Vorsicht bei echten Schnäppchen: Geld für Gutachter gut angelegt

- Seit Kunst als wertvolle Anlage populärer geworden ist, ist auch die Zahl der Nachahmungen gestiegen. Sammler und Anleger sind daher gut beraten, sich vor Fälschungen zu wappnen. Denn Fälscher beschränken sich längst nicht nur auf Malerei und Skulpturen. Auch alte Bücher, Briefmarken, Münzen, Porzellan, Waffen, Möbel und Schmuck gehören zu ihrem Repertoire.

Schwierig ist für den Laien vor allem das Erkennen falscher Antiquitäten. Als Antiquitäten gelten Gegenstände, die mehr als 100 Jahre alt sind. Und je weniger Stücke aus einer Epoche noch vorhanden sind, desto höher liegt in der Regel auch ihr Preis. Bei Unikaten kann er mehrere Millionen Euro betragen. Besonders Bilder erreichen hohe Summen. In München wurden im vergangenen Jahr bei einer Auktion für Caspar David Friedrichs Radierung "Eine Brandstätte" mehr als 28 000 Euro bezahlt. Der Schätzpreis hatte bei nur 2400 Euro gelegen.

Hohen Marktwert besitzt auch Porzellan bedeutender Manufakturen wie Meissen, Limoges oder Königlich Kopenhagen. Selbst Stücke mit eingebranntem Markenzeichen können aber eine schon vor Jahrzehnten hergestellte Kopie sein. "Ehe viel Geld gezahlt wird, sollte deshalb ein Fachmann die Stücke untersuchen", sagt die Kunstsachverständige Dorothée Rather.

Ein "Dali" für 300 Euro ist sicher gefälscht

Auch seltene Briefmarken erzielen hohe Preise. Daher tauchen künstliche Nachbesserungen und Fälschungen auch bei Postwertzeichen auf, bestätigt der Verband der Briefmarkenfachhändler in Deutschland. Helmut Oechsner vom Bund Philatelistischer Prüfer in Nürnberg empfiehlt Käufern daher, jede Marke mit mehr als 100 Euro Katalogwert prüfen zu lassen. Hierfür würden in der Regel mindestens zwei Euro pro Marke fällig.

Weitgehende Sicherheit beim Kauf von Antiquitäten bieten große Verkaufsmessen, aber auch seriöse Versteigerungshäuser und Galerien. Professionelle Händler haften für ihre Verkäufe. "Auf Messen kann der Interessent sich umfassend informieren, Vergleiche ziehen und mit Händlern sprechen", sagt Hermann Specht vom Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels (BDKA). "Unabhängige Sachverständige prüfen die angebotenen Stücke auf ihre Echtheit und ihren Wert." Bedeutende Veranstaltungsorte sind München, Köln und Hamburg. In München ist das die Kunst-Messe (21. bis 25. Oktober 2006). "Gute Einkaufsmöglichkeiten bietet auch der Pschorrmarkt auf der Theresienhöhe", sagt Katrin Stoll, Geschäftsführerin des Auktionshauses Neumeister in München. "Im anonymen Kunsthandel ist hingegen äußerste Vorsicht geboten", warnt Tilman Bassenge, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Kunstversteigerer in Berlin. In Auktionshäusern prüfen und taxieren Experten die Gegenstände, die sie im Auftrag der Kunden versteigern sollen. Sicherheit gibt auch die Mitgliedschaft eines Händlers in einem der großen Verbände. Wie auch der BDKA fordert der Deutsche Kunsthandelsverband von seinen Mitgliedern, dass sie mehrjährige professionelle und untadelige Tätigkeit im Kunsthandel nachweisen.

Schnäppchen auf Trödelmärkten hält Bassenge hingegen für sehr unwahrscheinlich. "Wenn Händler glauben, bei einem Einkauf auf ein besonderes Stück gestoßen zu sein, lassen sie es schätzen und stellen es nicht für nur ein paar Euro auf ihren Verkaufstisch. Eine für 300 Euro angebotene Dal`i-Grafik ist also mit Sicherheit eine Fälschung."

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