"Von einem Skandal zum nächsten": Infineon trifft Unmut der Aktionäre

- München - Es war mal wieder einer der Tage, an denen Infineon-Chef Wolfgang Ziebart kaum Freude an seinem Job haben dürfte. Während er auf der Hauptversammlung im Münchner Messezentrum um die Gunst der Aktionäre warb, erklärte eine Anlegervereinigung den Halbleiter-Konzern zu einem der größten Wertvernichter der Börse (siehe Bericht unten). Und anschließend stellten die Aktionäre klar, was sie an der Lage von Infineon stört - nämlich fast alles. Immerhin ist Ziebart selbst davon ausgenommen.

"Infineon hat sich von einem Skandal zum nächsten gehangelt", stellte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz klar und begann aufzuzählen. Da waren die Querelen um Ex-Chef Ulrich Schumacher und dessen möglicherweise unredliche Machenschaften. Infineon hat inzwischen die Zahlung seiner Abfindung von 5,25 Millionen Euro gestoppt. Interne und staatsanwaltschaftliche Untersuchungen hätten Fakten zu Tage gebracht, die das Unternehmen zum Handeln gezwungen hätten, sagte Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley.

Dazu, führte Bergdolt aus, kamen die Korruptionsaffäre um Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz und Wirbel um eine Satzungsänderung, mit der den Aktionären eine spezielle Treuepflicht auferlegt werden sollte. "Außerdem ist der Aktienkurs ein Trauerspiel und das Geschäft läuft schlecht." Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger äußerte sich im Rückblick auf das vergangene Jahr ähnlich kritisch: "Es wurde wieder Kapital verbrannt. Und das ist nicht dem Markt anzulasten, sondern der Verwaltung." Den Vorstandschef selbst nahm er in Schutz: "Im Wust von Problemen" gehe Ziebart einen vernünftigen Weg. Doch auch der war Grund zu Unmut.

Ziebart bekräftigte, dass der Konzern das schwankungsreiche Geschäft mit Speicherchips, das 40 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, bis 1. Juli ausgliedern wolle. Ein anschließender Börsengang der Sparte sei "nach wie vor die bevorzugte Lösung". Man habe "erfreuliche Reaktionen" potenzieller Investoren erhalten. "Es ist gut, wenn die Speicher nicht mehr Infineon belasten", urteilte Bergdolt. Aber: "Strategisch wird Infineon völlig neu aufgestellt. Das ist ein Punkt, über den die Aktionäre abstimmen müssen." Und das durften sie nicht - weil man keine Zeitverzögerung durch mögliche Anfechtungsklagen riskieren wolle, wie Ziebart erklärte.

Er warb bei den Infineon-Aktionären für das Speichergeschäft: "Wir sind hier für die Zukunft sehr gut gerüstet, aber all dies spiegelt sich, aufgrund der hohen Aufwendungen für diese Zukunft, derzeit noch nicht in den finanziellen Ergebnissen wider."

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftjahres verursachte die Sparte einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 118 Millionen Euro. Und für den weiteren Verlauf wagt Ziebart keine Prognose. Im Geschäft mit Automobil- und Industrieelektronik dagegen erwarte man weiteres Wachstum. Der Bereich Kommunikation, der unter der Handykrise seines wichtigsten Kunden, Siemens, litt, soll Ende dieses Jahres die Gewinnzone erreichen. Für den Halbleitermarkt werde heuer ein Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet. Dieser Trend solle sich insgesamt im Infineon-Geschäft widerspiegeln.

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