Traton-Tochter MAN: Bis 2030 sollen 40 Prozent aller Fernlaster des Münchner Lkw-Bauers emissionsfrei unterwegs sein.
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Traton-Tochter MAN: Bis 2030 sollen 40 Prozent aller Fernlaster des Münchner Lkw-Bauers emissionsfrei unterwegs sein.

Milliarden-Investitionen in Elektro-Lkw 

VW: MAN-Muttergesellschaft Traton überrascht mit strategischer Neuausrichtung

  • Thomas Schmidtutz
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Die Lkw-Bauer haben E-Antriebe wegen der Einbußen für die Nutzlast lange skeptisch gesehen. Doch die VW-Tochter Traton hat die Bedenken jetzt abgelegt.

München - Die VW-Nutzfahrzeugholding Traton um ihre Kernmarken MAN und Scania will in den kommenden Jahren deutlich mehr Geld in die Entwicklung von Elektroantrieben stecken als bislang geplant. Bis 2025 seien statt bislang einer Milliarde Euro nun insgesamt 1,6 Milliarden für Forschung und Entwicklung in diesem Bereich vorgesehen, teilte Traton am Montag in München mit.

Zugleich würden die Ausgaben für konventionelle Antriebe heruntergefahren. Im Jahr 2025 soll weniger als ein Fünftel der Investitionen in der Produktentwicklung auf herkömmliche Antriebe entfallen. „Traton setzt klar auf den Elektro-Lkw“, sagte Vorstandschef Matthias Gründler laut Mitteilung. Der Umstieg werde Schritt für Schritt erfolgen und im Einklang mit dem nötigen Netzausbau erfolgen, hieß es.

VW-Tochter Traton: Konkrete Zielvorgaben für MAN und Scania

Nach den Plänen sollen beim Münchner Lkw-Bauer MAN 2025 die Hälfte der neuen Busse einen alternativen Antrieb haben. 2030 werden mindestens 60 Prozent der Lkw für den Lieferverkehr und 40 Prozent der Lkw für Fernverkehr emissionsfrei sein, teilte Traton mit. Bei Scania sollen 2025 rund zehn Prozent aller Fahrzeuge mit E-Antrieben fahren, 2030 soll bereits jedes zweite Fahrzeug einen E-Antrieb haben.

Zuletzt hatte es in der Branche wegen der hohen Batterie-Gewichte und der entsprechenden Einbußen bei der verfügbaren Nutzlast große Zweifel an der Praxis-Tauglichkeit von E-Antrieben gegeben. Jetzt setzt Traton überraschend klar auf E-Antriebe.

Traton-Chef: E-Antriebe sind effizienter - MAN-Muttergesellschaft Traton überrascht mit strategischer Neuausrichtung

Gerade auf der Langstrecke seien batterieelektrische Lastwagen gegenüber Wasserstoff-Lkw die „günstigere und umweltfreundliche Lösung“. Zur Begründung hieß es, bei Wasserstoff-Lkw fließe am Ende nur „ein Viertel der Ausgangsenergie in den Antrieb“, die übrigen drei Viertel gingen von der Ausgangsenergie bis zur Straße verloren. „Beim E-Lkw ist das Verhältnis umgekehrt“, sagte Gründler.

Der Wasserstoff-Lkw dürfte sich in den nächsten zehn Jahren jedoch ebenfalls am Markt etablieren. In Regionen mit günstigem CO2-freiem Strom könnten sie eine Rolle spielen, ebenso bei Fernreisebussen, die in den Haltepausen nicht ausreichend geladen werden könnten.

VW-Tochter Traton erwartet deutliches Absatz-Plus für 2021

Traton erwartet für das laufende Jahr ein kräftiges Plus bei Absatz und Umsatz. Die Auftragslage habe sich zuletzt deutlich verbessert, hatte das Unternehmen am Mittwoch mitgeteilt. Die operative Gewinnmarge solle zwischen fünf und sechs Prozent liegen. Im Vor-Corona-Jahr 2019 hatte Traton noch eine Gewinnmarge von sieben Prozent erreicht.

Allerdings hatte Traton in seiner Prognose noch keine Aufwendungen für die Restrukturierung von MAN berücksichtigt. Der entsprechende Betrag dürfte im oberen dreistelligen Millionen-Betrag liegen. Beim Münchner Lkw-Bauer sollen bis Ende kommenden Jahres 3500 Stellen wegfallen.

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