+
Das Atomkraftwerk Fessenheim in Frankreich. Am 1. April wurde hier der Reaktorblock 1 vorübergehend abgeschaltet. 

Entschluss gilt zumindest vorerst 

Kein Antrag zur Stilllegung von Pannen-Akw Fessenheim

Fessenheim - Der französische Stromkonzern EDF stellt vorerst keinen Antrag auf eine Stilllegung des Pannen-Akw Fessenheim.

Der Verwaltungsrat des Staatskonzerns machte am Donnerstag zwar grundsätzlich den Weg für einen solchen Antrag frei, wie es aus übereinstimmenden Quellen hieß. Dies dürfte aber frühestens im kommenden Jahr geschehen. Die Grünen in Deutschland reagierten empört.

Der EDF-Verwaltungsrat beschloss am Donnerstag, dass der Antrag "in den sechs Monaten" vor der Inbetriebnahme eines neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville eingereicht werden müsse. Nach jahrelangen Verzögerungen soll der Reaktor in Flamanville nach jetzigem Stand aber erst 2019 ans Netz gehen.

Der Antrag von EDF ist eine Voraussetzung dafür, dass die französische Regierung ein Dekret zur Stilllegung des 40 Jahre alten Atomkraftwerks in Fessenheim an der Grenze zu Deutschland veröffentlichen kann. Die Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats vom Donnerstag bedeutet, dass die jetzige Regierung dies nicht mehr wird tun können: Am 23. April und 7. Mai wird ein neuer Präsident gewählt, im Juni dann eine neue Nationalversammlung.

Staatschef François Hollande hatte ursprünglich versprochen, das nahe der Grenze zu Deutschland gelegene Atomkraftwerk schon Ende 2016 vom Netz zu nehmen.

Die Grünen-Sprecherin für Atompolitik im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, sprach nach der Entscheidung des EDF-Verwaltungsrats von einem "Affront". "Offensichtlich ist die französische Atomlobby mächtiger als die Regierung selbst."

Die französische Regierung hatte darauf gedrungen, dass der Verwaltungsrat des Staatskonzerns am Donnerstag schon bald einen Antrag auf eine Stilllegung von Fessenheim stellt. Umweltministerin Ségolène Royal sprach am Donnerstag trotzdem von einer "guten Entscheidung", die "unumkehrbar" sei.

Nicht nur Atomkraftgegner in Frankreich, Deutschland und der Schweiz fordern seit langem eine Schließung von Fessenheim. Auch die Bundesregierung hat wiederholt auf eine Abschaltung der beiden Reaktoren gedrungen.

In dem elsässischen Atomkraftwerk, das 30 Kilometer südwestlich von Freiburg liegt, kommt es immer wieder zu Pannen und Zwischenfällen. Kritiker verweisen zudem auf das Erdbebenrisiko in der Region und die Gefahr einer Überschwemmung bei einem Bruch des Dammes, der das Akw vom Rheinkanal trennt. Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 in Betrieb genommen und sind damit die ältesten des Landes.

afp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Türkische Notenbank umgeht Erdogans Zins-Veto
Auch wenn sich die Lage etwas entspannt: Die Türkei kämpft mit einer handfesten Währungskrise, und die hohe Inflation belastet Verbraucher und Wirtschaft. Der Präsident …
Türkische Notenbank umgeht Erdogans Zins-Veto
Musk zeigt sein Innenleben: Gesundheit "nicht gerade toll"
Kaum ein Firmenchef im Silicon Valley steht so unter Druck wie Tesla-Chef Elon Musk. Er selbst nennt seinen Gesundheitszustand "nicht gerade toll". In einem Interview …
Musk zeigt sein Innenleben: Gesundheit "nicht gerade toll"
Urteil: Software-Updates im Diesel-Abgasskandal sind Pflicht
Münster (dpa) - Halter von Dieselfahrzeugen mit manipulierter Motorsteuerung müssen nach einer Gerichtsentscheidung die vom Kraftfahrt-Bundesamt vorgeschriebenen …
Urteil: Software-Updates im Diesel-Abgasskandal sind Pflicht
Abgas-Skandal: VW feuert möglicherweise mehrere Mitarbeiter
Immer wieder "Dieselgate": Die Abgas-Affäre bei Volkswagen könnte jetzt mehrere Beschuldigte den Job kosten. Gleichzeitig verkauft der Konzern immer mehr Autos. Aber wie …
Abgas-Skandal: VW feuert möglicherweise mehrere Mitarbeiter

Kommentare