Vorbild EADS: Entstehen neue europäische Rüstungsgiganten?

- München - Einen europaweiten Rüstungkonzern gibt es bereits: die EADS. Eine Entsprechung zu diesem Giganten der Lüfte zeichnet sich jetzt auch auf dem Wasser ab: ein Zusammenschluss der maritimen Rüstungsindustrie.

Wie bereits bei der Luftfahrt läuft die Konsolidierung über vorgeschaltete große Zusammenschlüsse auf nationaler Ebene: Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland sind Fusionen in Sicht. Auslöser ist dabei ein britischer Konzern: BAE Systems braucht Geld für seine weltweite Expansionsstrategie.

Da trifft es sich gut, dass die Briten etwas anzubieten haben, was andere gerne haben möchten: den Bremer Marine-Ausrüster Atlas-Elektronik, einst eine Tochter der Vulkan-Werft, heute ein führender deutscher Spezialist für Sonar- und Torpedotechnik und Minenabwehr. Zwischen 1997 und 2003 hatte BAE Systems Atlas übernommen.

Auf das Filetstück der deutschen Marineindustrie hatte zunächst vor allem ein (zu rund 31 Prozent) staatlicher französischer Rüstungsgigant ein Auge geworfen: Thales wolle mit Atlas "einen Weltmarktführer für Marinelektronik schaffen". Die Franzosen waren sogar bereit, sich in einer deutsch-französischen Partnerschaft - etwa gemeinsam mit Thyssen-Krupp - bei Atlas mit der Rolle eines Junior-Partners zufrieden zu geben.

Doch dieser Wunschpartner ist in dieser Sache bereits anderweitig verbandelt. Auf deutscher Seite bietet nämlich eine Gemeinschaft von EADS und Thyssen-Krupp für Atlas. Obwohl nach Brancheninformationen deren Angebot finanziell schlechter ist als das aus Frankreich, sieht zurzeit alles nach einer deutschen Lösung aus.

Noch bekräftigen die Briten, dass keine Entscheidung gefallen ist. "Der Prozess wird fortgesetzt", heißt es. Das Berliner Wirtschaftsministerium hat nun erstmals die Trumpfkarte Vetorecht gezückt, die sie im Ärmel hat, wenn ein Rüstungsunternehmen zu mehr als 25 Prozent in ausländische Hände übergehen soll. Dies wäre bei Thales der Fall.

Obwohl die Franzosen ihr kaum Erfolg versprechendes Interesse an Atlas aufrechterhalten, haben sie jetzt einen anderen Handel perfekt gemacht: Thales übernimmt ein Viertel der Anteile an der staatlichen Kriegsschiff-Werft DCN, wie die Regierung in Paris mitteilte. Das Geschäft, das bis Mitte nächsten Jahres abgewickelt werden soll, sieht zudem vor, dass DCN die Marineaktivitäten von Thales übernimmt. Darunter sind die Beteiligung an einem Joint Venture zum Bau eines zweiten französischen Flugzeugträgers. Thales zahlt auf diese Weise nicht mehr als 150 Millionen Euro und hat die Option, seinen Anteil an DCN später auf 35 Prozent aufzustocken. Die französische Regierung, die 31 Prozent an Thales hält, hatte die Annäherung der beiden Unternehmen vorangetrieben.

Branchenexperten erwarten sich nach einer nationalen Konsolidierung einen europäischen Verbund nach dem Vorbild der EADS. Auch in anderen Bereichen der Rüstungsindustrie sind entsprechende Entwicklungen absehbar. Der französische Panzerbauer GIAT sucht nach Partnern. Denkbar sind ein Verbund aus den Panzerschmieden Krauss-Maffei-Wegmann und Rheinmetall.

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