Volle Läden: Weihnachtsgeschäft geht in die Verlängerung

- München - Volle Geschäfte und klingelnde Kassen: Die Einzelhändler zeigen sich heuer zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft ­ und freuen sich auf den Jahresendspurt. Denn nach den Feiertagen fällt Deutschland erfahrungsgemäß in einen zweiten Konsumrausch."Der Einzelhandel ist mit dem Weihnachtgeschäft zufrieden", erklärte Bernd Ohlmann, Sprecher des Landesverbands des Bayerischen Einzelhandels (LBE). "Ein paar Schneeflocken hätten dem Weihnachtsgeschäft sicher noch gut getan. Aber dennoch haben die Adventssamstage und die letzte Woche vor Weihnachten den etwas durchwachsenen Start wieder wett gemacht."

Der Trend ginge zwar zum Kauf in letzter Minute, aber die Kunden hätten wieder Spaß am Schenken, urteilt der LBE-Sprecher. Dabei waren in diesem Jahr Flachbildschirme, Navigationsgeräte und Kaffeemaschinen besonders beliebt. Auch Klassiker wie Bücher, Uhren und DVDs seien sehr gefragt gewesen.

Skeptisch blickt Ohlmann auf das kommende Jahr, wenn die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent steigt. "Das ist alles Kaufkraft, die dann beim Einzelhandel fehlt." Für Bayern bezifferte er den Verlust auf 1,4 Milliarden Euro. Dass die Kunden aus Angst vor höheren Preisen noch in diesem Jahr möglichst viel kaufen, konnte der Einzelhandelsverband nicht feststellen. "Natürlich haben wir darauf gehofft, aber das große Feuerwerk hat es nicht gegeben", erklärte Ohlmann. Außerdem sei dieser Vorzieheffekt eine Milchmädchenrechnung. "Was dieses Jahr gekauft wird, fehlt uns nächstes Jahr." Es bleibt aber die Hoffnung auf einen starken Jahres-Endspurt.

Gleich nach dem Fest am 27. Dezember wird mit einem Ansturm auf die Geschäfte gerechnet, wenn die Verbraucher ihre Gutscheine einlösen oder nicht passende Geschenke umtauschen. Vielerorts setzen die Unternehmen auch schon massiv den Rotstift an. Vor allem Textilhändler locken mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. Zudem werden letzte Anschaffungen mit alter Mehrwertsteuer noch kurz vor dem Jahreswechsel vorgenommen.

"Die Leute haben zwischen den Feiertagen meistens frei, die Muße und das Geld, um einzukaufen", betont Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE. Allein die einzulösenden Geschenkgutscheine spülen dem Handel kurz vor Silvester noch einmal enorme Kundenzahlen in die Geschäfte. In diesem Jahr waren Schätzungen zufolge gut ein Viertel aller Geschenke zu Weihnachten Gutscheine. Und wer in die Läden komme, löse nicht nur die Gutscheine ein, sondern lasse sich auch zu weiteren Einkäufen verlocken, sagt Pellengahr.

Für das Weihnachtsgeschäft im November und Dezember hatte sich die lange Jahre kriselnde Branche ehrgeizige Ziele gesteckt. Der Umsatz sollte um 2 Prozent auf rund 75,7 Milliarden Euro zulegen, und das, obwohl in diesem Jahr kalendarisch zwei Einkaufstage fehlen. Nachdem die Geschäfte in den ersten Dezemberwochen sehr unterschiedlich verliefen ­ nicht zuletzt auch wegen des sehr milden Wetters, könnten die letzten vier Tage im Jahr das Ergebnis noch mit rausreißen.

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