+
In der VW-Spitze gibt es künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Foto: Julian Stratenschulte

Nach Millionen-Abfindungen

VW führt Obergrenzen für Gehälter von Top-Managern ein

Volkswagen reagiert auf massive Kritik an hohen Manager-Gehältern. Künftig gibt es eine Deckelung für die Vorstands-Einkommen. Hintergrund sind auch immense Kosten für den Dieselskandal.

Wolfsburg (dpa) - Bei Volkswagen gilt für die Top-Manager nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Aufsichtsrat beschloss in Wolfsburg eine Reform des Vergütungssystems, wie VW mitteilte.

Der Vorstandschef soll künftig höchstens 10 Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro. Diese Maximal-Einkommen könnten aber nur bei einer "herausragenden Unternehmensentwicklung" erreicht werden, hieß es. Neben den Obergrenzen sieht das neue System vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden. Im Gegenzug wird das Fixgehalt angehoben.

Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an. Hohe Managergehälter bei Volkswagen hatten für viel Kritik gesorgt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn kam 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro. Dies lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen. Auch hohe Bonuszahlungen im vergangenen Jahr, trotz Abgasskandal, hatten Empörung ausgelöst.

VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte laut Mitteilung, der Vorstand stehe voll und ganz zur "Modernisierung" des Vergütungssystems und habe einer Modifikation der laufenden Verträge zugestimmt.

Hohe Managergehälter hatten zuletzt auch die politische Debatte neu entfacht. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte der dpa gesagt, es sei eine Frage der Gerechtigkeit, dass die Politik gegen ausufernde Gehälter und Pensionen von Top-Managern vorgehe. Die SPD will den Spielraum der Unternehmen künftig einengen und den Steuerbonus bei hohen Managergehältern per Gesetz begrenzen. Aktionärsvertreter hatten sich für eine Obergrenze von zehn Millionen Euro im Jahr bei den Managergehältern ausgesprochen.

Für Kritik hatte auch eine hohe Abfindung bei Volkswagen für Ex-Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt gesorgt. Die 66-Jährige bekam nach nur 13 Monaten im Amt eine Abfindung von rund 12 Millionen Euro.

Der weltgrößte Autohersteller Volkswagen hatte bereits 2016 angekündigt, sein Vergütungssystem für Führungskräfte ändern zu wollen. Die Initiative für eine Reform hatten das Land Niedersachsen und der Betriebsrat ergriffen, wie zu hören war. Das Land ist VW-Großaktionär und mit zwei Mitgliedern im Aufsichtsrat vertreten.

Die Gewerkschaft IG Metall will nun in allen Unternehmen eine Obergrenze für Vorstandsgehälter fordern. Dies sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann, Mitglied im VW-Aufsichtsrat, dem "Spiegel".

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe
Neuer Paukenschlag in der Abgasaffäre: Audi-Chef Rupert Stadler wurde festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Vergangene Woche war bereits sein Haus durchsucht …
Audi-Chef Stadler in U-Haft genommen - Staatsanwaltschaft nennt Gründe
Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland
YouTube ist die populärste Videoplattform. Google will darauf aufbauen, um mit einem neuen Musik-Streamingdienst Spotify und Apple Music Konkurrenz zu machen.
Google startet neuen Musik-Streamingdienst: YouTube Music auch in Deutschland
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet
Im Abgasskandal bekommt Audi-Chef Stadler die harte Hand der Justiz zu spüren. Wegen Verdunkelungsgefahr nahmen Ermittler ihn in U-Haft. Ein vorläufiger Nachfolger steht …
Audi-Chef Stadler unter Betrugsverdacht verhaftet
Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr
Heidelberg/München (dpa) - Strom und Gas für Haushaltskunden sind im ersten Halbjahr 2018 etwas billiger geworden. Der Preis sank nach Angaben der Vergleichsportale …
Leichter Preisrückgang bei Strom und Gas im ersten Halbjahr

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.