Vorbild Milch: Wie Kleinkraftwerke Strom vermarkten

München - Die Energiewende hat dem Genossenschaftsgedanken in Bayern neuen Schub verliehen. Auch die anstehenden Reformen werden diesen Trend nicht umkehren, erwartet der Genossenschaftsverband Bayern.

Ob als flächendeckender Stromversorger oder als Betreiber eines einzigen Windrades – viele Unternehmen in Bayern, die von der Energiewende leben, haben sich für die Rechtsform einer Genossenschaft entschieden. Das hat die Mitgliederzahl der Genossenschaftsverbands Bayern deutlich erhöht. Allein im vergangenen Jahr stieg sie um 46 auf 1283. Über die Ursache des Zuwachses besteht kein Zweifel: 43 neue Genossenschaften entstanden im Energiebereich, sagte Vorstandsmitglied Alexander Büchel.

So ist die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes für viele Genossenschaften auch eine Existenzfrage. Wenn Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren, dann wird nicht nur der Boom abbrechen. Auch bestehende Unternehmen müssen möglicherweise aufgeben. Dazu wird es nicht kommen, glaubt Büchel. Ihre wichtigsten Anliegen sehen die Genossen in dem Gesetzespaket, das Bundeswirtschaftsminister Siegmar Gabriel vorgelegt hat, berücksichtigt.

So drängte der Verband darauf, dass alte Zusagen zur Förderung bestehender Anlagen eingehalten werden – ohne nachträgliche Kürzung oder zusätzliche Besteuerung. Das sieht Büchel nun als gewährleistet an. Selbst die Ausweitung der EEG-Umlage auf Betriebe, die selbsterzeugten Strom auch selbst verbrauchen, werde im Sinn der Genossenschaften entschärft. So interpretiert Büchel jüngste Signale aus Berlin. Hier forderten die Genossenschaften eine Bagatellgrenze, die nun wohl kommt. Und auch gegenüber der Staatsregierung in München standen die Signale auf Entspannung. Die strengen Abstandsregelungen für Windkraftanlagen, die Ministerpräsident Horst Seehofer in Bayern durchsetzen wollte, kommen nun in milderer Form: Gemeinden sollen jetzt selbst entscheiden können. Eine einheitliche Regelung hätte Projekte, die noch in Planung sind – viele davon als Genossenschaften – ausgebremst. Kontinuität sieht auch Verbandspräsident Stephan Götzl damit in den wichtigsten Punkten gewährleistet.

Selbst bei Biogasanlagen sind bestehende Betriebe in ihrer Entwicklung – anders als es ursprünglich aussah – nicht behindert. Sie können durch einen „erweiterten Bestandschutz“ ihre Kapazitäten sogar ausbauen.

Eine zusätzliche Belastung für Betreiber von Kleinanlagen bleibt jedoch: Sie sollen Strom künftig nicht mehr nur einfach ins Netz einspeisen, sondern ihn selbst vermarkten, sprich nach Abnehmern suchen. Dies sei „aufgrund der geringen Strommengen eine Herausforderung“, räumt Büchel ein. Doch er sieht darin auch eine Chance: Vermarktungsgenossenschaften, zu denen sich Kleinerzeuger zusammenschließen, können den Strom gebündelt anbieten, sagt Büchel. Dazu will er das bestehende Modell der Milchvermarktungsgenossenschaften und deren Erfahrungen auf den Energiebereich übertragen.

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Die Milchgenossenschaften, die zweitgrößte Gruppe der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Bayern, blicken auf ein gutes Jahr zurück. „Mit 37,80 Cent pro Kilogramm erreichte der Milchauszahlungspreis in Bayern im Jahr 2013 einen Rekordwert.“, sagte Büchel. Grund sei eine Sogwirkung auf die internationalen Märkte durch China. Das Land ist zum größten Abnehmer am Weltmarkt geworden.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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