Volkswagen-Elefantenrunde beschließt den Abgang von Hartz

- Wolfsburg - Die Elefantenrunde hat getagt - und das Ende einer Ära beschlossen. Jetzt ist klar: Nach zwölf Jahren bei VW sind die Tage des mächtigen Personalvorstands Peter Hartz endgültig gezählt. Sein Rücktrittsangebot im Strudel der Korruptionsaffäre wird angenommen. Diese Empfehlung gab der Führungszirkel des Aufsichtsrates. Einen Nachfolger für Hartz, der in Rente geht und keine Millionen-Abfindung erhalten soll, gibt es indes noch nicht.

Bereits vergangenen Freitag hatte der 63-Jährige die Verantwortung für Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter bei der Korruptionsaffäre übernommen - um Schaden von VW abzuwenden.Nun tagte das Aufsichtsratspräsidium in der VW-Zentrale fast vier Stunden hinter verschlossenen Türen, um über das Angebot zu beraten. Mitglieder des illustren Kreises: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der neue Betriebsratschef Bernd Osterloh. Auch Konzernchef Bernd Pischetsrieder nahm an der Sitzung teil.Nicht Pië¨ch allerdings, sondern ein angespannt wirkender Wulff als Vertreter des größten VW-Einzelaktionärs, des Landes Niedersachsen, verkündete anschließend: "Wir werden dem Aufsichtsrat der VW-AG empfehlen, das Rückzugsgesuch von Herrn Dr. Peter Hartz anzunehmen." Eine öffentliche Würdigung für die Arbeit von Hartz - SPD- und IG-Metall-Mitglied sowie Kanzlerberater - gab vom CDU-Politiker nicht. Das übernahm IG-Metall-Chef Peters: Was Hartz geleistet habe, dürfe "nicht untergehen".Wulff und der von ihm geführten CDU/FDP-Landesregierung war die enge Verzahnung zwischen Management in Person vor allem von Hartz, Betriebsrat und IG Metall bei VW seit längerem ein Dorn im Auge. In der Korruptionsaffäre machte "Chefaufklärer" Wulff, wie er hinter vorgehaltener Hand genannt wird, bereits früh klar: Es gebe für niemanden einen Persilschein, auch nicht für Hartz.Der Arbeitsdirektor und der zurückgetretene Betriebsratschef Klaus Volkert - ebenfalls Gewerkschafter und SPDler - galten als Hauptgaranten für das viel beschriebene "System Volkswagen". Sie setzten auf Kompromiss statt Konfrontation und erreichten damit als vorbildlich gerühmte Tarifmodelle. Beispiel ist vor allem die Vier-Tage-Woche, mit der Massenentlassungen verhindert wurden. Kritiker monierten allerdings die zu starke Macht von Betriebsrat, SPD und IG Metall.Anhaltspunkte für eine Verstrickung von Hartz in die mutmaßlich schmutzigen Geschäfte der beiden Schlüsselfiguren der Affäre, Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer, gibt es nicht, auch keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft - dafür jede Menge Schmuddelgeschichten. Vor allem Schuster soll ein internationales Geflecht von Tarnfirmen aufgebaut haben, um sich auf Kosten des Konzerns zu bereichern. Gebauer soll zudem Lustreisen für Betriebsräte organisiert und Spesengelder nicht ordnungsgemäß verrechnet haben. Der Vorwurf gegen Hartz: Er habe das dem Betriebsrat zustehende Budget nicht kontrolliert.Der Abgang von Hartz könnte einen Wendepunkt markieren: Bei Europas größtem Autobauer, das erwarten alle Beobachter, weht künftig ein rauerer Wind.

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