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E-Autos bei Klimabilanz besser als gedacht – VW-Chef Diess jubelt und fordert höhere Steuer für CO₂-Schleudern

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Von: Thomas Schmidtutz

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Fordert höhere Steuern für CO2-Schleudern: VW-Chef Herbert Diess
Fordert höhere Steuern für CO2-Schleudern: VW-Chef Herbert Diess © dpa/Boris Roessler

Eine neue Studie widerspricht Untersuchungen, wonach E-Autos wegen der energie-intensiven Batterie-Fertigung mehr CO2 ausstoßen als Verbrenner. VW-Chef Herbert Diess reagiert verzückt.

München - Wenn’s um das Thema E-Autos geht, wird VW-Chef Herbert Diess gerne grundsätzlich. „Zum Elektroauto“, sagte Diess mit Blick auf Umweltvorgaben und drohenden Strafzahlungen etwa vor gut einem Jahr der FAZ, gebe es in den nächsten Jahren „keine Alternative“.

Konzern-intern treibt Diess den Umbau Richtung E-Mobilität entsprechend radikal voran. Alleine bis 2024 wollen die Wolfsburger knapp 60 Milliarden Euro in ihre E-Auto-Offensive stecken.

In der Branche wird Diess‘ radikale Sicht nicht überall geteilt. Der Münchner Autobauer BMW stellt sich strategisch deutlich breiter auf. Weil niemand genau weiß, ob und falls ja, wie schnell die traditionellen Verbrenner zu Grabe getragen werden, setzen die Bayern auf eine flexible Fertigung. Nach den Plänen sollen im BMW-Reich künftig Benziner, Diesel, Hybride und reine Stromer auf einer einzigen Produktionsstraße gebaut werden können. Alleine in Regensburg und im Stammwerk in München lässt sich BMW den nötigen Umbau jeweils rund 200 Millionen Euro kosten.

Studie: Tesla Model 3 hat schlechtere CO2-Bilanz als C-Klasse

Auch bei Wissenschaftlern hat die Debatte um die Zukunft der Automobil-Industrie heftige Debatten ausgelöst. Vor allem die CO₂-Bilanz von Verbrennern und Stromern ist dabei zuletzt in den Blickpunkt gerückt. Berücksichtige man dabei nämlich neben dem Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases beim Fahren auch den CO₂-Ausstoß bei der stromintensiven Batterie-Produktion und den hohen Kohlestrom-Anteil in Deutschland, sehe die Bilanz ganz anders aus, heißt es in mehreren Veröffentlichungen.

Dann, rechnete etwa das Münchner ifo-Institut im vergangenen Jahr in einer Studie vor, weise zum Beispiel ein Tesla Model 3 eine schlechtere CO₂-Bilanz aus als eine Mercedes C-Klasse mit Dieselmotor.

Aber die Studie war heftig umstritten. So würde etwa der steigende Anteil erneuerbarer Energien darin nicht berücksichtigt, hieß es. Außerdem gingen die ifo-Wissenschaftler bei der Berechnung zur CO₂-Bilanz der Batterie-Fertigung von veralteten und längst überholten Variablen aus, hieß es.

VW: Neue Studie der Uni Eindhoven vergleicht CO₂-Bilanz von Verbrennern und Stromern

Nun hat die Universität Eindhoven eine neue Studie zum CO₂-Vergleich zwischen Verbrennern und E-Autos vorgelegt und damit für viel Aufsehen gesorgt. Den Autoren zufolge fallen bei der Produktion und beim Fahren von E-Autos erheblich weniger CO₂-Emissionen an zuletzt angenommen.

Nach der Berechnung der Experten werden etwa beim Bau eines aktuellen Toyota Prius 1.8l und einer erwarteten Laufleistung von insgesamt 250.000 Kilometer umgerechnet 28 Gramm CO₂ pro Kilometer fällig. Auf der Straße stößt der Prius weitere 140 Gramm je Kilometer aus. Macht unter dem Strich 168 Gramm CO₂ pro Kilometer.

Beim aktuellen Modell des eGolf sieht die entsprechende Bilanz bei der zugrunde gelegten Laufleistung von 250.000 Kilometer hingegen so aus: Umgerechnet 24 Gramm CO₂/km für den Bau, 11 Gramm CO₂/km für die Batterie-Produktion, 43 Gramm CO2 je tatsächlich gefahrenen Kilometer. Zusammen gerechnet entspricht das umgerechnet 78 Gramm CO₂ je Kilometer und damit gerade mal halb so viel wie beim Prius. 

Auch das Duell zwischen dem Tesla Model 3 und der Mercedes C-Klasse mit Diesel fällt mit insgesamt 260 Gramm bei Mercedes gegenüber 91 Gramm eindeutig zugunsten der Kalifornier aus.

VW-Chef Herbert Diess versetzt die Studie aus Eindhoven in Euphorie

VW-Chef Herbert Diess, der gerade mit einem Urlaubstrip im vollelektrischen ID.3 für Aufsehen gesorgt hat, versetzt die Studie zum Kantersieg der E-Autos in Euphorie. Der Vergleich, schreibt Diess auf dem Karriereportal LinkedIn, würde noch viel eindeutiger ausfallen, wenn neben Deutschland auch weitere Länder mit einem anderen Strommix berücksichtigt würden wie etwa Frankreich oder Österreich.

Zudem werde man bald bemerken, dass mit E-Fahrzeugen „gelassener und vorausschauender gefahren wird“ und die Unfallzahlen und Versicherungsprämien entsprechend sänken. Wahrscheinlich gingen auch noch die Punktekonten in Flensburg zurück, heißt es in dem LinkedIn-Post.

Indirekt sprach sich der VW-Boss zudem erneut dafür aus, Fahrer von CO₂-Schleudern künftig kräftiger zur Kasse zu bitten. Gerade in Deutschland gebe es eine „viel zu geringe CO₂-Steuer“. E-Autos würden sich aber dennoch durchsetzen, glaubt Diess – einer „starken Verbrenner-Lobby, historisch niedriger Dieselpreise“ und der „gerade in Deutschland viel zu geringen CO₂-Besteuerung“ zum Trotz.

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