VW-Affäre: Der tiefe Fall des mächtigen Betriebsrats

Braunschweig - Wie erstarrt nimmt Klaus Volkert das Urteil entgegen: Zwei Jahre und neun Monate Haft ­ so lautet der Spruch des Braunschweiger Landgerichts im VW-Korruptionsprozess. Für den einst mächtigsten Betriebsratschef Deutschlands ist es die Quittung für zehn Jahre Selbstbedienung aus der Firmenkasse.

Fast zwei Millionen Euro Sonderzahlungen kassierte er von Ex-VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz. Und für seine damalige Geliebte Adriana Barros organisierte der Gewerkschaftsmann Scheinverträge, die ihr rund 400 000 Euro zuschanzten ­ ohne jede Gegenleistung. Sie jetteten durch die Welt und gönnten sich jeden Luxus. Schuldbewusstsein legte Volkert nie an den Tag ­ auch nicht vor Gericht. Und so traf ihn das Urteil mit voller Wucht.

Dagegen kam der frühere Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer am Freitag mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon. Für ihn selbst ist das Urteil jedoch eine herbe Enttäuschung. Er, der die rauschenden Feste, Vergnügungsreisen und Prostituiertenbesuche organisiert hatte und von VW fristlos gekündigt worden war, hatte auf einen Freispruch gehofft. Hartz habe ihn angewiesen, die Betriebsratsspitze großzügig zu behandeln und Volkert jeden Wunsch zu erfüllen, argumentiert er. Deshalb habe er keine Wahl gehabt. Bei einem Freispruch hätte er gegenüber seinem Ex-Arbeitgeber die Rücknahme der fristlosen Kündigung verlangen wollen. Auch die Betriebsrente, die ihm gestrichen wurde, will er wiederhaben. Im Arbeitsgericht hatte er verloren, jetzt setzt er auf die Revision.

Auch Volkert hofft noch, nicht ins Gefängnis zu müssen. Ende 2006 hatte er bereits drei Wochen in Untersuchungshaft gesessen. Die Urteilsbegründung der Vorsitzenden Richterin Gerstin Dreyer scheint an dem 65-Jährigen vorbei zu rauschen ­ so, als sei er im falschen Film. Nachdenklich sitzt er zwischen seinen Anwälten, entfernt gedankenverloren einen Fleck auf seiner Krawatte. Dann wird er immer blasser, sackt geradezu in sich zusammen. Als Dreyer nach eineinhalb Stunden die Sitzung schließt, wirkt Volkert gealtert. Nach der Verhandlung verlässt er zunächst kommentarlos das Gericht. Später sagt er dem Sender "N24": "Es hat ja in Deutschland schon mal eine Gerichtsbarkeit gegeben, wo Sozialdemokraten und Gewerkschafter ähnlich fair behandelt wurden."

Gebauer ist ebenfalls enttäuscht. "Es belastet mich schon, dass ich wegen Untreue verurteilt wurde", sagt er im Gerichtsflur. Die Kammer hatte ihm unter anderem zu Gute gehalten, dass erst durch sein Geständnis das Verfahren möglich wurde. Sein Anwalt Wolfgang Kubicki kündigt Revision an: "Mit dem Strafmaß können wir leben. Aber nicht mit der Begründung für die Untreue", sagt er. Es könne nicht sein, dass Gebauer verantwortlich gemacht werde für einen rechtswidrigen Auftrag von Hartz. Volkerts Anwalt Johann Schwenn spricht sogar von "Zweiklassen-Justiz". Hartz sei mit einem weitaus milderen Urteil davongekommen.

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