VW-Konzernchef Herbert Diess ist jetzt mit einem Batmobil unterwegs.
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VW-Konzernchef Herbert Diess ist jetzt mit einem Batmobil unterwegs.

Hauptversammlung

Volkswagen erwartet trotz Corona 2020 schwarze Zahlen - Konzernchef Diess erhöht Druck auf MAN

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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Der Wolfsburger Autobauer Volkswagen sieht nach den Einbrüchen infolge der Corona-Pandemie erste Zeichen für eine Trendwende.

München - Volkswagen lässt die Corona-Pandemie allmählich hinter sich. Im September könnten Auftragseingang sowie Auslieferungen wieder über dem Vorjahr liegen, sagte VW-Chef Herbert Diess am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung in Berlin. Im Juli hatte VW bei den Verkäufen mit einem Absatzminus von 0,2 Prozent nur noch hauchdünn unter dem Vorjahr gelegen.

Auch für die kommenden Monate zeigte sich der größte Autobauer der Welt verhalten zuversichtlich. Man gehe von einer „Fortsetzung des Aufwärtstrends aus“, sagte Konzernchef Herbert Diess am Mittwoch. Für das Gesamtjahr erwarte man „operativ ein positives Ergebnis“.

Bei der Elektrifizierung will das Unternehmen an seinem Kurs festhalten. „Sowohl 2019 als auch 2020 haben wir wesentliche Weichenstellungen zu einem führenden Anbieter elektrischer, digitaler Mobilität vorgenommen und wichtige Meilensteine erreicht,“ sagte Diess. Der Umbau des Unternehmens werde „von Corona nicht gebremst, sondern beschleunigt.“ Bis 2024 will Volkswagen 33 Milliarden Euro in die E-Mobilität investieren. Alleine 14 Milliarden Euro sollen davon in den Aufbau der IT-Kompetenz und das autonome Fahren fließen.

VW müsse nicht nur den Wandel der Antriebstechnik bewältigen. Viel weitreichender werde es sein, „dass das Auto sich in den kommenden zehn Jahren zu einem voll-vernetzten Mobilitätsdevice entwickelt“, sagte Diess. VW müsse in der Lage sein, nicht nur die Transporthülle anzubieten, sondern auch das Gehirn, das das Fahrzeug mit Künstlicher Intelligenz sicher steuere. Um das zu erreichen, müsse sich der Konzern hin zu einem Digitalunternehmen wandeln.

VW: Konzernchef Diess erhöht den Druck auf MAN

Zugleich nahm Diess den Münchner Lkw-Bauer MAN in die Pflicht. Im Nutzfahrzeuggeschäft gehe es nun vor allem um die „Effizienzsteigerung des Münchner Traditionsherstellers MAN“, sagte Diess. Mit einer operativen Rendite von drei Prozent im Jahr 2019 habe die wirtschaftliche Basis von MAN schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie nicht ausgereicht, um strategische Investitionen finanzieren zu können. MAN brauche die Restrukturierung und Werkschließungen, um wieder wettbewerbsfähig zu sein, erklärte Diess. Damit gab der Konzernchef dem Management des Lkw-Bauers erstmals öffentlich Rückendeckung für den angekündigten Umbau.

Der MAN-Vorstand plant den Abbau von 9500 Stellen. Am Dienstag hatte der Konzern die geltenden Standort- und Beschäftigungssicherung gekündigt. Damit wären betriebsbedingte Kündigungen möglich. Der Schritt gilt als Tabubruch.* Der Betriebsrat hat bereits massiven Widerstand angekündigt.

VW will den Aktionären trotz des Einbruchs infolge der Corona-Pandemie eine Dividende zahlen. Allerdings hatte der Konzern den ursprünglichen Dividendenvorschlag für 2019 um 1,70 Euro auf 4,86 je Vorzugsaktie zu kürzen. Stammaktionäre sollen jeweils 6 Cent weniger bekommen. Insgesamt spart der Konzern damit rund 855 Millionen Euro. Das Geld soll einen Beitrag zur Sicherung der Liquidität liefern.

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