Vorsicht Gen-Eintopf: Jetzt beim Einkauf Kleingedrucktes studieren

- München - Wer ganz sicher sein möchte, dass er sich keinen Gen-Eintopf in die Küche stellt, wird wohl beim Einkauf künftig jede Dose dreimal umdrehen. Ab Montag muss auf den Produkten stehen, inwiefern sie gentechnisch verändert sind. Verbraucherschützern zufolge hat die Regelung jedoch noch zahlreiche Mängel.

<P>Nach zwei neuen EU-Verordnungen findet sich der Hinweis "genetisch verändert" oder "aus gentechnisch verändertem ... hergestellt" künftig auf dem Etikett oder in einer Klammer oder Fußnote in der Zutatenliste. Brüssel nimmt es ganz genau: Der Vermerk müsse "mindestens so groß wie die Schriftgröße in der Liste der Zutaten" sein, heißt es. Der Käufer habe so mehr Durchblick, versprechen die Verbraucherschutzminister in Berlin und München, Renate Künast (Grüne) und Werner Schnappauf (CSU).<BR><BR>Angaben genauer</P><P>EU-weite Vorschriften zur Kennzeichnung gibt es bereits seit 1997. Bisher kam es nur darauf an, ob die Genmanipulation im Endprodukt nachweisbar war. Jetzt müssen die Betriebe auch klarstellen, ob sie gentechnisch veränderte Organismen bei der Produktion einsetzen.<BR><BR>Ausnahme Fleisch</P><P>Die neue Regelung schützt die Verbraucher jedoch nicht lückenlos: Bei Milchprodukten, Eiern und Fleisch weiß der Käufer auch in Zukunft nicht, ob das Tier mit genmanipuliertem Getreide gefüttert wurde. Produkte aus gentechnisch veränderten Organismen müssen zwar gekennzeichnet werden. Bei Vitaminen, Süßstoffen oder Geschmacksverstärkern, die mit Hilfe dieser Organismen entstehen, fehlt der Hinweis. Und Gentechnik-Anteile bis 0,9 Prozent sind kennzeichnungsfrei, wenn sie zufällig in das Produkt gelangt sind oder die Vermischung technisch unvermeidbar ist.<BR><BR>Testkäufer unterwegs</P><P>Ob die Tiefkühlpizza auch richtig beschriftet ist, wollen die Bundesländer durch Testkäufer und Kontrollen bei den Herstellern prüfen. Doch auch hier gibt es Schlupflöcher: "Bei hochverarbeiteten Nahrungsmitteln wie Ölen können Manipulationen so gut wie nie aufgespürt werden, da die Gen-Strukturen im Laufe der Produktion zerstört werden", warnt die Organisation Greenpeace.<BR><BR>Noch keine Geldstrafen</P><P>Geldstrafen für Gen-Sünder gibt es zunächst nicht. Ein Entwurf der Bundesregierung, nach dem schwarze Schafe bis zu 50 000 Euro zahlen müssten, liegt derzeit beim Bundesrat auf Eis. Dies ärgert die Verbraucherschützer, die auf einen abschreckenden Effekt hofften: "Wenn die Strafen aus der Portokasse gezahlt werden können, sind sie sinnlos", empört sich Marion Breithaupt-Endres von der bayerischen Verbraucherzentrale.<BR><BR>Verbraucher besorgt</P><P>Wie viele Lebensmittel betroffen sind, zeigt eine Untersuchung des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung. In jedem zehnten soja- oder maishaltigen Produkt fanden die Tester Bestandteile veränderter Pflanzen. Die Wissenschaftler streiten noch, ob dies die Gesundheit gefährdet. Dennoch lehnen 70 Prozent der Deutschen genmanipuliertes Essen ab.<BR><BR>Handel verzichtet</P><P>Die Handelsketten Metro, Rewe und Edeka haben nach eigenen Angaben ab Montag keine markierten Produkte im Regal. Auch Karstadt-Warenhaus, Lidl, Wal-Mart und dm-Drogeriemarkt wollen ohne veränderte Lebensmittel auskommen. Die Lieferanten von Tegut und Edeka-Nord haben Gen-Futter sogar aus den Schweineställen verbannt. "Wir überlegen, das auf ganz Deutschland auszuweiten", sagt Edeka-Sprecherin Marliese Kalthoff. Und rund 450 Hersteller arbeiten laut Greenpeace freiwillig ohne Gen-Zutaten, darunter Wiesenhof oder Unilever ("Du darfst").<BR><BR>Auf Herkunft achten</P><P>Wer Gentechnik konsequent meiden möchte, ist beim ökologischen Landbau gut aufgehoben. "Beim Gütesiegel ,Bio nach EG-Öko-Verordnung kann man beruhigt zugreifen", sagt Carsten Direske von der Organisation Foodwatch. Auch die Herkunft der Produkte ist aufschlussreich: In den USA, Kanada und Spanien wird mit genmanipulierten Pflanzen gearbeitet. Und ein Kartoffelgratin aus der Tüte ist in jedem Fall verdächtiger als die Öko-Knolle aus der Erde.<BR><BR>Mehr Informationen:</P>www.greenpeace.dewww.transgen.de

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