Harsche Kritik am Wolfsburger Hoffnungsträger: Der vollelektrische VW ID.3 ist im Test der Fachzeitung AMS durchgefallen.
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Harsche Kritik am Wolfsburger Hoffnungsträger: Der vollelektrische VW ID.3 ist im Test der Fachzeitung AMS durchgefallen.

ID.3 fällt bei Test durch

Neuer VW-Stromer kommt böse unter die Räder: „Sprühdosig, Verhau, Nachbesserungsbedarf“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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VW-Chef Herbert Diess trimmt den Wolfsburger Autobauer radikal auf E-Mobilität. Doch ausgerechnet beim Start des voll-elektrischen ID.3 rumpelt es gewaltig.

  • VW-Chef Herbert Diess hat dem Wolfsburger Autobauer einen Radikal-Umbau Richtung E-Mobilität verordnet.
  • Am Freitag will der Konzern mit die ersten voll-elektrischen ID.3 ausliefern.
  • Doch der Wolfsburger Hoffnungsträger fällt beim Test in der Fachpresse jetzt krachend durch.

München - Beim Wandel Richtung E-Mobilität kennt VW-Chef Herbert Diess keinen Spaß. Wenn der Konzern beim überfälligen Umbau nicht bald mehr Fahrt aufnehme, ermahnte der Ingenieur seine Führungskräfte Mitte Januar, dann werde es im Wettbewerb mit Herausforderern wie Tesla „immer kritischer“.

Um die eigene Mannschaft ordentlich auf Trab zu bringen, lässt Diess nichts unversucht. Zum 1. September verdonnerte der VW-Boss die Führungskräfte bei der Wahl des Dienstwagens zu einem höheren E-Anteil. Bis Jahresende soll jedes dritte Fahrzeug für die Mitarbeiter mit Dienstwagen-Anspruch ein Stromer sein, verfügte Diess. In Wolfsburg war das Murren groß.


Vor gut einer Woche setzt der 61-Jährige jetzt noch einen drauf. Am Donnerstagabend bretterte Diess mit Tesla-Boss Elon Musk im voll-elektrischen ID.3 über die Landebahn am Airport Braunschweig-Wolfsburg. Doch der Testfahrer vom kalifornischen E-Autopionier zeigte sich vom ID.3 nur mäßig begeistert.

Aber im Vergleich zu dem, was die Fachpresse über den Start ins E-Zeitalter in Wolfsburg schreibt, war das Urteil des Multi-Unternehmers geradezu euphorisch. Die Fahreigenschaften des ID.3, schreibt das Branchenblatt Auto, Motor, Sport in seiner aktuellen Ausgabe, seien zwar überzeugend. Aber sonst gebe es noch „erheblichen Nachbesserungsbedarf“.

VW: Fachzeitschrift moniert „Verhau“ beim ID.3

Heck- und Stoßfänger seien „nicht perfekt“ montiert, bei der Aussparung der Lenksäule im Instrumententräger gebe es einen „Verhau“, die Innenseite der Fronthaube sei „sprühdosig lackiert“ und die Kunststoffe im Cockpit „schmutzempfindlich und hart“.

Dazu hagelt es Kritik an der Elektronik. Das Infotainment brauche beim Hochfahren „arg lange“, die Sprachsteuerung brilliere mit „Begriffsstutzigkeit“ und das Navigationsgerät sei mitunter erst nach mehreren 100 Metern Fahrt überhaupt zu gebrauchen.

VW: Fachjournalisten kritisieren überschaubare Reichweite des ID.3

Keine Gnade vor den Augen der Stuttgarter Scharfrichter findet auch die Akkupower des ID.3. Es reiche gerade mal zu knapp 360 Kilometern – bei defensiver Fahrweise. Wer – was im Alltag ja schon mal vorkommen soll – auch noch über die Autobahn fährt, muss sich laut AMS mit 260 Kilometern Reichweite begnügen.

Kein Wunder, dass das Resümee vernichtend ausfällt: „Ist das noch VW-Qualität?“, fragt das Blatt und schickt die Antwort gleich hinterher. Statt der 49.000 Euro Listenpreis sei der Wagen „bestenfalls die Hälfte wert“.

Das schwäbische Gnadenlos-Diktum kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Am Freitag will VW die ersten ID.3 ausliefern. Auch Konzernchef Diess hat sich für den ersten Vertreter aus dem konzern-eigenen „modularen E-Antriebs-Baukasten“ (MEB) zuletzt weit aus dem Fenster gelehnt. Während der Sommerferien war der promovierte Ingenieur im ID.3 von München aus an den Gardasee gedüst und hatte auf dem Karriereportal LinkedIn kräftig für den Stromer getrommelt.  

Bei VW gibt man sich angesichts der vernichtenden Kritik am Newcomer entsprechend schmallippig. Bei dem Testwagen habe es sich um ein seriennahes Fahrzeug gehandelt, heißt es aus der Wolfsburger Zentrale, die angesprochenen Mängel würden überprüft. Die Wolfsburger wollen sich unterdessen wohl auch von einer weltbekannten Marke trennen.

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