MAN-Truck: Im Ringen um die Zukunft des Münchner Lkw-Bauers will sich Betriebsratschef Saki Stimoniaris nicht unter Zeitdruck setzen lassen.
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MAN-Truck: Im Ringen um die Zukunft des Münchner Lkw-Bauers will sich Betriebsratschef Saki Stimoniaris nicht unter Zeitdruck setzen lassen.

Lkw-Bauer

MAN-Betriebsratschef sucht mit VW nach Ausweg aus Sackgasse - Kritik am Konzernchef: „Noch in der Probezeit“

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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MAN-Betriebsratschef Saki Stimoniaris sucht mit VW-Vorstand Gunnar Kilian nach Möglichkeiten, die stockenden Gespräche zur Zukunft des Lkw-Bauers wieder in Schwung zu bringen.

  • Der MAN-Betriebsrat hat die Gespräche über die künftige Aufstellung des Lkw-Bauers auf Eis gelegt.
  • Betriebsratschef Saki Stimoniaris dringt vor allem auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigung.
  • Jetzt suchen die Mitarbeiter-Vertreter nach einem Ausweg aus der Krise - und sprechen mit Volkswagen.
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München – Im Ringen um die Zukunft des angeschlagenen Lkw-Bauers MAN will sich der Betriebsrat nicht unter Zeitdruck setzen lassen. „Wir wollen im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen eine Lösung vor Weihnachten, aber nicht um jeden Preis“, sagte der Vorsitzende des MAN-Gesamtbetriebsrats Saki Stimoniaris, am Mittwoch gegenüber Merkur.de*. Sollten die Verhandlungen im laufenden Jahr nicht mehr zum Ziel führen, „sprechen wir 2021 weiter“.

Eine Wiederaufnahme der festgefahrenen Verhandlungen* werde man jedoch von entsprechenden Vorgesprächen mit den Shareholdern der MAN-Konzernmutter Volkswagen* und der Lkw-Holding Traton abhängig machen. An den Sondierungen nehmen neben Traton-Chef Matthias Gründler auch VW-Personal-Vorstand Gunnar Kilian teil. Der ehemalige Journalist ist innerhalb des VW-Vorstands auch für das Nutzfahrzeug-Geschäft zuständig.

MAN: Betriebsratschef lehnt Umbau-Pläne ab - „Schmarrn“

Stimoniaris lehnte die von MAN-Chef Andreas Tostmann vorgelegten Pläne erneut vehement ab. „Das ist keine Gesprächsgrundlage, sondern ein Schmarrn“. Würden die Ideen umgesetzt, drohe die Abwicklung des Unternehmens. „Das werden wir nicht kampflos hinnehmen“, sagte Stimoniaris. 

Nach den Ende September veröffentlichten Plänen will der Münchner Lkw-Bauer in Deutschland und Österreich 9500 Stellen streichen, den Standorten Wittlich (Rheinland-Pfalz), Plauen (Sachsen) und Steyr (Oberösterreich) droht das Aus. MAN baut in Wittlich Lkw nach Kundenwünschen um, in Plauen Busse. Im Werk Steyr laufen die leichte und mittlere Baureihe (TGL, TGM) vom Band.

Laut Stimoniaris würde die Hälfte der Stellen in Deutschland und Österreich gestrichen, um sie im Ausland wiederaufzubauen. Dies sei ein „Kahlschlag auf dem Rücken der Beschäftigten in Deutschland und Österreich“, den man nicht dulden werde.

Der oberste Mitarbeiter-Vertreter des Konzerns forderte das Unternehmen eindringlich zum Einlenken auf. „Wir wollen eine ehrliche und faire Chance für die Beschäftigten“. MAN habe in den vergangenen Jahren für insgesamt drei Milliarden Euro den Kauf der VW-Nutzfahrzeug-Tochter VW do Brasil und gemeinsam mit dem VW-Konzern die Übernahme von Scania gestemmt. Die entsprechenden Mittel hätten jedoch für Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie weitere Bereiche von MAN gefehlt. Dies müsse den Beschäftigten gutgeschrieben werden. Das ist „eine Frage der Fairness und des Respekts vor der Leistung der MAN-Beschäftigten“, sagte der MAN-Betriebsratschef am Mittwoch am Konzernsitz im Münchner Norden.

MAN: Betriebsratschef signalisiert Einigungsbereitschaft

Mit Blick auf die fest gefahrenen Gespräche signalisierte Stimoniaris erneut Einigungsbereitschaft. Die Mitarbeiter seien bereit, ihren Beitrag zu leisten. Voraussetzung sei jedoch, dass der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen verzichte. „Wir sind keine Bittsteller.“

Zudem forderte er den Erhalt der von einer Schließung bedrohten Standorte. Wittlich und Plauen seien „hochprofitable Nutzfahrzeug-Manufakturen“, sagte Stimoniaris. Für die leichte und mittlere Reihe aus Steyr werde es auch auf Sicht von mindestens zehn Jahren genügend Nachfrage geben.

Angesichts der Pläne des Unternehmens zu einem möglichen Personalabbau forderte Stimoniaris zudem eine Altersteilzeitregelung, großzügige Abfindungen sowie die Einrichtung einer Qualifizierungsgesellschaft „jeweils auf Basis doppelter Freiwilligkeit“. Damit müssten sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeiter bei entsprechenden Lösungen zustimmen.

MAN: Harsche Kritik an Konzern-Chef Tostmann

Dem seit Juli amtierenden MAN-Chef warf Stimoniaris indirekt mangelnde Kenntnisse des Nutzfahrzeug-Marktes vor. Tostmann sei noch „in der Probezeit und Anlernphase“, sagte der Gewerkschafter. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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