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Revolte statt Revolution: Für die Kommunikationspolitik bei der Veröffentlichung des neuen Thermomix TM5 erntet Vorwerk nun harte Kritik.

Geheimer Produktwechsel

Shitstorm wegen Thermomix TM5

Wuppertal - Was für ein Shitstorm! Am 5. September stellte Vorwerk seine neue Küchenmaschine Thermomix TM 5 vor. Kunden wussten im Vorfeld nichts davon. Nun sind diejenigen stinksauer, die kurz zuvor noch die alte Version bestellt haben.

Es sollte die Sensationsnachricht für alle Hobbyköche werden: Vorwerk präsentierte am 5. September nach zehn Jahren das Nachfolgermodell des TM31, den TM5. Doch jetzt gibt es Ärger.

Der neue Thermomix TM5 leitet laut Vorwerk das digitale Zeitalter des Kochens ein: Mixen, Zerkleinern, Mahlen, Rühren, Kneten, ja sogar Dampfgaren, Wiegen und Emulgieren. Doch damit nicht genug: Diese Funktionen sollten nun noch einfacher bedient werden können. Mit einem Touchscreen lässt sich eine sogenannte Guided-Cooking-Funktion anzeigen, die den Koch Schritt für Schritt durch die jeweiligen Rezepte führt. Doch anstelle einer digitalen Revolution erntet Vorwerk für die Veröffentlichung seines neuen Küchen-Multitalents einen digitalen Shitstorm.

Kunden und Mitarbeiter bis zuletzt ahnungslos

Grund für die aufgebrachten Kundenreaktionen in der Netzwelt: Vorwerk hatte offenbar bis zum Tag der Veröffentlichung des neuen TM5 weder Kunden noch Mitarbeiter über das neue Modell informiert. Bis zur letzten Sekunde mussten Kaufinteressenten den vollen Preis von fast 1000 Euro für das Vorgängermodell TM31 bezahlen. Dabei waren sie völlig ahnungslos, dass es in Kürze ein Nachfolgermodell für einen geringfügig höheren Preis geben würde.

Empörung in den sozialen Netzwerken wächst

Nun ist die Empörung groß. Von Vertrauensverlust und Abzocke ist in den sozialen Netzwerken die Rede. Facebook-Nutzerin Caroline R. spricht mit ihrem Post auf der Vorwerk-Seite aus, was viele Kunden gerade danken: "Wirklich sehr sehr schade, dass hier keine Info kam. Wirft kein gutes Licht auf Vorwerk und hinterlässt einen faden Beigeschmack! Ich habe mir den Thermomix vor drei Wochen gekauft, nachdem ich über ein Jahr lang überlegt habe, denn so etwas bezahlt man ja nicht aus der Portokasse. Hätte ich gewusst dass ein neues Model kommt, hätte ich noch drei Wochen gewartet. Sehr ärgerlich!"

Ein anderer User hatte sich wie Caroline erst vor kurzem einen Thermomix TM31 gekauft und das Produkt einem Bekannten empfohlen. Dieser erhielt das Küchengerät ganze drei Tage vor Bekanntgabe eines neuen Modells. Weiter schreibt Thoma L.: "Sowas ist einfach eine Frechheit. Meine Lösung: Gerät auf eBay verkaufen und zur Konkurrenz. Mit Vorwerk bin ich fertig."

Kritik: Keine Übergangszeit

Übergangszeiten seien bei der Neueinführung eines Produkts ganz normal und ließen sich nicht vermeiden, schrieb Vorwerk auf Facebook aktuell zu seinem Vorgehen. Doch genau diese Übergangszeit vermissen die Kunden. Viele, die ihren Thermomix TM31 erst kürzlich erworben haben, fühlen sich nun hintergangen.

"Danke für die fehlende Kulanz"

Das Hauptproblem vieler Kunden, die sich erst kürzlich für den Kauf eines Thermomix TM31 entschieden haben: Einen Umtausch bietet Vorwerk nicht an. Noch unbenutzte Geräte können innerhalb von 14 Tagen an das Unternehmen zurückgeschickt werden. Für einen Aufpreis von 90 Euro können Kunden anstelle des TM31 einen neuen TM5 bekommen. Wer aktuell noch ein altes Modell bestellt hat, kann lange warten: Der TM31 wird nicht mehr hergestellt. "Danke für die fehlende Kulanz", schimpft Facebook-User Selim L. auf der Seite des Unternehmens die Kundenpolitik. Manche Kunden äußern sogar öffentlich, rechtliche Schritte gegen Vorwerk prüfen zu wollen.

Vorwerk antwortet Kunden im Netz

Eines muss man dem Hersteller des Thermomix allerdings zugute halten: Gerade in den Sozialen Medien versuchen die Mitarbeiter die aufgebrachten Kunden zu beschwichtigen und reagieren auf viele Posts. So auch auf ihrer Facebook-Seite, wo viele User ihrem Ärger Luft machen.

Doch leider wirken die Antworten auf die Beschwerden der Kunden meist automatisiert. So liest man immer wieder, dass eine frühzeitige Kommunikation zwar naheliegend erscheine, aber mit Blick auf rechtliche, marken- und produktionstechnische Aspekte nicht möglich gewesen sei. Auch sei es "Teil der Unternehmensphilosophie, dass neue Produkte von Vorwerk eine Überraschung für jedermann sind." Die ist dem Unternehmen zweifelsfrei gelungen. Doch statt einer Revolution des Thermomix-Kochens erreicht Vorwerk mit seiner Kommunikationspolitik aktuell eher eine Revolte bei seinen Kunden.

vin

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