Vorsorgen, damit im Pflegefall noch etwas Geld übrig bleibt

- Sie hatte ihr Leben lang gespart. Jeden Monat von der knappen Rente etwas zur Seite gelegt ­ für die Enkel, denen sie unbedingt etwas hinterlassen wollte. Am Ende waren es knapp 50\x0f000 Euro. Doch dann kam alles anders. Annemarie M. musste in ein Pflegeheim. Und die Pflege über insgesamt knapp fünf Jahre hat ihre kompletten Ersparnisse aufgezehrt. Am Ende blieb für die Enkel nichts.

Seit vor gut zehn Jahren die gesetzliche Pflegeversicherung eingeführt wurde, wiegen sich viele in Sicherheit: Jeden Monat wandert vom Krankenkassenbeitrag ein Teil in die gesetzliche Pflegekasse. Doch was viele nicht wissen: Der Beitrag reicht bei weitem nicht, um einen Pflegeplatz zu finanzieren.

Die gesetzliche Pflegeversicherung sei lediglich eine "Teilkasko-Versicherung", sagt Klaus Dumeier vom Verband der Angestellten-Krankenkassen. Gut die Hälfte der Kosten müssen die Betroffenen selbst begleichen. Das können zwischen 1000 und 1500 Euro im Monat sein. Besonders hart ist das, wenn ein Ehepartner von der Rente und dem Ersparten seinen Lebensunterhalt bestreiten soll.

"Eine private Zusatzabsicherung wird immer wichtiger", stellt Bianca Höwe vom Bund der Versicherten fest. Die Anzahl der Pflegebedürftigen soll bis 2020 auf 2,9 Millionen steigen, im Jahr 2050 sogar auf fast fünf Millionen, (2001 waren es knapp zwei Millionen). Gleichzeitig sinken die Renten.

Ist kein ausreichendes Vermögen vorhanden, um die Pflege im Alter zu finanzieren, sind die Angehörigen gesetzlich verpflichtet, die Kosten zu tragen. Erst in letzter Instanz springt das Sozialamt ein. "Die Pflegebedürftigkeit ist ein Risiko, das es abzusichern gilt ­ das erkennen viele erst, wenn es zu spät ist", hat Gerd Heming, Vorsitzender des Bundes der Pflegeversicherten, beobachtet.

Je jünger und gesünder, desto günstiger sind die Beiträge in der privaten Pflegezusatzversicherung. Denn eine Gesundheitsprüfung ist obligatorisch. Daher sei es sinnvoll, so Bianca Höwe, ab dem 40sten Lebensjahr über den Extraschutz nachzudenken. Der Markt hat zwei Varianten von Policen zu bieten: Die Pflegetagegeld- und die Pflegekostenversicherung.

Fester Satz pro Tag

Das Tagegeld gewährt einen vertraglich vereinbarten Tagessatz (zwischen 20 und 50 Euro sind je nach individueller Altersvorsorge sinnvoll), über den der Versicherte frei verfügen kann. Dieses Modell kann zur Finanzierung sämtlicher Pflegeoptionen herangezogen werden, ganz gleich ob die Pflege durch Angehörige, einen ambulanten Dienst oder in einem Heim erfolgt.

Zuschuss aufstocken

Die Pflegekostenversicherung eignet sich eher für die Pflege in einem Heim, denn hier wird der gesetzliche Zuschuss um einen bestimmten Prozentsatz aufgestockt. Rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause durch Angehörige versorgt, wobei Pflegestufe I und II viel häufiger vorkommen als Stufe III. Eine Police sollte also auch in diesen Fällen leisten.

Eine stabile finanzielle Vorsorge garantiert allerdings keine qualitativ gute Versorgung in den Heimen, in denen zum Teil wegen Zeit- und Personalmangel unwürdige Zustände herrschen. "Nur zehn Prozent aller Heime pflegen gut", stellt Heming vom Bund der Pflegeversicherten fest. Aber: "Je weniger man vorgesorgt hat, umso mehr ist man auf ein Heim angewiesen" ­ mit entsprechendem Finanzpolster könne man es sich leisten, professionell gepflegt zu werden, findet Heming.

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