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Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hatte sein politisches Schicksal mit dem Ausgang der Abstimmung verbunden, er hat bereits seinen Rücktritt angekündigt. Foto: Angelo Carconi

Experten enttäuscht

Volkswirte: Italien verschenkt Reformchancen

Italiens Ministerpräsident Renzi scheitert mit dem Verfassungsreferendum - die Enttäuschung vieler Ökonomen ist groß. Aus Sicht der Fachleute schwindet die Hoffnung auf durchgreifende Reformen in dem hoch verschuldeten Land weiter.

Frankfurt/Rom (dpa) - Das Nein der Italiener beim Verfassungsreferendum ist nach Einschätzung von Volkswirten ein herber Rückschlag für das hoch verschuldete Land.

Das Ergebnis der Abstimmung bedeute "weitere verlorene Zeit", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, am Montag.

Die italienische Wirtschaft schwächelt, die Banken sitzen auf einem riesigen Berg fauler Kredite, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Einen Austritt des Landes aus dem Euroraum halten Volkswirte zwar für unwahrscheinlich - das Risiko sei nun aber gestiegen.

Laut Ifo-Präsident Clemens Fuest wird sich die wirtschaftliche Stagnation der drittgrößten Euro-Volkswirtschaft nach dem angekündigten Rücktritt von Regierungschef Matteo Renzi verlängern: "Die Wahrscheinlichkeit, dass Italien dauerhaft Mitglied der Eurozone bleibt, ist gesunken."

Die Berenberg-Bank hält einen Austritt des Landes aus der Währungsunion weiterhin für unwahrscheinlich. Das Risiko habe jedoch etwas zugenommen - wenn auch nicht stark, erklärte Chefvolkswirt Holger Schmieding.

ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski hielt Sorgen vor einer neuen Eurokrise allerdings für übertrieben: "Gestürzte Regierungen in Italien sind nun wirklich nichts Neues, und Europa hat schon Vieles überlebt." Zwar sorge das Referendum für neue Unsicherheit. Möglicherweise liege in dem Nein aber auch eine Chance: "Eine technokratische Übergangsregierung kann die Probleme im Bankensektor und den erneuten Reformstau zusammen mit Europa rücksichtsloser angehen als die Regierung Renzi."

Aus Sicht von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat Italien die Chance vertan, die politischen Voraussetzungen zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme zu schaffen: "Italien bleibt ein Krisenkandidat."

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater schätzt, dass die europäischen Finanzmärkte auch eine weitere italienische Regierungskrise überstehen werden. "Allerdings bleibt Italien ein Langzeit-Patient mit Krisenpotenzial in der Eurozone", schränkte er ein. Sollte es zu heftigen Turbulenzen an der Finanzmärkten kommen, rechnet Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud mit Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Zwar stiegen am Montag die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen. Doch das befürchtete Beben am deutschen Aktienmarkt blieb aus. Der Dax kletterte kurz nach dem Handelsauftakt sogar um 1,68 Prozent auf 10 689,61 Punkte. Allerdings hatten sich die Anleger schon in der vergangenen Woche auf eine Niederlage Renzis eingestellt.

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