Vorstand von Ludwig Beck: "Ich sehe gute Jahre für den Handel"

München - Der Wirtschaftsboom in Deutschland kommt dank steigender Gehälter und neuer Jobs immer stärker bei den Konsumenten an. Das zeigt sich auch in den Bilanzen von Handelsfirmen wie Ludwig Beck: Im ersten Halbjahr 2007 konnte das börsennotierte Münchner Traditionshaus ein deutliches Umsatzplus verbuchen - obwohl bei Beck derzeit die Bauarbeiter werkeln. Unsere Zeitung sprach mit Vorstand Dieter Münch über Konjunktur und Umbau.

Herr Münch, Sie sind nah an den Verbrauchern dran. Bekommen die den Aufschwung jetzt endlich auch zu spüren?

Ja. Die Löhne steigen wieder, es werden Arbeitsplätze geschaffen. Die Verbraucherstimmung ist so gut wie seit dem Mauerfall nicht mehr. Ich sehe gute Jahre für den Handel vor uns.

Keine Bremsspuren durch den "Konsumkiller"?

Sie meinen die Mehrwertsteuererhöhung? Nein. Die hätte früher dazu geführt, dass monatelang darüber berichtet wird, was der kleine Mann weniger in der Tasche hat und wie alles teurer wurde. Doch die Erhöhung hat sich kaum niedergeschlagen.

Inmitten dieser dynamischen Zeit wird in Ihrem Haupthaus am Münchner Marienplatz gehämmert und gebohrt, um Eingangsbereich und Fassade neu zu gestalten. Wird Sie das Umsätze kosten?

Wir sind in den letzten Wochen mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden gewesen.

Aber viele Verkaufsflächen sind blockiert, das müsste doch das Geschäft beeinträchtigen . . .

Sie haben recht, eigentlich müsste der Umsatz sinken. Aber wir haben während der Umbauzeit, die noch bis September dauert, höchst attraktive Angebote parat. Das zieht zusätzliche Kunden ins Haus. Wir freuen uns deswegen über eine Umsatzentwicklung, die deutlich über den Erwartungen liegt.

Sie werden durch den Umbau im Erdgeschoss 200 m2 Verkaufsfläche dazugewinnen. 2008 kommen nochmal 800 m2 dazu, weil Sie das Lager in den Keller verlegen. Was machen Sie mit dem ganzen Platz?

Mode für Frauen ist unsere Stärke. In diesem Segment wollen wir uns weitere Zielgruppen im gehobenen Bereich erschließen. Das heißt aber nicht, dass wir Ludwig Beck zum Luxuskaufhaus ausbauen wollen. Luxusmode finden die Verbraucher auf der Münchner Maximilianstraße.

Unterm Strich haben Sie nach der Erweiterung zehn Prozent mehr Fläche. Wächst damit auch Ihr Umsatz um zehn Prozent?

Das Potenzial wird um ein Zehntel größer. Es wird aber bis zum Jahr 2010 dauern, bis wir das voll ausschöpfen.

Was passiert dann? Ludwig Beck ist seit 1998 an der Börse notiert, dort werden Wachstumsgeschichten geliebt. Doch noch mehr Platz werden Sie am Marienplatz nur schwer schaffen können . . .

Zusätzliche Flächenerweiterungen sehen wir derzeit nicht. Aber es wird bei Ludwig Beck immer Ertrags-Wachstum geben.

In den 80er- und 90er-Jahren unterhielt Ihr Haus mehrere Filialen in deutschen Großstädten, kurzzeitig sogar in New York. Die meisten Läden wurden mangels Ertrag wieder geschlossen. Planen Sie einen zweiten Anlauf?

Das steht im Augenblick nicht auf der Agenda. Wir wollen unsere Kraft und unsere Ressourcen in den Marienplatz stecken. Das ist eine der Top-Verkaufslagen in Europa, das Umsatzpotenzial ist längst nicht erschlossen. Außerdem zählt neben dem Umsatz auch der Ertrag und der wird bei uns in Zukunft deutlich schneller zunehmen als die Erlöse.

Eine Handvoll Filialen in und um München unterhält Beck noch immer. Bleiben die erhalten?

Wir haben noch Filialen in München-Riem, im Einkaufscenter Neuperlach Pep, in Augsburg und in Landshut. Den Standort im Pep geben wir zum Jahresende auf.

Streitthema Ladenöffnungszeiten: Während in allen Bundesländern liberalisiert wird, macht Bayern nichts. Hätten Sie sich gewünscht, dass die CSU-Regierung mutiger ist?

Wir wären schon froh,wenn das Thema Liberalisierung ein Stück weiter wäre. Am liebsten wäre uns, wenn es auch in München die Möglichkeit gebe, an zwei oder drei Sonntagen im Jahr zu öffnen. Einen kleinen Erfolg können wir schon verbuchen: Am 14. September findet von 20 bis 24 Uhr in München die Kultur- und Shoppingnacht statt.

Zwei, drei verkaufsoffene Sonntage würden Ihnen reichen?

Das würde uns vorerst reichen. Am besten im Herbst, zu Weihnachten oder im Frühjahr, denn da wollen die Kunden kaufen. Wenn man da einen Sonntag aufmachen könnte, würde das den Ansturm in der Fußgängerzone entzerren und mit Sicherheit die Umsatzkraft für München ausbauen. Aber bislang hat die Stadt keinen Vorstoß in diese Richtung unternommen.

Derzeit ringen Gewerkschaften und Arbeitgeber um einen Einzelhandels-Tarifvertrag. Wie ist Ihre Position?

Wir sind schon vor Jahren aus dem Tarifverbund ausgestiegen. Verhandelt wird bei uns zwischen Betriebsrat und Vorstand und da ist es uns immer gelungen, eine gemeinsame Lösung zu entwickeln. Das heißt, dass unsere Mitarbeiter in schlechten Jahren Nullrunden in Kauf nehmen mussten. Dafür geben wir ihnen aber auch mehr mit, wenn die Geschäfte wieder richtig gut laufen. Und heuer läuft es gut.

Womit können Ihre 500 Mitarbeiter rechnen?

Wir müssen erst noch das Jahresergebnis abwarten, aber es sieht bisher sehr gut aus.

Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs Ihrer Aktie fast verdoppelt, vor gut zeri Wochen gab's nochmal einen ordentlichen Sprung. Was war da los?

Da hat es einen Tag gegeben, an dem 1,2 Prozent aller Aktien gehandelt wurden. Ein neuer Finanzinvestor hat sich eine Position aufgebaut.

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