"Von unserem Essen wird man nicht automatisch dick"

- Seit gut einer Woche läuft in Deutschland "Super Size Me". Der Film dokumentiert den Selbstversuch des US-Amerikaners Morgan Spurlock, der einen Monat lang drei Mal täglich ausschließlich Speisen und Getränke von McDonald's zu sich nahm. Aufessen war Pflicht, Bewegung verboten. Und: Wenn die Verkäufer ihm eine "Supersize"-Portion - sie stellt die in Deutschland üblichen Maxi-Portionen in den Schatten - anpriesen, durfte er nicht ablehnen. Nach einem Monat hatte Spurlock 13 Kilo mehr auf den Rippen, katastrophale Leberwerte und einen Stakkato-Blutdruck. Unsere Zeitung sprach mit Ricarda Rücker, Sprecherin von McDonald's in Deutschland, über den Film.

<P>Frau Rücker, wer zu viele Big Mäcs und Pommes isst, wird dick. Wussten Sie das schon?<BR>Ricarda Rücker: Ich glaube, die Botschaft des Films ist eine andere. Sie heißt allgemein: Wer täglich 5000 Kalorien in sich reinstopft und auf Bewegung verzichtet, nimmt zu. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nur Nudeln, Pizza oder andere Produkte isst. Denselben Erfolg hätte er gehabt, wenn er nur in eine Pizzeria eingekehrt wäre.</P><P>Haben Sie an dem Film etwas auszusetzen?<BR>Ricarda Rücker: Es steht uns nicht zu, zu kritisieren. Aber auf zwei Dinge möchte ich hinweisen. Der Film ist realitätsfremd, weil normalerweise kein Mensch jeden Tag 5000 Kalorien - das ist die doppelte Menge, die ein Mann im Schnitt benötigt - zu sich nimmt. Außerdem zeigt der Autor amerikanische McDonald's-Verhältnisse, keine deutschen. Hier stehen schon seit Jahren Salate auf der Speisetafel, wir bieten eine Ernährungsberatung und Nährwertbroschüren. Zudem hat es niemals Super-Size-Größen gegeben.</P><P>Auch in den USA stehen die Monsterportionen seit dem Kinostart nicht mehr auf der Karte ... McDonald's schickt sich seit einiger Zeit an, sein Gesicht zu ändern. Sie braten nicht mehr nur Hamburger, sondern verkaufen nun auch Fruchttüten und Joghurts. Wie stark kratzt der Film am neuen Image?<BR>Ricarda Rücker: Gar nicht. Es gab Menschen, die bei unserem Kundenservice angerufen haben und meinten, dass sich doch kein Mensch wie in "Super Size Me" ernährt. In den USA und Australien haben sogar einige eine McDonald's-Diät gemacht. Sie haben sich ausgewogen mit unseren Produkten ernährt, auf die Kalorien geachtet, sich bewegt und damit gezeigt, dass man von unserem Essen nicht automatisch dick wird.</P><P>Haben Sie, seit der Film angelaufen ist, weniger Menüs verkauft?<BR>Ricarda Rücker: Nein.</P><P>Es gab Gerüchte, McDonald's wolle den Kinostart verhindern . . .<BR>Ricarda Rücker: . . . was nicht korrekt ist. Warum sollten wir das tun? Jedem steht frei, einen solchen Film zu machen und anzusehen.</P><P>Trotzdem läuft er mitunter nicht in Kinos, die für McDonald's werben.<BR>Ricarda Rücker: Das entscheiden nicht wir, sondern Filmverleih und Kinobetreiber. Ich weiß aber, dass der Film beispielsweise in Hof in einem Kino läuft, das unter anderem mit dem örtlichen McDonald's-Restaurant zusammenarbeitet. Wir haben kein Interesse daran, etwas zu verbergen und wir wollen auch nichts verbieten.</P><P>Das Gespräch führte Florian Ernst.</P>

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