Wolfsburger Hoffnungsträger: Der vollelektrische VW ID.3.
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Wolfsburger Hoffnungsträger: Der vollelektrische VW ID.3.

Wolfsburger E-Offensive 

VW-Händler im Angriffsmodus: „Wir werden Tesla schnell überholen“

  • Thomas Schmidtutz
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Volkswagen hat sich lange Zeit gelassen mit einer Antwort auf den kalifornischen E-Autopionier Tesla. Doch jetzt holt der größte Autobauer der Welt zum Gegenschlag aus.

  • E-Autopionier Tesla hat die deutschen Autobauer unter Druck gesetzt.
  • Inzwischen sind die Kalifornier an der Börse fünf mal so viel Wert wie Volkswagen.
  • Doch nun gehen die Wolfsburger zum Gegenangriff über. Der Sieger in dem Duell steht VW-Händlern zufolge fest.

München – Die deutschen Volkswagen-Händler knüpfen große Hoffnungen an den bevorstehenden Marktstart des voll-elektrischen ID.3. „Viele Marktbeobachter werden sich wundern, wie schnell wir Tesla mit dem ID.3 überholen werden“, sagte der Chef des deutschen Volkswagen- und Audi-Händlerverbandes Dirk Weddigen von Knapp gegenüber Merkur.de.

Der ID.3 wird ab Anfang September ausgeliefert. Mit dem Auto, mit dem VW-Chef Herbert Diess gerade im Urlaub war, läutet der größte Autobauer der Welt die elektrische Zukunft ein. Dabei spielt der ID.3 eine zentrale Rolle.

Der Stromer im Golf-Format ist das erste Modell aus dem sogenannten Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Insgesamt will Volkswagen auf dieser Plattform rund 30 Fahrzeuge entwickeln. Bis 2030 wollen die Wolfsburger rund 20 Millionen Autos auf MEB-Basis verkaufen.

VW: Nachfrage für ID.3 hat Erwartungen „bei weitem übertroffen“

Die Händler sind entsprechend elektrisiert. Die Nachfrage nach dem ID.3 habe die Erwartungen „bei weitem übertroffen“, sagte Weddigen. Die Lieferzeit liege statt der für die meisten Modelle üblichen vier bis sechs Wochen inzwischen bei „rund vier Monaten“. Der ID.3 mit der kleineren 45-kWh-Batterie sei für das laufende Jahr bereits „nahezu ausverkauft“.

Allerdings liegt die Messlatte nicht allzu hoch. Von Januar bis Juli hat Tesla von seinem in Deutschland mit Abstand beliebtesten Model 3 hierzulande gerade mal rund 4500 Fahrzeuge verkauft. 

VW: Markt für E-Fahrzeuge in Deutschland nimmt Fahrt auf

Doch jetzt nimmt der Markt für E-Autos richtig Fahrt auf. Vor allem die wegen der Corona-Krise erhöhten staatlichen Kaufprämien für E-Autos treiben die Nachfrage. So erhalten Kunden beim Kauf eines Stromers bis 40.000 Euro Listenpreis einen Nachlass von 9000 Euro. Zuvor hatte der Umweltbonus noch bei insgesamt 6000 Euro gelegen, 3000 Euro davon übernehmen die Hersteller.

Für viele E-Auto-Interessenten spielt bei der Kaufentscheidung neben der Extra-Prämie und eines attraktiven Angebots auch das Werkstattnetz eine zentrale Rolle. Hier habe Tesla, dessen Chef Elon Musk nebenbei auch an der Symbiose zwischen Mensch und Maschine tüftelt, noch „erheblichen Nachholbedarf“, heißt es aus der Branche. Nach einer Übersicht auf der Tesla-Webseite gibt es aktuell zehn Service Center in Deutschland. Vier weitere soll demnächst eröffnet werden.

VW und Audi bringen es laut Händlerverband bundesweit dagegen zusammen auf insgesamt 2000 Betriebe. Im vergangenen Jahr hatten die VW- und Audi-Händler und Werkstätten mit ihren 100.000 Mitarbeitern einen Umsatz von insgesamt „rund 45 Milliarden Euro“ erzielt, erklärte Weddigen.

VW: Herber Rückschlag bei Neuwagen-Verkäufen wegen Corona

Ähnlich wie ihre Wettbewerber steuern aber auch die VW- und Audi-Händler im laufenden Jahr auf einen herben Rückschlag zu. Angesichts der Produktionsunterbrechungen und der Schließungen von Autohäusern im Frühjahr hätten die Händler einen „Umsatzausfall von mindestens drei Monaten“ zu beklagen, sagte Weddigen.

Zwar ziehe das Geschäft seit Juli wieder spürbar an. Auf Jahressicht sei der Absatz-Einbruch aus dem ersten Halbjahr jedoch „kaum noch aufzuholen“. Branchenweit werde das Minus im Neuwagenvertrieb im laufenden Jahr daher bei „20 bis 25 Prozent“ liegen. Darauf müssten sich wohl auch die VW- und Audi-Betriebe einstellen, sagte Weddigen.

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