VW-Chef Herbert Diess: Mit Vollgas über den Gardasee
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VW-Chef Herbert Diess: Mit Vollgas über den Gardasee

Rasanter Ritt über den Gardasee

VW-Chef Diess Surf-Video sorgt für Aufregung im Netz: „Neid-Mobil, ekelhaft, Schwachsinn“

  • Thomas Schmidtutz
    VonThomas Schmidtutz
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VW-Chef Herbert Diess hat mit einem Video für helle Aufregung im Netz gesorgt. Die Reaktionen zu dem 54 Sekunden-Beitrag reichen von „Schwachsinn“ bis „sensationell“.

  • VW-Chef Herbert Diess hat mit einer Urlaubsfahrt an den Gardasee für Aufsehen gesorgt.
  • Mit dem Italien-Trip wollte Diess beweisen, dass man schon heute mit E-Autos in den Urlaub fahren kann.
  • Vor allem ein Video war dabei besonders umstritten.

München - Über 4000 Reaktionen zählte das Karriereportal LinkedIn für den Blogpost von Diess rasantem Ritt über den Gardasee - und damit über 100 mehr als für seinen Bericht zur Urlaubstauglichkeit des E-Autos im Golf-Format.

VW: Diess‘ rasanter Ritt über den Gardasee

Auf dem Video lässt sich Diess von Audi-Ingenieur Franz Hofmann die Neuerungen an einem E-Board der Premiumtochter Audi erklären - und brettert mit dem Board dann über den Gardasee. Das Audi e-Tron foil ist ein sogenanntes Elektro-Hydrofoil-Surfbrett.

Hydrofoils sind Surfboards mit einem Tragflügel unter dem Board. Ähnlich wie Tragflächenboote werden sie angehoben, wenn sie Fahrt aufnehmen und schweben dann über der Wasseroberfläche.

Weil nur noch der Tragflügel im Wasser ist, sinkt der Wasserwiderstand dramatisch. Damit kann bei gleicher Antriebsleistung ein spürbar höheres Tempo erreicht werden als bei herkömmlichen Boards oder Booten. Mit dem Audi e-Tron foil fliege man „mit bis zu 45 km/h über das Wasser“, schreibt der VW-Boss auf LinkedIn.

VW-Chef Herbert Diess (re.) vor der Ausfahrt mit dem E-Foil.

Kein Wunder, dass der promovierte Ingenieur „begeistert“ war. „Dieses Gerät“, fasste der VW-Chef seine Testfahrt zusammen, sei „Wahnsinn!“. Hofmann und sein Team hätten „sich getraut, sich ihren Traum zu erfüllen“. Die VW-Tochter Audi investiere konsequent in das E-Hydrofoil-Start-up von Hofmann. Der Unternehmensgründer beweise, dass sich „Nachhaltigkeit, Speed und Spaß“ nicht ausschlössen.

VW: Große Begeisterung

In der Community sorgte der Post für ein ungewöhnlich großes Echo. „Voll cool“, „genial“, „Mega“, „sensationell“, „Oberhammer“, heißt es in vielen Kommentaren auf LinkedIn. Unternehmer Frank Thelen etwa wünscht sich einen baldigen Produktionsstart. Es wäre Klasse“, wenn das e-Tron foil in Serie ginge, schreibt das Jurymitglied aus der populären Vox-Start-up-Show „Die Höhle der Löwen“. „Das Ding muss in Massenproduktion“, findet auch ein anderer User. Ein Follower hofft auf Santa Claus und verspricht, ein guter Junge zu sein, wenn das Board an Weihnachten unter dem Tannenbaum liegt.

VW: Große Skepsis

Aber es hagelt auch teils heftige Kritik. Statt in Hydrofoils zu investieren, sollte der Konzern sich erst mal um das Kerngeschäft kümmern, regt ein User an: „Audi e-tron 2,5 Tonnen Gewicht, 400 Km Reichweite. First things first“. Wo denn der Reiz am Surfen bleibe, wenn der Surfer nichts mehr machen müsse, fragt ein anderer LinkedIn-Follower.

Außerdem fragen viele, wie gefährlich die Hydrofoils sein könnten. „Mich würde interessieren, wie es mir geht, wenn es mich bei 45 Km/h vom Board reißt. Wenn bei 30 Km/h im Auto ohne Gurt schon schwere Aufprallunfälle passieren ...“, schreibt eine besorgte Nutzerin.

Dazu hegen viele User Umweltbedenken. „Nett. Aber wozu? Damit noch mehr Lärm an den tollen Seen herrscht?“ Was bitte schön solle an dem E-Hydrofoil nachhaltig sein, fragt ein anderer User und verweist auf den „vielen Kunststoff, Akkus, Elektronik“. Eine nutzbare Transportleistung sei „nicht zu erkennen“ und fitter werde man dadurch auch nicht. Das Gerät sei also eher „ein Neid-Mobil, für das Wasser, statt für die Straße“.

Ein Kommunikationsberater aus Köln schreibt sich auf dem Karriereportal so richtig in Rage: „Absolut ekelhaft, dass ihr mit diesem Drecksboard, das niemand braucht, der seriös Wassersport betreibt, unsere Gewässer verpestet. Ihr solltet euch schämen. Ich könnte kotzen.“

Beim Umbau von Volkswagen in Richtung E-Mobilität dürfte sich Diess davon aber kaum beirren lassen. Erst vor wenigen Tagen hatte er via LinkedIn mitgeteilt, dass künftig auch die Führungskräfte verstärkt E-Autos fahren. Zum E-Umbau, heißt es aus Wolfsburg, gebe es ohnehin keine Alternative. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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