Andreas Renschler, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, bei einem Termin im Mai 2019
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Andreas Renschler, Vorstandsmitglied der Volkswagen AG, bei einem Termin im Mai 2019.

Überraschende Wachablösung

Paukenschlag in München: Chefs von MAN und Traton müssen ihren Hut nehmen

  • Martin Prem
    vonMartin Prem
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Der Coup war selbst für gut informierte Beobachter eine Überraschung: Volkswagen tauscht mehrere Top-Manager seiner Nutzfahrzeugsparten aus. Die Chefs von Traton und MAN verlieren ihre Posten.

  • Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen entlässt mehrere Topmanager ihrer Ableger.
  • In München müssen zwei Chefs ihren Hut nehmen: bei der Traton SE sowie MAN.
  • Die Personalien geben Rätsel auf. Doch gab es in letzter Zeit Differenzen in der Vorstandsetage.

München – Die Änderungen sollen ungewöhnlich schnell, zum 15. Juli wirksam werden. Über die Hintergründe des überraschenden Führungswechsels kann man nur spekulieren. Andreas Renschler, als ehemaliger Chef der Nutzfahrzeugsparte von Daimler einer der profiliertesten Manager der Branche, ist es gelungen, die anfangs höchst unwilligen VW-Töchter Scania und MAN unter dem Dach der neugegründeten Traton SE mit Sitz in München zusammenzuführen. Doch ein entscheidender, von ihm eingeleiteter Schritt stand noch aus: Die komplette Übernahme des US-Partners Navistar. Damit hätte Traton mit seinen Marken MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus (Brasilien) auch ein Standbein in Nordamerika gehabt – womit Traton auch in Nordamerika zum ernsthaften Konkurrenten für Daimler mit der US-Marke Freightliner geworden wäre. Das Meisterstück für den bisherigen Traton-Chef fehlte also noch.

Traton und MAN: Differenzen zwischen den Chefs - Nun müssen beide gehen

Und auch Joachim Drees wirkte keineswegs amtsmüde. Der Chef von MAN hat die Position des Münchner Nutzfahrzeugbauers gegenüber der von VW anfangs deutlich favorisierten Konzernschwester Scania gestärkt und den Standort München über riesige Investitionen in eine neue Lackiererei und ein neues Entwicklungszentrum für viele Jahre sichern können.

Allerdings wurden in jüngster Zeit Differenzen in der Chefetage kolportiert. Renschler wollte die technische Entwicklung, die bisher zwischen den einzelnen Marken aufgeteilt war, stärker bei Traton konzentrieren. Die einzelnen Töchter waren entschieden dagegen. Warum dann aber neben Renschler auch MAN-Chef Drees gehen muss, Scania-Chef Henrik Henriksson aber seinen Posten behält, ist so kaum zu erklären. Denn beide standen als Markenchefs in Opposition zu Renschlers Plänen.

Joachim Drees wird als Chef des Münchner Nutzfahrzeugherstellers MAN abgelöst.

Auch Differenzen mit dem Betriebsrat, die genannt wurden, greifen für eine Erklärung der Rochade zu kurz. Zwar hat der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Saki Stimoniaris eine Äußerung Renschlers über Verhandlungen einer Neuausrichtung des Konzerns mit Personalabbau harsch dementiert. Doch zwischen Drees und Stimoniaris sind vergleichbare Differenzen nicht bekannt. Es ist daher unwahrscheinlich, dass der mächtige Arbeitnehmervertreter die Ablösung von Drees betrieben haben könnte.

VW Nutzfahrzeuge: Dritter Personalwechsel in Niedersachsen - Sedran abgelöst

Rätsel gibt darüber hinaus eine dritte Personalie auf: MAN-Arbeitsdirektor Carsten Intra verlässt München ebenfalls in Richtung Hannover, er löst dort Thomas Sedran als Markenchef der kleinen Nutzfahrzeuge ab, dessen Entmachtung ebenfalls überraschend kam.

Neuer Chef in der Traton-Zentrale nahe des Münchner MAN-Werks wird Matthias Gründler, der bis 2018 bereits Traton-Finanzvorstand war, diesen Posten damals aber räumte. Renschlers Position im VW-Konzernvorstand übernimmt der dortige Personalvorstand Gunnar Kilian.

Für Drees kommt Andreas Tostmann nach München – auch dies überraschend. Der Manager war bisher in Wolfsburg Markenvorstand für Produktion und Logistik. Der Produktionsanlauf des neuen Golfs der achten Generation, für den Tostmann verantwortlich war, ging alles andere als reibungslos vor sich.

Völlig offen bleibt, wer die eigentlich maßgebliche Figur hinter den personellen Veränderungen ist. VW-Konzernchef Herbert Diess wird genannt. Doch der eigentliche starke Mann im Hintergrund ist Hans Dieter Pötsch, Aufsichtsratsvorsitzender sowohl von Volkswagen als auch von Traton und zugleich Chef des größten VW-Aktionärs der Porsche Automobil-Holding.

Pötsch hatte noch für den früheren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch die gewünschte Übernahme von MAN mit großen Geschick – aber alles andere als mit offenen Karten betrieben – und damit die Machtübernahme Piëchs beim ältesten deutschen Industriekonzern ermöglicht.

VWN verteilt Lobeshymnen: Inhaltsleere Floskeln für Renschler

Die Lobeshymne, mit denen Volkswagen den abgesetzten Traton-Chef überschüttete, stammen ebenfalls von Pötsch. Renschler habe die Basis für die zukunftsweisende Aufstellung des Unternehmens gelegt „und dafür gesorgt, dass das Unternehmen mit einem starken Netzwerk von strategischen Partnern über Zugang zu allen relevanten Märkten verfügt“ hieß es in der Mitteilung des Konzerns. Warum er dann gehen muss, bleibt offen. Die Trennung sowohl von Pötsch als auch von Drees erfolge „im besten gegenseitigen Einvernehmen“. Solche inhaltsleeren Floskeln verdankt man in der Regel nicht Freunden – sondern Todfeinden.

In Kroatien ist vor wenigen Wochen ein früherer VW-Manager festgenommen worden. Gegen ihn lag ein internationaler Haftbefehl vor:

Übrigens: Im Diesel-Skandal konnte sich VW mit den Verbraucherzentralen einigen. Hunderttausende betroffene Kunden erhalten nun finanzielle Entschädigung

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