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Banken haben mit Krediten schon viel Geld versenkt. Wer selbst als Verleiher aktiv wird, geht Risiken ein.

Vorsicht beim Kredit von privat

München - Der private Geldverleih in Deutschland boomt. Immer mehr Bundesbürger nutzen spezielle Internetbörsen, um ein Darlehen zu erhalten. Und das kann für Kreditgeber wegen der attraktiven Zinsen durchaus lukrativ sein. Doch es drohen Risiken.

Kreditbörsen wie Smava oder Auxmoney organisieren den privaten Geldverleih im Internet. Auf ihren Online-Plattformen treffen sich Suchende und Anbieter von Geld. „Die Nachfrage hat sich seit der Finanzkrise ungefähr verdreifacht“, sagt Smava-Geschäftsführer Alexander Artopé. „Viele unserer Kunden haben kein Interesse mehr, mit Banken zusammenzuarbeiten, das gilt für Kreditnehmer genau so wie für Investoren.“

Das Prinzip

„Private lending“ nennt sich das System, bei dem sich Privatleute gegenseitig Geld leihen, und das in England und den USA eine lange Tradition hat. Bei den Online-Plattformen erläutern Suchende ihren Kreditwunsch, bieten einen entsprechenden Zins und geben Auskunft über die finanziellen Verhältnisse und ihre Bonität. So benötigt beispielsweise ein Paar 25 000 Euro zum Ausbau der eigenen Reitschule, eine Versicherungsexpertin 5500 Euro für kosmetischen Zahnersatz und ein Lehrer 5000 Euro für seine Bafög-Rückzahlung. Privaten Geldgebern bieten sie dafür Zinssätze zwischen 4,7 und 10,4 Prozent.

Das Risiko

„Für Kreditsuchende sind die Plattformen durchaus eine Alternative zur Bank“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Anleger sollten aber vorsichtig sein, denn das Verlustrisiko könne nur schwer kalkuliert werden, und letztlich sei das Geschäft vor allem Vertrauenssache. „Niemand sollte hier nur wegen der Rendite sein Geld anlegen, schon gar nicht die gesamten Ersparnisse, dafür ist diese Art der Geldanlage einfach nicht sicher genug“, betont Nauhauser. Dem widersprechen die Portalbetreiber. „Bei uns haben im vergangenen Jahr 99 Prozent der Kreditgeber Geld verdient“, betont Smava-Geschäftsführer Artopé. Nach Angaben von Auxmoney beträgt die Ausfallquote bei den Krediten drei Prozent.

Die Abwicklung

Wer beim Marktführer Smava einen Kredit erhalten möchte, muss seine Unterlagen einreichen und kann sich bis zu 25 000 Euro leihen, bei Laufzeiten von 36 oder 60 Monaten. Die Zinshöhe richtet sich insbesondere nach der jeweiligen Schufa-Bewertung. Investoren zahlen den gewünschten Betrag ab einer Mindestanlage von 250 Euro auf das Konto einer Partnerbank, die den Betrag an den Kreditnehmer weiterleitet und auch die Raten einzieht. Als Sicherheit gegen einen möglichen Kreditausfall dienen bei Smava sogenannte Anleger-Pools. Smava selbst finanziert sich mit Gebühren. So zahlen Kreditnehmer zwischen 2,0 und 2,5 Prozent der Kreditsumme als Gebühr, Geldgeber 4,00 Euro pro Kredit.

Bei Auxmoney müssen Kreditnehmer zunächst 9,95 Euro für die Anmeldung zahlen. Um die Chance für einen Kredit zu erhöhen, können sie gegen Gebühr sogenannte Zertifizierungen erwerben. Das sind geprüfte Auskünfte wie die Schufa-Bewertung oder eine Arbeitgeber-Rückfrage. Wer einen Kredit erhält, zahlt zudem 0,95 Prozent der Kreditsumme. Anleger überweisen den Betrag an die Partnerbank und erhalten von dort monatlich die Ratenzahlungen. Die Kreditsumme reicht bei Auxmoney bis zu 20 000 Euro bei einer Laufzeit von 12 bis 36 Monaten. Anleger können ab 50 Euro monatlich in Kreditprojekte einsteigen.

Das Zinsniveau

Das Gesamtvolumen der aktuellen Darlehen beträgt bei Smava derzeit rund 8,6 Millionen Euro. Die Zinshöhe beträgt zwischen 6 und 16 Prozent, im Durchschnitt sind es 10 Prozent. Auxmoney möchte zum Kreditvolumen nichts sagen. Der durchschnittliche Zinssatz beträgt laut Sprecher Philip Kamp 14 Prozent, die Rendite für die Kreditgeber liege bei 11 Prozent.

Die Kreditbörsen erwarten für 2009 eine weitere Zunahme beim privaten Geldverleih. So rechnet Smava damit, dass sich das Darlehensvolumen auf rund zehn Millionen Euro verdoppelt.

Manfred Rolfsmeier

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