Zwei Modelle vom Typ VW ID.4 bei der Auslieferung. In die Elektroauto-Neuheit setzt der Konzern große Hoffnungen
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Zwei Modelle vom Typ VW ID.4 bei der Auslieferung. In die Elektroauto-Neuheit setzt der Konzern große Hoffnungen.

Hartes Wettbewerbsumfeld

Heißer Kampf um Elektroauto-Absatz: VW und das Zittern um den mächtigsten Automarkt

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Nach einem Rekord-Halbjahr befindet sich VW auf einem Höhenflug. Der Absatz auf dem weltgrößten Automarkt bereitet jedoch Sorgen. Ist der Konzern nicht zukunftsfähig?

Wolfsburg - Volkswagen hat die coronabedingte Krise hinter sich gelassen - und von Januar bis Juni 2021 äußerst erfolgreich Autos mit VW-Emblem verkaufen. Am Ende stand für den Konzern aus Niedersachsen ein erstaunlicher Betriebsgewinn von 1,8 Milliarden Euro zu buche. Dennoch gibt es zwei Probleme, die den Wolfsburger Kopfzerbrechen bereiten:

Zum einen gibt es nach wie vor Verzögerungen bei den Mikrochip-Lieferungen aus Asien, zum anderen steht VW in China vor einer gewaltigen Herausforderung: Europas größter Autobauer muss darum kämpfen, auf dem derzeit bedeutendsten Automarkt der Welt nicht den Anschluss zu verlieren. So ist es speziell der Umstieg auf die Elektromobilität, welcher dem Konzern Sorgenfalten auf die Stirn treiben könnte: Der Absatz des noch relativ neuen Elektroautos ID.4 verläuft im Reich der Mitte in den Monaten nach der Markteinführung alles andere als verheißungsvoll.

VW in China: Magerer Absatz beim Hoffnungsträger ID.4

Von den 2021 eingeführten Elektroauto-Versionen des VW ID.4 wurden im Mai lediglich 1213 Modelle von Volkswagen verkauft. Das waren laut des Beratungsunternehmens LMC etwa 200 weniger Autos als im Monat zuvor. Sowohl beim ID.4 X als auch beim ID.4 Crozz arbeitet Volkswagen anhand eines Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen zusammen. Die staatliche SAIC Motor veranschlagte für das laufende Jahr Medienberichten zufolge einen Absatz bis zu 60.000 Fahrzeugen, das zweite Joint Venture zwischen VW und FAW hat offenbar ähnliche Ziele kommuniziert. Angesichts der derzeitigen Absatzsituation erscheinen die Prognosen als zu hoch gegriffen. So würden die EV-Fabriken der beiden Unternehmen laut Medienberichten unter zehn Prozent der Produktionskapazität laufen.

Insider ließen gegenüber Reuters verlauten, dass es mehrere Komponenten gibt, die ausschlaggebend dafür seien, dass die Absatzentwicklung der E-Modelle Probleme bereiten: So biete der recht konventionelle VW ID.4 nicht genug Hightech-Feeling. In China sei das Gefährt Meckereien über Performance und technische Ausstattung ausgesetzt. Die Beschleunigung soll zu wünschen übrig lassen, außerdem sei der emotionale Faktor des Elektroautos nicht gegeben. Weitere Aspekte sollen laut des Berichts sein:

  • Beinharte E-Auto-Konkurrenz
  • Verspäteter Start der Elektroauto-Offensive
  • Mangelhaftes neues Vertriebsnetz bei VW

VW und die E-Auto-Offensive in China: Konzern rechnet mit Anlaufproblemen

Volkswagen selbst zeigt sich trotz bescheidenem Verkaufsstart (noch) unbeeindruckt: Alexander Seitz, Finanzchef der VW-Kernmarke, ließ gegenüber der Börsen-Zeitung wissen, dass die Absatzziele für China nicht korrigiert werden: "Aufgrund des scharfen Wettbewerbs braucht ein neues E-Modell mindestens sechs bis acht Monate, um sich zu etablieren und die Verkaufszahlen zu normalisieren." Von einem Fehlstart des ID.4 in China könne ihm zufolge keine Rede sein. Im Gegenteil möchte Volkswagen noch im laufenden Jahr dank einer Erweiterung der ID-Modellfamilie in China mindestens 80.000 Elektroautos an den Mann bzw. die Frau bringen.

Seitz erklärt, dass VW mit Elektroautos spätestens 2023 bei den Marktanteilen in China auf das gleiche Niveau kommen wolle, das mit den Verbrennern erreicht wurde - und das betrage zwischen 13 und 14 Prozent. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Marktanteil von Volkswagen auf dem bedeutendsten Automarkt der Welt jedoch um rund 1,6 Prozent, während in nahezu allen anderen Regionen der Absatz von Neuwagen gesteigert werden konnte. (PF)

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