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Öffnet VW „Büchse der Pandora“? Pläne könnten für deutsche Standorte weitreichende Folgen haben

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Von: Patrick Freiwah

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VW ID.6: Wird das China-SUV von Volkswagen nach Europa importiert und hier verkauft?
VW ID.6: Wird das China-SUV von Volkswagen nach Europa importiert und hier verkauft? © VCG/Imago

Bei Volkswagen bahnt sich offenbar ein Novum an. Der in China gebaute VW ID.6 könnte bald auch in Europa verkauft werden. Für die VW-Standorte in Deutschland wäre das ein herber Schlag.

Wolfsburg/München - Volkswagen (alle News*) steht in der Produktion offenbar vor einem wegweisenden Schritt: Der Autokonzern aus Niedersachsen plant angeblich, das 2021 auf den Markt gekommene Elektroauto ID.6 künftig nicht nur in Asien zu verkaufen, sondern auch in Deutschland.

Die Entscheidung könnte ein Meilenstein sein. Denn es wäre das erste Mal, dass Europas größter Autobauer ein in China* produziertes Modell auf dem Heimatland in Deutschland verkauft. Von derartigen Plänen im Hause der Wolfsburger berichtete zuerst das Portal Business Insider (BI).

VW ID.6: China-SUV soll bald nach Europa importiert werden

Den Plänen zufolge sollen künftig jährlich Tausende Fahrzeuge des VW ID.6 nach Europa exportiert und auf dem Alten Kontinent verkauft werden. Der Wagen müsste dann übrigens wohl einen anderen Namen tragen: Als VW ID.6 soll hierzulande nämlich der elektrische Passat-Nachfolger an den Start gehen. Sollte der Bericht Realität werden, würde das dem Unternehmen im harten globalen Wettkampf eine Menge Geld sparen: Die Fertigung in Deutschland oder dem europäischen Ausland ist wesentlich kostspieliger als im Reich der Mitte.

Daher soll die Entscheidung gefällt werden, das SUV gar nicht erst in die heimische Produktion einzugliedern. So würden als Resultat auch die Margen für das Elektroauto üppiger ausfallen, schildert das Portal weiter. Denn in Märkten wie Deutschland lässt sich wesentlich mehr Geld für das VW-Modell* verlangen als beispielsweise in China.

Wie der BI ausführt, plane Volkswagen über einen Zeitraum von fünf Jahren mit 80.000 verkauften Modellen in Europa, auch um den zuletzt holprigen VW-Absatz* auf dem wichtigen Absatzmarkt abzufedern. Es würde sich auch um eine indirekte Auswirkung von Corona bzw. der Chipkrise handeln: Schließlich geht es Konkurrent Tesla derzeit blendend, auch weil der US-Autobauer die Elektro-Mittelklasse Model 3 in Schanghai produziert und sich damit hohe Produktions- und Personalkosten spart.

Zuletzt erklärte Vorstandsboss Herbert Diess, dass im Zuge der Umstellung auf E-Mobilität deutschlandweit mehrere Tausend Jobs auf der Kippe stehen könnten:

Volkswagen könnte China-Modell in Europa verkaufen - Ärger mit Betriebsrat droht

Was sagt VW zu den möglichen Plänen? „Wenn Modelle in einem Markt erfolgreich sind, ist es nur natürlich, dass auch die Chancen in anderen Regionen analysiert werden. Das gilt natürlich auch für den siebensitzigen SUV ID.6“, erklärte ein VW-Sprecher dem Portal. Eine Entscheidung, ob der Crossover tatsächlich in Europa angeboten werde, sei demnach noch nicht gefallen.

Sicher erscheint, dass dieses Thema das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Geschäftsführung und VW-Betriebsrat vergrößern würde: Schließlich geht ohne die mächtige Arbeitnehmervertretung beim Autokonzern aus Norddeutschland kaum etwas. Wie der BI erklärt, könnte der Import des VW ID.6 eine Art Büchse der Pandora öffnen: Demnach sei es in der Führungsriege bei Volkswagen schon lange ein Traum, Fahrzeuge günstig im Ausland zu produzieren und hier zu verkaufen, um höhere Renditen erzielen zu können.

Die Engpässe bei Halbleitern setzen den Autobauern zu. Jetzt erreichen die Folgen der Entwicklung auch Händler - und Autokäufer. (PF) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

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