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Scania soll den indischen Verkehrsminister Nitin Gadkari bestochen haben

Indien

VW: Korruptionsverdacht bei Konzern-Tochter: Liegesitze, Flatscreen, Leder - Ein Luxus-Bus für den Minister

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Die schwedische VW-Tochter Scania soll den indischen Transportminister mit einem Luxus-Bus bestochen haben. Zum Dank gab es lukrative Aufträge.

München - VW-Tochter Scania zahlte zwischen 2013 und 2016 Bestechungsgelder, um sich lukrative Aufträge in Indien zu sichern. Das ergaben die Recherchen vom ZDF und dem schwedischen TV-Sender SVT. Zentraler Baustein des Korruptionsskandals: Ein 260.000 Euro teurer 18-sitziger Bus, den Scania an den indischen Transportminister Nitin Gadkari lieferte.

Während Volkswagen Finance in Indien beteuert, nichts von dem Geschäft gewusst zu haben, widersprechen interne Ermittler in einem Bericht, der dem ZDF vorliegt. Der Bus sei „ein Geschenk, mit dem Zweck, den Zuschlag für Geschäfte in Indien zu bekommen“, wird aus dem Schreiben zitiert. Doch wie hat Scania die Bestechung so lange geheim halten können?

Scania: Volkswagen Financial Services gab Kredit für die Bestechung

Offiziell lieferte ein Vertriebspartner von Scania den Luxus-Bus an eine Firma, die dem Verkehrsminister Gadkari nahesteht. Das Geld für den Bus stammt von Volkswagen Finance. In Form eines Kredits steuert das VW-Unternehmen das Geld für den Bus bei, doch die Ratenzahlung blieb aus. Scania bürgte für den 260.000 Euro teuren Kredit und beglich diesen bei der Volkswagen Finance. Letztendlich kommt die ZDF-Recherche zu dem Schluss, dass Scania zahlte - inklusive Sonderwünsche wie Liegesitzen aus Leder und Flat-Screens.

Sogar über die Farbe der Luxus-Sitze diskutierte Scania mit dem Sohn des Verkehrsministers, berichtet die taz. Der Bus, in dem alleine die Toiletten mit 20.00 Euro veranschlagt waren, soll unter anderem bei der Hochzeit der Tochter Gadkaris 2016 zum Einsatz gekommen sein.

Scania in Indien: Bestechung sollte Absatz fördern

Wie das ZDF weiter berichtet, sollen Scania-Manager mit Bargeldzahlungen an Politiker den Absatz der Busse ankurbeln. Ein WhatsApp-Chat, der dem ZDF vorliegt, belegt die Schmiergeldzahlung. Die Machenschaften des schwedischen Unternehmens flogen aufgrund der internen Ermittlungen auf, Scania zog sich aus dem Busgeschäft in Indien vollständig zurück. Wie das ZDF Volkswagen zitiert, seien die beteiligten Mitarbeiter und Manager entlassen worden. Jedoch verkauft das Unternehmen weiter LKW, obwohl aus dem internen Bericht hervorgeht, dass es auch bei diesen Geschäften zu Betrug kam.

Scania lieferte rund 100 Kipplaster an die staatliche Minengesellschaft BCCL aus. Abgemacht waren die Modelle des Typs 380, doch Scania konnte diese nicht liefern. Wie das ZDF berichtet, tauschten Mitarbeiter die Typbezeichnungen der LKW in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus: Vom Typ 410 waren genug Kipplaster vorhanden, sodass die Mitarbeiter das Logo entfernten und stattdessen die Bezeichnung des Typs 380 einsetzten. So machte Scania über Nacht aus 100 LKW des Typs 410 die bestellten Kipplaster des Typs 380. Volkswagen sehe den Tatbestand des Betrugs nicht erfüllt, da „schließlich kein Schaden entstanden sei“, zitiert das ZDF den Wolfsburger Konzern.

Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Vorermittlungen ein

Aufgrund der Recherchen von ZDF und SVT wird die Staatsanwaltschaft Braunschweig Vorermittlungen gegen Volkswagen Financial Services durchführen. Erst wenn es „Anhaltspunkte für ein strafrechtliches Verhalten“ gebe, folgen weitere Ermittlungen, so Staatsanwalt Hans Christian Wolters gegenüber dem ZDF. Scania-Boss Henrik Henriksson, der zuletzt gemeinsam mit MAN-Chef Andreas Tostmann mit einem masken-freien Foto auf LinkedIn für Aufsehen sorgte, verlässt jedenfalls die VW-Tochter. Volkswagen versicherte gegenüber dem ZDF aber, der Abgang habe „nichts mit den Recherchen von ZDF und SVT zu tun“. (jjf)

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