Vorzeige-Manager Klaus Rauscher stürzt über sein Krisen-Management

Berlin - Klaus Rauscher galt jahrelang als Vorzeige-Manager in Deutschland: geradlinig, umsichtig - und vor allem erfolgreich. Doch seine zögerliche Informationspolitik nach den Störfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel kostete den 58-Jährigen nun seinen Posten. Der Aufsichtsratsvorsitzende Lars G. Josefsson übte am Mittwoch indirekt heftige Kritik an Rauschers Krisen-Management, würdigte ihn aber im gleichen Atemzug - abweichend vom Redemanuskript - als "guten Freund".

Rauscher ist ein Multitalent, erfolgreich als Jurist, Politiker und Manager. Im Eiltempo durchlief der gebürtige Franke eine Beamtenlaufbahn, 1988 wurde er Chef der bayerischen Staatskanzlei. Drei Jahre später zog es ihn in die Bankenwelt. Als Vorstand der Bayerischen Landesbank knüpfte er enge Kontakte zur Energiewirtschaft. 2001 wechselte Rauscher die Seite und übernahm für Vattenfall den Chefsessel beim Hamburger Stromversorger HEW.

Seine Aufgabe war kompliziert: Er sollte die HEW, die Berliner Bewag, den ostdeutschen Tagebaubetreiber Laubag und den Kraftwerksbetreiber VEAG zum drittgrößten deutschen Stromkonzern zusammenführen. So wurde Rauscher zum Wegbereiter der Vattenfall Europe AG und zu ihrem ersten und bislang einzigen Chef. Unter seiner Führung erwirtschaftete die deutsche Tochter des schwedischen Konzerns im vergangenen Jahr 1,35 Milliarden Euro Betriebsgewinn und damit knapp die Hälfte des gesamten Konzerns. 2005 ehrte ihn der damalige SPD-Vorsitzende und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck als "Energiemanager des Jahres" für seine "weit reichenden Visionen und eine gesunde Portion kalkulierte Risikobereitschaft".

Der Erfolg hatte Rauschers Entscheidungen viele Jahre lang unangreifbar gemacht. Doch die anstehende Herkulesaufgabe, das verlorene Vertrauen in das Unternehmen zurückzugewinnen, traute Josefsson seinem Duz-Freund Rauscher nicht mehr zu.

dpa

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