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VW: Fahrzeugsoftware-Cloud soll bis 2025 kommen

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Produktion des Elektro-Vans Volkswagen ID. BUZZ
Die cloudbasierte Fahrzeugsoftware soll in allen Fahrzeugen des Konzerns funktionieren (Symbolbild) © IMAGO/Nancy Heusel

Bis 2025 will die Volkswagen-Gruppe eine einheitliche, internetgestützte Software-Plattform zur Ausstattung fast sämtlicher Konzernwagen mit neu entwickelten Apps fertigstellen und so auch mehr Drahtlos-Updates in den kommenden Autogenerationen verankern.

Wolfsburg/Ingolstadt - Der angepeilte Zeitpunkt für die dann möglichst voll ausgereifte «Automotive Cloud» (VW.AC) liegt damit kurz vor dem geplanten Start des künftigen Kernmodells Trinity. Dieses soll die Baukasten-Logik vom Antrieb auf die gesamte Fahrzeug-IT ausdehnen. «Ab Mitte des Jahrzehnts wollen wir alle Konzernautos anbinden», sagte Thomas Bierwirth, zuständiger Manager bei der Ingolstädter Tochter Cariad, in einer Online-Diskussion. «Die digitalen Dienste sollen für unsere Kunden zu mindestens 99 Prozent verfügbar sein.» Im aktuellen Modellbestand mit der bisherigen, alten Struktur unterschiedlicher Entwicklungs-Schnittstellen sei dieses Ziel schon erreicht. «Was wir hier lernen und aufbauen, wollen wir aber natürlich auch mit den neuen Systemen synchronisieren», kündigte Bierwirth an. Die Integration werde ein schrittweiser Prozess sein.

Dank Standardisierung ließen sich Kosten und Komplexität verringern. Doch auch die Endnutzer von Autos und Mobilgeräten hätten Vorteile. «Zunehmend wichtig wird, dass Software und elektronische Funktionen over-the-air updatefähig sind», sagte der Manager. Es gehe um laufend aktualisierte Konfigurationen durch die Kunden «während des gesamten Lebenszyklus ihres Autos». Bereitstellungszeiträume wolle man dabei weiter verkürzen. Diese lägen für viele neue Modelle inzwischen bei zwölf Wochen statt wie früher bei bis zu eineinhalb Jahren.

Als Beispiel nannte Bierwirth die Klimatisierung via Smartphone-App. «Eine Frage, die sich stellt, wenn das Auto im Ruhezustand ist, lautet etwa: Wie wecke ich es auf? Auf welche Weise fährt das System bestimmte Komponenten der Klimaanlage hoch - abhängig vom Ladezustand der Batterie?» So etwas erfordere eine präzise Abstimmung zwischen IT-Entwicklung und konkreter Umsetzung im Wagen. Ein anderer Fall seien Sicherheitsaspekte beim persönlichen Zugang zum Fahrzeug.

Grundsätzlich gehe es bei der Einheits-Cloud für alle Modelle darum, den Entwicklern Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, damit die Apps einfach und unkompliziert auf Funktionen im Auto zugreifen können. «Bisher ist auf der Entwicklerseite viel Tiefenwissen über die spezifischen Systeme der jeweiligen Fahrzeugplattform nötig», erklärte Bierwirth. «Mit der Cloud-Plattform können diese Prozesse vereinfacht werden.» Neue Funktionsangebote seien rascher möglich.

Die Übertragung verschiedener Profile, Umsetzung regionaler Vorlieben und Beachtung regionaler Gesetzesregeln sei so ebenfalls besser zu leisten. Zum Beispiel seien «Remote Start»-Funktionen - das Anlassen des Autoantriebs per App - in den USA besonders gefragt, während Behörden in Europa dies nicht erlaubten. In Asien hingegen hatte VW etwa Probleme, die Wünsche mancher Verbraucher nach ausgefallenen Funktionen wie einer «Karaoke-App» zu bedienen - auch «Remote Start» wurde dort beliebter. Für derlei Anpassungen bedeute die Cloud: «Die Plattform hilft uns dabei, Innovationen schnell anzubieten.»

Abgasskandal: Entschädigung kann noch Jahre dauern

Sieben Jahre nach Auffliegen des Abgasskandals warten etliche Tausend Diesel-Kläger bis heute vergeblich auf Schadenersatz von VW. Es geht um die rund 28 000 Betroffenen, die ihre Forderungen an den Rechtsdienstleister Myright für eine seiner acht Sammelklagen mit Kunden aus Deutschland abgetreten hatten. Aus der schriftlichen Begründung eines im Juni verkündeten Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) geht zwar eindeutig hervor, dass das Geschäftsmodell von Myright und die massenhafte Bündelung von Ansprüchen zulässig sind. Das hatte Volkswagen lange bestritten.

Trotzdem ist keine schnelle Lösung in Sicht. «Es kann noch einige Jahre dauern, bis es in den großen Sammelklagen zu einer Entscheidung kommt», teilte der Konzern auf Anfrage mit. Der Sachvortrag von Myright enthalte «zahllose Lücken, Widersprüche und Unstimmigkeiten». Für einen Vergleich fehle daher eine «verlässliche Grundlage». Die Gerichte müssten sich nun mit den einzelnen Ansprüchen befassen.

Myright-Geschäftsführer Sven Bode warf VW vor, «auf Zeit zu spielen und die Sammelklagen in die Länge zu ziehen». Nach der Rechtsprechung des BGH zum Dieselskandal wird vom Schadenersatz nämlich die Nutzung des Autos abgezogen - wer es jahrelang weiterfährt, geht also möglicherweise leer aus. Myright will nun sämtliche Forderungen aus den Sammelklagen nach und nach einzeln bei Landgerichten anhängig machen, um so eine schnellere Bearbeitung der Fälle zu erreichen. (dpa)

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