Vorentscheidung im Kampf der Formate

München - Seit Jahren tobt eine Schlacht um die Nachfolge der DVD. Jetzt zeichnet sich ab, wer der Gewinner sein wird. Doch ob sich die Verbraucher für die hochauflösende Technologie begeistern lassen, ist völlig ungewiss.

Der erste große Formatkampf in den deutschen Wohnzimmern fand Anfang der 80er-Jahre statt. Damals konkurrierten Betamax, VHS und Video 2000 um die Gunst der Filmfreunde. Das Video Home System setzte sich schließlich durch und dominierte über zehn Jahre den Markt für Heimvideos. Wer zuvor auf das falsche Pferd gesetzt hatte, schaute bald gelangweilt in die Röhre: Der Handel verbannte Kassetten und Rekorder der anderen Formate nach und nach aus den Regalen.

Was damals geschah, wiederholt sich derzeit auf einer höheren Entwicklungsstufe. Seit einigen Jahren stehen sich in der Unterhaltungs- und Elektronikbranche zwei Lager gegenüber, die jeweils unterschiedliche und miteinander nicht kompatible Speichermedien als Nachfolger für die DVD etablieren wollen. Die hatte ihrerseits vor zehn Jahren die VHS-Bänder als Speichermedien für TV-Serien und Kinofilme abgelöst.

Der eine Kandidat ist als Blu-ray-Disc bekannt und wird von Branchengrößen wie Sony, Panasonic oder Philips favorisiert. Ihr gegenüber steht die High Definition DVD (HD DVD), auf die Microsoft oder IBM setzen. Beide Medien sehen aus wie eine gängige DVD, bieten aber deutlich mehr Speicherplatz und können deswegen Bewegtbilder mit einer fünf Mal höheren Auflösung wiedergeben. Daran können sich allerdings nur Besitzer eines modernen TV-Geräts erfreuen (siehe Kasten).

Welches System das bessere ist, darüber streiten die Experten. Grundsätzlich gilt die HD-DVD-Technologie als günstiger, während die Blu-ray-Disc über mehr Speicherkapazität verfügt. Keines der Formate hatte deswegen bislang die Nase vorn. Doch das scheint sich zu ändern: Das Hollywoodstudio Warner Bros. hat mitgeteilt, seine Filme wegen besserer Verkaufszahlen nur noch auf Blu-ray-Discs herauszugeben.

Diese Nachricht kommt einem Paukenschag gleich, denn erstmals neigt sich damit die Waagschale zu Gunsten eines der Formate. Nach Branchenangaben erscheinen in Zukunft zwei Drittel der neuen Filme nur noch auf Blu-ray, auf das neben Warner und Sony auch die Studios von Disney und 20th Century Fox setzen. Der HD DVD hingegen halten nur noch Universal und Paramount die Stange ­ und das vielleicht auch nicht mehr lange: Nach einem Bericht des "Wall Street Journal", kann Paramount zum Jahresende aus seinem Vertrag mit der HD-DVD-Gruppe aussteigen. Die kritische Masse für Blu-ray wäre endgültig erreicht.

Eine Entscheidung für ein System halten Beobachter für dringend notwendig. Denn das Formate-Wirrwarr hat den Absatz der hochauflösenden Datenträger bisher rund um den Globus ausgebremst. "Viele Konsumenten zögern, weil sie Angst haben, auf das falsche Lager zu setzen", sagen Marktforschern. So sind in Deutschland 2007 laut der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GFU) nicht mehr als 40 000 Abspieler für HD DVDs und Blu-ray-Discs verkauft worden. Im gleichen Zeitraum gingen 4,1 Millionen DVD-Spieler über die Ladentheken.

Mancher Experte bezweifelt, dass die neu entwickelten Silberlinge jemals so ein Verkaufsschlager werden. Vielen deutschen Verbraucher reicht nämlich die Qualität einer DVD aus, wie Umfragen ergeben haben. Zudem könnte das Internet die Träume der Industrie platzen lassen. So erwartet der Branchenverband Bitkom in Berlin, dass der Bedarf an Speichermedien in Zukunft deutlich abnimmt, weil sich die Verbraucher hochauflösende Filme lieber aus dem Netz herunterladen.

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