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VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh ärgert sich über Aussagen des VW-Großaktionärs Wolfgang Porsche zum massiven Stellenabbau. Foto: Julian Stratenschulte

Mangelnde Unterstützung

VW-Betriebsrat wirft Großeigner Porsche Reform-Unwillen vor

Eben erst haben sich Vorstand und Betriebsrat bei Volkswagen - nach wochenlangem Ringen - auf einen "Zukunftspakt" für den Autobauer geeinigt. Doch nun kracht es an einer anderen Front.

Wolfsburg (dpa) - Nach dem angekündigten Abbau von Zehntausenden Jobs bei Volkswagen hängt der Haussagen zwischen dem Betriebsrat und VW-Großaktionär Wolfgang Porsche schief.

"Wir wundern uns schon ziemlich, dass ausgerechnet Herr Dr. Porsche mal so locker zu Protokoll gibt: "Es haben alle gewusst, dass etwas passieren muss"", sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte Porsche als den Sprecher der VW-Großeignerfamilie Porsche/Piëch zu mehr Reformwillen für die Neuausrichtung des Unternehmens auf und kritisierte seinerseits mangelnde Unterstützung des Auto-Clans.

"Von den Familien haben wir als Beschäftigte jedenfalls bis zum heutigen Tag keine Unterstützung dabei bekommen, die Missstände abzustellen. Und wir sehen da akut noch genug Handlungsbedarf - beispielsweise die absolut unbefriedigende Situation der Marke Volkswagen in vielen großen Regionen der Welt jenseits von China und Europa." Der Chef der Arbeitnehmervertreter kritisierte in Richtung des Großaktionärs: "Da kann Herr Dr. Porsche gerne konkret mithelfen, die richtigen Strategien durchzusetzen. Das hilft dem Unternehmen mehr als der Besuch eines Autorennens in Bahrain."

Von der Sportveranstaltung in dem Golfstaat hatte sich Wolfgang Porsche mit dem kritisierten Zitat kurz nach Bekanntgabe des Zukunftspakts in der "Automobilwoche" zu Wort gemeldet. Mit diesem Pakt einigten sich Arbeitgeber und Betriebsrat Ende vergangener Woche auf Reformen für die gewinnschwache Kernmarke und eine Neuausrichtung auf Elektromobilität und Digitalisierung. Der Pakt sieht auch einen sozialverträglichen Abbau von hierzulande bis zu 23 000 VW-Stellen in den nächsten Jahren vor.

Osterloh betonte, die Arbeitnehmerseite habe beispielsweise schon vor mehr als zwei Jahren - und damit weit vor dem Abgas-Skandal - mit einer eigenen Ideensammlung auf milliardenschwere Einsparmöglichkeiten bei der renditeschwachen Kernmarke hingewiesen. "Ebenso wie auf die "Katastrophenveranstaltung" in den USA im Januar 2014, also vor fast drei Jahren, womit die Entwicklung der Modellpolitik im nordamerikanischen Markt, nicht Diesel, gemeint war", so Osterloh.

Die Familien Porsche/Piëch halten mehr als die Hälfte der stimmberechtigten VW-Stammaktien und haben damit die Macht bei Europas größtem Autobauer. Wolfgang Porsche war bisher ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zum Betriebsrat nachgesagt worden.

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