marrakesch in die Billigproduktion oder die Fertigung geht nach Portugal und in Wolfsburg geraten 1000 Arbeitsplätze in Gefahr. Bernhard zeigt die Muskeln und eröffnet damit zugleich die erste größere Kraftprobe mit dem Betriebsrat und dessen neuem Vorsitzenden Bernd Osterloh.

Obwohl der neue starke Mann an der Spitze der VW-Markengruppe seit Wochen zusätzliche Einsparungen beim Bau des neuen Modells fordert und als Termin für eine Vereinbarung Ende August genannt hatte, war die jüngste Ankündigung dennoch ein Paukenschlag. Schon der Titel der Pressemitteilung "Kompakter Geländewagen soll in Portugal gefertigt werden" liest sich provokativ - so als sei alles schon beschlossene Sache. Nur "eine einzige Möglichkeit" gebe es noch, den Lauf der Dinge zu ändern: bei deutlich geringeren Arbeitskosten - sprich Lohnverzicht - könne der Wagen in Wolfsburg gebaut werden. Der Betriebsrat hat jetzt bis 26. September Zeit für die Entscheidung.

Dass die Gewerkschaften angesichts der forschen Vorgehensweise sofort auf die Barrikaden gingen, verwundert nicht. Immerhin ist der Bau des Marrakesch in den Tarifvereinbarungen im vorigen Herbst dem Wolfsburger Werk zugesagt worden - allerdings unter der Voraussetzung dass er wettbewerbsfähig produziert werden kann. Und dazu sind in Wolfsburg die Löhne zu hoch, sagt die Unternehmensspitze.

Die IG Metall macht dagegen geltend, die Prüfungsklausel dürfe "nicht zum K.o.-Kriterium" werden. Er sei überzeugt, dass der Geländewagen in Wolfsburg wettbewerbsfähig zu bauen sei, betont Bezirkschef Hartmut Meine. Der Betriebsrat verweist bisher auf weitere Einsparmöglichkeiten in der Produktion. Osterloh soll sich am Montag in einer Betriebsversammlung äußern.

Jenseits der öffentlich ausgetragenen Auseinandersetzung wissen jedoch auch die Arbeitnehmerseite und die Gewerkschaft, dass die Fertigungskosten bei VW angesichts der Lage auf dem Automarkt zu hoch sind. Die "goldenen Zeiten" seien erst einmal vorbei, räumte kürzlich ein Betriebsrat ein. Das wüssten die Beschäftigten schon lange. VW-Arbeiter verdienen nach dem alten Haustarif rund 20 Prozent mehr als ihre Kollegen bei anderen Autoherstellern.

Bernhard und VW-Chef Bernd Pischetsrieder haben stets betont, dass sie den Tarifvertrag einhalten wollen. Aber wenn VW erfolgreich Autos produzieren wolle, müssten sie sich auch im Ausland mit Gewinn verkaufen lassen, unterstreicht die VW-Spitze.

Konzernweit will VW in den nächsten drei bis vier Jahren zehn Milliarden Euro sparen. Angesichts der Kostenprobleme und einer Auslastung, die in Wolfsburg unter 70 Prozent liegt, dürfte der Fall Marrakesch erst der Anfang sein.

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