+
Sauberer Ökostrom wie aus Solaranlagen steht bei den Verbrauchern in Deutschland hoch im Kurs. Foto: Rolf Haid

Spitzenreiter ist Hannover

Vor allem Großstädter entscheiden sich für Ökostrom

Auch beim Ökostrom gibt es ein Stadt-Land-Gefälle. Wer in einer Großstadt lebt, entscheidet sich häufiger für grüne Energie. Aber auch insgesamt nimmt die Nachfrage nach Strom aus erneuerbaren Quellen zu.

Heidelberg (dpa) - Ökostrom ist in Deutschland vor allem bei Haushalten in Großstädten gefragt. Verbraucher in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen entschieden sich bei einem Wechsel des Lieferanten überdurchschnittlich häufig für grünen Strom.

Dies hat das Vergleichs- und Vermittlungsportal Verivox anhand seiner Daten ermittelt. In Berlin und Hamburg seien 44 Prozent der Haushalte, die zwischen April 2017 und März 2019 einen neuen Stromvertrag abgeschlossen haben, in einen Öko-Tarif gewechselt. In Bremen waren es 40 Prozent. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 34 Prozent.

Schlusslicht unter den Bundesländern ist das Saarland mit einem Anteil der Ökostromwechsler von 30 Prozent. In den übrigen Ländern liegt die Quote zwischen 31 Prozent in Sachsen-Anhalt und 35 Prozent in Baden-Württemberg.

Ökostrom-Spitzenreiter unter den 20 größten Städten in Deutschland ist bei Verivox die niedersächsische Hauptstadt Hannover mit einer Wechselquote von 48 Prozent. Im nordrhein-westfälischen Duisburg entschieden sich dagegen nur 29 Prozent der Haushalte bei einem Lieferantenwechsel für Strom aus erneuerbaren Energien.

Nach den letzten vorliegenden Zahlen der Bundesnetzagentur bezogen 2017 fast 11 Millionen Haushalte in Deutschland Ökostrom. Das waren knapp 24 Prozent aller Haushalte, etwa 2 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor.

Die Nachfrage nach Haushaltsstrom aus erneuerbaren Energien ist nach Angaben aus der Energiebranche zuletzt deutlich gestiegen. Der Stromriese Eon hatte mitgeteilt, bei ihm sei die Zahl der Ökostrom-Kunden innerhalb eines Jahres um 30 Prozent gewachsen. Eon führt den Anstieg vor allem auf die Klimadebatte zurück. Das sei vor allem bei jüngeren Kunden zu spüren, von denen sich jeder fünfte für grünen Strom entscheide. Wie viele der bundesweit rund 6 Millionen Eon-Kunden Ökostrom beziehen, sagt der Konzern nicht.

Auch der mittelständische Ökoenergieanbieter Naturstrom aus Düsseldorf berichtet von steigenden Vertragsabschlüssen. Von Jahresbeginn bis Mitte Juni seien etwa 30 Prozent mehr neue Kunden hinzugekommen als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres, sagte ein Unternehmenssprecher. Einen noch höheren Anstieg der Neuabschlüsse habe es während der Auseinandersetzungen um den Hambacher Forst im rheinischen Braunkohlerevier gegeben. Naturstrom hat etwa 240.000 Kunden.

Der Ökostromanbieter Lichtblick meldete ein moderates Wachstum. Die Zahl der Kunden sei seit Jahresbeginn um etwa 20 000 auf 550.000 gewachsen. Durch die zunehmende Konkurrenz auf dem Ökostrom-Markt sei Wachstum schwierig.

Verivox und das zweite große Vergleichsportal Check24 haben nach Angaben des Bundeskartellamts einen erheblichen Anteil am Abschluss neuer Stromverträge. Rund 3,5 Millionen neue Verträge von Haushaltskunden würden im Jahr von den Portalen vermittelt, die dafür Provisionen erhalten.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dax startet im Minus
Frankfurt/Main (dpa) - Die Unsicherheit über den Fortgang der Zollgespräche zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China verstimmt die Investoren …
Dax startet im Minus
Künstliche Intelligenz lässt Bruttoinlandsprodukt wachsen
Köln (dpa) - Technologien und Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) könnten die Wirtschaftsleistung in Deutschland laut einer Studie enorm anwachsen lassen.
Künstliche Intelligenz lässt Bruttoinlandsprodukt wachsen
Trump stellt Apple Zollerleichterungen in Aussicht
Austin (dpa) - US-Präsident Donald Trump macht Apple Hoffnung auf weitere Ausnahmen von den amerikanischen Zusatzzöllen auf Waren aus China im laufenden Handelskonflikt …
Trump stellt Apple Zollerleichterungen in Aussicht
Neue Thyssenkrupp-Chefin treibt Umbau nach Verlust voran
Der Industriekonzern steckt seit Jahren in der Krise. Jetzt soll Martina Merz den Stahl- und Industriekonzern auf Kurs bringen. Eine schnelle Besserung ist nicht in …
Neue Thyssenkrupp-Chefin treibt Umbau nach Verlust voran

Kommentare