Zugunglück an Bahnübergang in Penzberg: Eine tote Person, 30 verletzte Bahninsassen

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Vorsicht vor teuren Spätschäden

München - Orkantief Emma hat quer durch Deutschland nicht nur sichtbare Spuren der Verwüstung hinterlassen. An vielen Häusern dürften auch Schäden entstanden sein, die nicht auf den ersten Blick auszumachen sind.

Mängel suchen

Verschobene, gelockerte Dachziegel, Dachgauben oder Solarzellen, durchfeuchtete Wärmedämmung im Dach, nasses Holz, beschädigte Fassadenverkleidung: Hausbesitzer sollten ihre Immobilie in den nächsten Tagen gründlich nach Mängeln absuchen, rät Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands privater Bauherrn (VPB). Große wie auch vermeintlich kleine Sturm- und Feuchteschäden müssen nach den Worten des Bausachverständigen bald repariert werden. Sonst können daraus schnell teure Bauschäden werden.

Betrüger unterwegs

Aufgepasst: Nach Stürmen wie Emma bieten mobile Handwerkertrupps gern an der Haustür ihre Dienste zu vermeintlichen Schnäppchenpreisen an, wie die R+V-Versicherung erklärt. Solche "Dach-Haie" seien aber keine Alternative zum Fachhandwerk. Sturmgeschädigte würden nur über den Tisch gezogen. Der Trick: Die Hilfstrupps rücken meist schon am nächsten Tag mit Gerüst und Material an, so haben die Kunden keine Zeit, vom Vertrag zurückzutreten. Bei der Reparatur treten dann angeblich gravierende Mängel auf, so dass mitunter gar das ganze Dach abgedeckt werden soll - zu saftigen Preisen und oft bar gegen Vorauskasse. Hinzu kommt: Die Wohngebäudeversicherung, die Reparaturkosten bei Sturmschäden in der Regel übernimmt, kann überhöhte Rechnungen kürzen - der Hausbesitzer bleibt auf der Differenz sitzen, so die R+V.

Rasch Hilfe holen

Grundsätzlich gilt nach schlimmen Unwettern: Wer sich nicht rasch um mögliche Schäden kümmert, holt sich meist Langzeitprobleme ins Haus, mahnt Penningh zur Vorsicht. Beispiel gelockerte Dachziegel: Hat der Sturm die Abdeckung verschoben, wird das Dach in der Regel offen für Regen. Das Wasser bahnt sich seinen Weg ins Innere, vorzugsweise an Ecken, Gauben und rings um Dachflächenfenster.

Ist die im Dach liegende Wärmedämmung einmal durchnässt, geht nicht nur Energie verloren. Auch die anliegenden Holzteile können nicht schnell genug abtrocknen. Bleibt Holz länger nass, kann es faulen. Schimmelpilze machen sich breit. Lockere Schindeln seien außerdem beim nächsten heftigen Wind eine Gefahr für Passanten, so der VPB-Experte. Hausbesitzer haften für Unglücke.

Wer zahlt was?

Wer Sturmschäden erlitten hat, sollte in jedem Fall mit seiner Versicherung in Kontakt treten: entweder mit der Wohngebäude- oder der Hausratversicherung. Erstere ist für äußere Schäden am Haus an Fassaden, Fenstern, Türen oder Dächern zuständig. Letztere kommt für die Reparatur wetterbedingter Schäden im Wohnraum auf, beispielsweise an Möbeln. Ausnahmen: Standen womöglich Türen oder Dachfenster offen, während Emma wütete, springt keine Assekuranz ein. Um bei der Versicherung auf Nummer sicher zu gehen, sollten Geschädigte die Problemstellen vor der Reparatur im Detail fotografieren oder filmen, rät der Verbraucherschützer. Wer alle Unterlagen vorgelegt habe, brauche sich von seiner Versicherung nicht auf den Sankt Nimmerleins-Tag vertrösten lassen. Spätestens einen Monat nach der Schadensanzeige kann eine Abschlagszahlung verlangt werden (Paragraf 11 Absatz 2 des Versicherungvertragsgesetzes).

Windstärke zählt

Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Sturmschäden ab Windstärke 8 abgesichert sind. Das entspricht einer Geschwindigkeit von 63 Kilometer pro Stunde. Betroffene können sich beim Deutschen Wetterdienst über die Windstärke in einer Region zu einem bestimmten Zeitpunkt informieren.

Checkliste für Sturmgeschädigte

Kontrolliert gehört in den nächsten Tagen Folgendes:

Sitzen die Ziegel noch fest und vermörtelt in den Falzen?Sind die Sturmklammern noch vorhanden? Hat das Dach überhaupt Sturmklammern?Klappert die Verkleidung an Gauben oder Giebeln?Sind die Dachziegel unbeschädigt? (feuchte Stellen innen weisen auf Dachschäden hin)Sind die Regenabflüsse verstopft oder rissig?Sitzen Solaranlage, Schneefanggitter und Blitzschutzanlage noch fest?Ist viel Wasser an der Fassade heruntergelaufen? Prüfen Sie, ob es sich durchgedrückt hat, beispielsweise unter Fensterbrüstungen oder an Fenstern und Türen!Sind Holzverkleidungen nass? Prüfen Sie Ursache und Auswirkungen.Sind Balkontüren, Fenster, Rollläden und deren Führungsschienen noch optimal verankert? Starke Sturmböen könnten sie gelockert haben.Nach Stromausfall: Alle elektrischen und elektronisch gesteuerten Bauteile kontrollieren, wie etwa Hebeanlagen. Auch automatische Rollladenheber und andere Timer wieder neu justieren.Gartenzäune und Mauerkronen auf Standfestigkeit prüfen. Auch dort können sich Abdeckziegel gelockert haben.

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