Volkswagen: Winterkorn darf die Ernte einfahren

- Wolfsburg - Guter Start für den neuen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn: Bei seiner ersten Bilanzpräsentation auf dem Chefsessel von Europas größtem Autobauer glänzte der 59-Jährige mit einem guten Ergebnis, erhöhter Gewinnprognose und ersten Erfolgszahlen für das laufende Jahr. Die Belohnung folgte prompt: Die VW-Aktie sprang auf ein Allzeithoch von rund 102 Euro.

Dass die Erfolge weniger von Winterkorn, sondern vom früheren Konzernchef Bernd Pischetsrieder und seinem Chefsanierer Wolfgang Bernhard erarbeitet worden waren, trübte die gute Stimmung nicht. "Wiko", wie der neue Chef auf den Werksfluren genannt wird, erwähnte seine Vorgänger von sich aus mit keinem Wort. Erst als er gefragt wurde, was der immer noch in VW-Diensten stehende Pischetsrieder denn nun so tue, rang der Schwabe sich eine Antwort ab: Der Vorgänger werde den Vorstand bei der Gestaltung des Lkw-Geschäftes beraten und ansonsten Aufgaben erfüllen, "die wir ihm geben".

Winterkorn fährt nun die Ernte ein, die Pischetsrieder und Bernhard mit ihrem Sanierungsprogramm bei der Marke VW gesät hatten: Der neue Konzernchef hob die Gewinnprognose an. Im Jahr 2008 werde das Ergebnis vor Steuern "mindestens 5,1 Milliarden Euro betragen". Im Jahr 2006 lag der vergleichbare Wert ohne die Einmalaufwendungen des Jobabbaus knapp über 4 Milliarden Euro.

Winterkorn sagte erstmals, dass ein Überschreiten der Zielmarke von 5,1 Milliarden Euro möglich sei. Die VW-Aktie startete nach dieser Ankündigung in einem schwachen Markt durch. Auch bei den kommenden neuen Autos kann sich Winterkorn auf die gute Vorarbeit stützen: 2007 kommen neue Varianten des Golf, etwa der Kombi, der kleine Geländewagen Tiguan, bei Audi das Coupé A5, der Sportwagen R8 und eine neue A4-Limousine. Seat bringt eine neue Variante des kleinen Fabia. Alle diese Autos wurden zu Zeiten von Pischetsrieder auf den Weg gebracht, als Winterkorn noch Audi leitete.

Mit den neuen Modellen soll der Konzern nun auch beim Absatz neue Höhen erreichen: Er sei zuversichtlich, "die Auslieferungen an Kunden 2007 leicht steigern zu können", sagte Winterkorn. Schon 2006 war mit 5,73 Millionen Stück ein Absatzrekord erzielt worden.

Der kräftige Gewinnzuwachs der nächsten Jahre soll vor allem aus der Sanierung der Marke Volkswagen kommen. Die Rechnung geht so: Die Werke, vor allem die deutschen, werden besser ausgelastet. Dadurch steigt bei gleichzeitig sinkendem Personalstand die Produktivität, die Stückkosten fallen. Das Stammwerk Wolfsburg soll bis 2008 eine Auslastung von 90 Prozent erreichen. Die Montagezeit in Wolfsburg für den Golf ist schon jetzt von rund 50 auf 30 Stunden gefallen, sagte ein Firmenvertreter.

Erste Erfolge hat Winterkorn schon vorzuweisen: Bis Ende Februar stiegen die Auslieferungen trotz eines schwachen Heimatmarktes weltweit um 8,3 Prozent auf 862 000 Fahrzeuge. Neue Märkte wie Russland und Indien, aber auch China sollen den Absatz trotz der deutschen Marktschwäche beflügeln.

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