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Ökonomen rechnen trotz Brexit und anderer globaler Risiken in Deutschland vorerst nicht mit wirtschaftlichen Turbulenzen. Foto: Markus Scholz

BIP-Wachstum von 1,5 Prozent

Volkswirte: Deutscher Konjunkturmotor läuft weiter rund

Brexit hin, Trump her - Ökonomen beurteilen die Lage der deutschen Wirtschaft inzwischen wieder etwas optimistischer. Ganz so rasant wie 2016 werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr aber nicht wachsen.

Nürnberg (dpa) - Ökonomen erwarten trotz des Brexits und anderer globaler Risiken eine stabile Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Viele Indikatoren, vor allem die unverändert gute Arbeitsmarktlage, sprächen für eine anhaltend stabile Aufwärtsentwicklung.

Das schließe nicht aus, dass der Konjunkturmotor in der zweiten Jahreshälfte etwas an Tempo verliere, prognostizierten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Beim Wirtschaftswachstum sind die meisten Fachleute der großen Geldhäuser einen Tick optimistischer als die fünf "Wirtschaftsweisen". Diese rechnen inzwischen für das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr mit einem Anstieg von 1,4 Prozent. DZ-Bank-Volkswirt Michael Holstein geht nach einem "starken ersten Quartal" inzwischen von 1,5 Prozent aus, Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld von 1,6 und Rolf Schneider von der Allianz sogar von 1,7 Prozent Wachstum.

"Ich halte die Konjunktur in diesem Jahr nicht für überschäumend, aber für gut fundiert. Das gibt auch dem Arbeitsmarkt Rückenwind", sagte Tuchtfeld. Auf dem Arbeitsmarkt rechnen die Volkswirte für dieses Jahr mit einem weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit - je nach Annahmen um 60 000 bis 100 000 im Jahresdurchschnitt.

Dabei unterstellen die meisten Ökonomen, dass sich der starke Rückgang der Arbeitslosenzahl im ersten Quartal 2017 im Jahresverlauf deutlich verlangsamt. Grund seien die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge, die nach Absolvierung ihrer Integrations- und Förderkurse verstärkt auf den Arbeitsmarkt drängen werden.

Auch für März gehen die Fachleute saisonbedingt von einem stärkeren Rückgang der Arbeitslosenzahl aus. Mit 2,692 Millionen liege die Zahl der Erwerbslosen um rund 70 000 niedriger als im Januar, berichten sie unter Berufung auf eigene Berechnungen. Das wären rund 150 000 weniger Jobsucher als vor einem Jahr. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit am Freitag (31. März) bekanntgeben.

Aus Sicht des Allianz-Experten Schneider spricht neben der guten Beschäftigungslage auch der starke Export dafür, dass der Konjunkturmotor weiter rundläuft. Vor allem in den Schwellenländern, wichtige Abnehmer für die Exportindustrie, laufe es wieder besser. In Russland und Brasilien gehe die Rezession zu Ende. "Und auch in China läuft es wieder stabiler."

Die deutsche Wirtschaft dringt derweil auf schnellstmögliche Rechtssicherheit über die Konditionen des EU-Austritts Großbritanniens. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sagte: "Je konkreter die britische Regierung ihr Austrittsgesuch formuliert, desto besser. Die Wirtschaft braucht schnellstmöglich Klarheit und Rechtssicherheit."

Ungeachtet des Terroranschlags in London will Premierministerin Theresa May am kommenden Mittwoch (29. März) den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union erklären. Damit können die Austrittsverhandlungen mit Brüssel beginnen, etwa zwei Jahre sind dafür angesetzt. May hat bereits angekündigt, Großbritannien solle den Europäischen Binnenmarkt und die Zollunion verlassen.

Kempf sagte, es werde schwierig, "negative Folgen insbesondere für die Unternehmen im Vereinigten Königreich abzuwenden. Die EU ist der wichtigste Exportmarkt für die britische Wirtschaft. 44 Prozent der Exporte gehen von der Insel in die EU. Deutschland exportiert nicht einmal acht Prozent ins Vereinigte Königreich."

Aber auch Deutschland und Großbritannien verbinden enge Handelsbeziehungen. Nach den USA und Frankreich ist das Vereinigte Königreich der drittgrößte Abnehmer deutscher Exportgüter. Die Bundesrepublik lieferte 2015 laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von etwa 89 Milliarden Euro nach Großbritannien - mehr als sieben Prozent aller deutschen Ausfuhren. Begehrt auf der Insel sind vor allem Autos und Autoteile, Maschinen und Pharmaerzeugnisse.

ZEW-Präsident Achim Wambach erwartet bei den Brexit-Verhandlungen keine großen Verwerfungen. "Wir haben zwar eine gewisse Unsicherheit", sagte der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. "Aber die Briten sind trotz allem eine sehr rationale Wirtschaftsnation. Und die EU hat genug Probleme, als dass sie sich durch zu kurzsichtige Verhandlungen mit Großbritannien noch ein weiteres zufügen möchte", sagte Wambach.

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