Volkswirt Horn gibt Managern Schuld an rechtsradikalem Zulauf

- München - Fördert Profitgier von Unternehmen den Aufstieg von Rechtsextremisten? Laufen viele Wähler neonazistischen Parteien wie der NPD oder der DVU zu, weil sie um ihre Arbeitsplätze bangen? Darüber ist eine Debatte entbrannt, in deren Mittelpunkt jetzt auch die Deutsche Bank gerückt ist. Deren Chef Josef Ackermann hatte gleichzeitig einen deutlichen Anstieg des Gewinns und weitere Kündigungen angekündigt. Seitdem er 2002 an die Konzernspitze berufen wurde, hat die Bank 20 000 Stellen gestrichen.

<P>Das ständige Rufen nach immer neuen Sozialreformen aus Teilen der Wirtschaft gebe nach Ansicht des Volkswirtes Gustav Adolf Horn rechtsradikalen Parteien Auftrieb. Horn sagte der "Berliner Zeitung", die Unternehmen sollten sich sehr genau überlegen, mit welchem Feuer sie spielten. Viele Bürger seien empfänglicher für die Parolen rechtsradikaler Parteien, weil sie verunsichert seien angesichts der ökonomischen Schwäche des Landes, der Einbußen an sozialer Sicherung sowie aus Sorge um ihre Arbeitsplätze.<BR><BR>Horn, der Chef des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung ist, nannte die Ankündigung der Deutschen Bank, mehr als 6000 Stellen im In- und Ausland zu streichen und gleichzeitig die Rendite auf 25 Prozent zu steigern, ein Beispiel dafür, wie Menschen verunsichert würden. Die Wirtschaft habe die Globalisierung zu einem Drohmittel gegenüber den Arbeitnehmern entwickelt, das eingesetzt werde, um Lohnverzicht herbeizuführen, sagte Horn weiter.<BR><BR>Reinhard Dörfler, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, nahm die Deutsche Bank dagegen teilweise in Schutz. Bei der Debatte um das größte deutsche Geldinstitut müsse man auch sehen, dass deren Rentabilität immer noch weit hinter der ausländischer Institute zurückbleibe.<BR><BR>"Die Diskussion schlägt derzeit arge Kapriolen", urteilte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz über die Angriffe auf die Deutsche Bank. Die Aufgabe von Ackermann sei es, das Unternehmen effektiv und erfolgreich zu führen. Dazu gehöre auch, dass die Ausschüttungen und der Aktienkurs stimmten, schon allein um nicht eine Filiale der Citigroup zu werden. Was die Umstrukturierung bei der Deutschen Bank betrifft, so sei der Kapitalmarkt emotionslos. Dem Deutsche-Bank-Chef könne man allerdings vorwerfen, dass er das Gespür für die Sorgen der Menschen verloren habe, so Kurz: "Warum veröffentlicht er gleichzeitig mit dem Gewinn die geplanten Entlassungen und warum legt er sich auf Zahlen fest? Das habe ich nicht verstanden." <BR><BR>Eine falsche Öffentlichkeitsarbeit bescheinigt auch Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen, der Deutschen Bank. Aber Ackermann mache im Rahmen der Spielregeln des Kapitalismus das, was alle anderen auch machten. Das könne man einem einzelnen Unternehmen nicht verbieten. Gerke äußerte gegenüber unserer Zeitung den Verdacht, dass einige Politiker mit ihren Angriffen von ihrer eigenen Verantwortung für die schlechte Lage am Arbeitsmarkt ablenken wollten.<BR><BR>Zum Vorschlag der SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti, Kunden sollten die Bank boykottieren, sagte Gerke: "Die Sparkassen machen langfristig das Gleiche, sie bauen Personal ab - zwar nicht so brutal wie die Deutsche Bank, aber über die Fluktuation."<BR><BR>Horn forderte die Wirtschaft auf, künftig mehr auf ihre Ziele und ihre Sprache zu achten. Diese müsse in einen gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext passen.</P>

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