Vorzüge teurer, Stämme billiger: Aktienhändler tricksten bei Kursen

- Düsseldorf/Bonn - Bei der WestLB haben Aktienhändler möglicherweise systematisch Kursmanipulationen betrieben, um Scheinerträge zu erwirtschaften und ihre Bonuszahlungen zu sichern. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtete, sollen die beiden inzwischen entlassenen Mitarbeiter jahrelang die Schlusskurse der Vorzugsaktien von Metro, BMW und VW manipuliert haben. Dabei setzten sie auf ein Sinken der Kursdifferenz von Vorzügen und Stammaktien. Auf diesem Wege erzielte die Bank im Eigenhandel hohe Buchgewinne.

Ein WestLB-Sprecher betonte erneut, dass die Bank derzeit genau untersuche, welche Verstöße im Eigenhandel vorlägen. Vorstandschef Thomas Fischer hatte erklärt, dass die Bank eine vorbehaltslose Aufklärung des Sachverhalts anstrebe. Individuelles Fehlverhalten werde die Bank nicht vom erfolgreichen Weg der vergangenen Jahre abbringen können.

Die fraglichen Aktiengeschäfte der WestLB werden inzwischen auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unter die Lupe genommen. Dazu gehörten Hinweise auf mögliche Kursmanipulationen, sagte eine Bafin-Sprecherin. Mit der Strafanzeige der WestLB gegen die Aktienhändler bei der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gebe es einen neuen Aspekt und es lägen jetzt auch mehr Informationen vor. Bei der Aufklärung arbeite die Bafin mit der Bank zusammen, die ohnehin zu Auskünften verpflichtet sei. Die Staatsanwaltschaft soll prüfen, ob die beiden Aktienhändler gegen das Wertpapierhandelsgesetz und das Strafgesetz verstoßen haben.

Bereits seit 2001 sollen ein Bereichsvorstand und ein Marketing-Direktor Kursmanipulationen betrieben haben. Dabei wurden in den abendlichen Schlussauktionen in großem Maße Vorzugsaktien gekauft und Stammaktien verkauft, um die Kurse in die gewünschte Richtung zu bewegen. So erreichten die Händler angeblich bei BMW eine Angleichung der Kurse von Stämmen und Vorzügen und damit saftige Buchgewinne. Durch einen "Betriebsunfall" beim Handel mit VW-Aktien seien die Geschäfte aufgeflogen.

So seien die Händler durch die Porsche-Kaufofferte für VW gestoppt worden. Nachdem Porsche mitgeteilt hatte, seinen Anteil an dem Wolfsburger Autobauer zu erhöhen, verloren die Vorzugsaktien neun, die Stämme aber nur drei Prozent, weil Porsche nur Stammaktien kaufte. Dagegen konnten die manipulierenden Händler nichts mehr unternehmen.

Für die WestLB ergibt sich jetzt laut FTD das Problem, dass sie auf hohen Positionen an Vorzugsaktien sitzt. Müssten diese aufgelöst werden, würde der tatsächliche Verlust sichtbar. Der Rückstellungsbedarf soll bei schätzungsweise 300 Millionen Euro liegen. Die WestLB bestreitet das und betonte, dass zu den wirtschaftlichen Auswirkungen derzeit noch keine Aussagen gemacht werden könnten.

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